Zum Hauptinhalt springen

«Die Betrüger wissen genau, wie unser Hirn funktioniert»

Enkeltrickbetrüger versuchen, bei alten Menschen ein schlechtes Gewissen zu wecken, sagt Psychologin Bettina Ugolini.

Hannes Nussbaumer
Die Enkeltrickbetrüger appellieren ans schlechte Gewissen von älteren Personen.
Die Enkeltrickbetrüger appellieren ans schlechte Gewissen von älteren Personen.

Bettina Ugolini, warum funktioniert die Enkeltrickmasche?

Die Betrüger gehen sehr raffiniert vor. Entweder schaffen sie es, dem Opfer durch die Einstiegsfrage – «Rate mal, wer am Telefon ist?» – den Namen eines Verwandten zu entlocken und sich dann glaubhaft als dieser auszugeben. Oder sie stellen sich als Enkel X oder Neffe Y vor und simulieren Entrüstung, wenn sich das Opfer nicht an sie erinnert. Damit aktivieren die Betrüger beim Opfer ein schlechtes Gewissen. Gleichzeitig ist das Opfer verunsichert, weil ihm die eigene Vergesslichkeit vorgeführt wird – damit trifft man gerade bei älteren Menschen einen wunden Punkt.

... und das reicht, um das Misstrauen auszuschalten – sogar wenn der Anrufer viel Geld will?

Ja. Die Betrüger wissen genau, wie unser Hirn funktioniert. Wir fokussieren auf das, was uns am meisten bewegt – das kann die Freude über den Anruf des angeblichen Verwandten sein oder die Verunsicherung, weil man ihn vermeintlich vergessen hat. Da kann die Geldforderung in den Hintergrund treten. Hinzu kommt: Die Anrufer sagen, sie seien in Not. Damit bewirtschaften sie die natürliche Neigung, nahestehenden Menschen zu helfen. Plagt uns dazu noch ein schlechtes Gewissen, wird die Hilfsbereitschaft noch grösser.

«Betroffen sind vor allem ältere Menschen, mehrheitlich Frauen, die meisten zwischen 75- und 90-jährig.»

Bettina Ugolini

Gibt es das «typische» Enkeltrickopfer?

Betroffen sind vor allem ältere Menschen, mehrheitlich Frauen, die meisten zwischen 75- und 90-jährig. Es ist kein Zufall, dass die Betrüger vor allem Senioren anpeilen. Zum einen ist die Aufnahmefähigkeit im Alter reduziert, weshalb man weniger schnell realisiert, dass einen jemand betrügen will. Hinzu kommt, dass ältere Menschen oft einsam sind und sich sehr freuen, wenn ein «Verwandter» anruft – und ihre Hilfe in Anspruch nehmen möchte.

Wie reagieren Menschen, die betrogen worden sind?

Sie sind tief verunsichert und stellen sich und ihre Kompetenzen fundamental infrage. Oft folgt daraus ein ausgeprägtes Misstrauen jedem und allem gegenüber. Es geht dann vor allem darum, den Betroffenen Sicherheit zurückzugeben. Sie müssen wissen, dass sie nicht Opfer des eigenen Versagens geworden sind, sondern der Raffinesse eines Betrügers.

«Wer Geld braucht, ist nicht in Lebensgefahr.»

Bettina Ugolini

Was raten Sie älteren Menschen, die nun Angst haben?

Ich sage immer: Wer Geld braucht, ist nicht in Lebensgefahr. Man darf sich also Zeit nehmen, wenn man um Geld angegangen wird – Zeit, um mit einer Vertrauensperson zu reden. Und dann soll man unbedingt eine Rückrufnummer verlangen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch