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Die Ausnahme ist nun die Regel

Der Flughafen Zürich nimmt am Abend bewusst Verspätungen in Kauf und weicht so die Nachtruhe auf.

Die neue Zürcher Flughafenministerin Carmen Walker Späh (FDP) ist nicht zu beneiden. Während es ihrem Vorgänger Ernst Stocker (SVP) während Jahren gelang, den Ball in der Flughafendiskussion flach zu ­halten, musste sie bei ihrem ersten grossen Auftritt zu diesem Thema mit einer Hiobsbotschaft aufwarten: 61'381 Menschen litten 2014 unter dem Fluglärm des Zürcher Airports – so viele wie noch nie zuvor. Dazu beigetragen hat einerseits das konstante Bevölkerungswachstum in der Zürcher Agglomeration, über die der Luftverkehr führt. Viel schwerer wiegen aber rund 12'000 Nachtflüge. So viele wurden 2014 zwischen 22 und 6 Uhr abgewickelt, gut 1900 mehr als im Vorjahr. Weil diese Flugbewegungen die Menschen spätabends und damit allenfalls im Schlaf stören, ­wirken sie sich auf den Zürcher Fluglärmindex ­überproportional aus. Das muss auch so sein, weil die Nachtruhe besonders schützenswert ist.

Mehr als 2500 Flüge fanden sogar innerhalb der siebenstündigen Nachtflugsperre ab 23 Uhr statt. Im Zeitpuffer zwischen 23 und 23.30 Uhr, während dem ein Verspätungsabbau ohne Bewilligung möglich ist, starteten und landeten allein 2300 Maschinen, 400 mehr als im Vorjahr. Die Zahl dieser Flüge steigt, weil der Flughafen dann im Laufe des Tages den immer länger werdenden Rattenschwanz an Verspätungen abbaut. Das ist nicht illegal. Das Betriebsreglement des Flughafens erlaubt es. Die Aufweichung der Nachtflugsperre ist aber Ausnahmen vorbehalten.

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