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«Die Chance ist … es ist möglich»

Freisinnige gegen Grüne: Der Herausforderer im Zürcher Regierungsratswahlkampf glaubt an die Sensation.

Ist dem Favoriten auf den Fersen: Regierungsratskandidat Martin Neukom (Grüne).
Ist dem Favoriten auf den Fersen: Regierungsratskandidat Martin Neukom (Grüne).
Urs Jaudas

So ganz geheuer scheint es Martin Neukom noch nicht zu sein. Der 32-jährige grüne Regierungsratskandidat ist gemäss TA-Wahlumfrage so gut im Rennen, wie es kaum jemand vor dem Wahlkampf für möglich gehalten hätte. «Die Chance ist … es ist möglich», sagt Neukom, auf die jüngsten Umfrageresultate angesprochen. 38 Prozent der Wählerinnen und Wähler wollen seinen Namen auf den Wahlzettel schreiben, das sind nur vier Prozentpunkte weniger als beim FDP-Kandidaten Thomas Vogel, der als klarer Favorit galt.

Die Umfrageresultate motivierten ihn und sein Wahlkampf-Team. «Wir müssen den Wählerinnen und Wählern noch besser aufzeigen, dass viele nun von Umweltschutz reden, aber abblocken, sobald es konkret wird.» Allgemein verspüre er aufgrund der aktuellen Klimadebatte intern viel mehr Engagement. «Die Motivation bei den Grünen ist enorm hoch, die Leute gehen lieber auf die Strasse, es ist ein riesiger Unterschied zu 2015», sagt Neukom. Die Rahmenbedingungen seien für eine Überraschungswahl derzeit enorm gut. «Das Thema ist so virulent wie nie», sagt er.

Kritik an Vogel

Trotzdem bleibt Thomas Vogel der Favorit im Rennen um den siebten Regierungsratsitz. Denn Neukom ist vielen Wählerinnen und Wählern immer noch unbekannt und insgesamt weniger bekannt als Vogel, das zeigt die TA-Wahlumfrage. Und das ist gemäss Politgeograf Michael Hermann auch sein grösster Nachteil. Hätten die Grünen eine profiliertere Kandidatin oder einen profilierteren Kandidaten portiert, wäre Vogel noch ärger in Bedrängnis, lautet seine Einschätzung.

Neukom selbst glaubt nicht, dass er es im Wahlkampf verpasst hat, sich bekannter zu machen. Seine Medienpräsenz sei hoch gewesen, er habe sich via soziale Medien engagiert. Dass es Thomas Vogel besser gelang, sich einen Namen zu machen, erklärt er sich mit dem höheren Wahlkampfbudget des Freisinnigen: «Vogel hat extrem viele Plakate aufhängen lassen, das kann ich mir nicht leisten.» Inhaltlich habe der FDP-Mann hingegen nicht überzeugt. «Vogel ist noch nie hingestanden und hat gesagt: ‹Ich stehe für X oder Y›», kritisiert Neukom seinen Konkurrenten.

Muss die SVP-Wählerschaft von sich überzeugen: Regierungsratskandidat Thomas Vogel (FDP). Bild: Madeleine Schoder
Muss die SVP-Wählerschaft von sich überzeugen: Regierungsratskandidat Thomas Vogel (FDP). Bild: Madeleine Schoder

Das lässt Thomas Vogel nicht auf sich sitzen: «Herr Neukom war auf so vielen gemeinsamen Podien mit mir, wenn er bis jetzt nicht weiss, wofür ich stehe, dann ist das sein Problem.» Das sei typische Wahlkampfrhetorik, die ihn nicht aus der Ruhe bringe. Auch die jüngsten Umfragen liessen ihn weiter gut schlafen, sagt Vogel. «Der Abstand ist konstant geblieben, ich bleibe zuversichtlich.»

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Vogel müsste vor allem vermehrt die SVP-Wählerschaft von sich überzeugen. Die TA-Wahlumfrage hat gezeigt, dass das bürgerliche Bündnis zwischen SVP, FDP und CVP nur bedingt funktioniert. Vogel bekommt nur rund von der Hälfte der SVP-Wähler die Stimme. Das Gleiche gilt für SVP-Kandidatin Natalie Rickli, sie überzeugt nur rund 50 Prozent der FDP-Wählerschaft. «Ich hoffe, die Umfrage macht dieses Problem offensichtlich und stösst bei einigen einen Denkprozess an, der dazu führt, dass am Ende fünf bürgerliche Namen auf dem Wahlzettel stehen», sagt Vogel.

Derzeit zeichnet sich eine tiefe Wahlbeteiligung ab, und da müsse umso mehr Wahlkampf bis zur letzten Minute betrieben werden, sagt Vogel, der gerade am Dienstagmorgen auf dem Bürkliplatz flyern war. Die knappen Umfrageresultate würden wohl auf beiden Seiten Wählerinnen und Wähler mobilisieren. Neukom glaubt, dass eine tiefe Wahlbeteiligung für ihn eher ein Nachteil sein könnte, weil es viele Leute gebe, die zwar seine Anliegen teilten, aber schliesslich nicht wählen gingen. Dieses Potenzial, so Neukom, gelte es nun in den letzten Wahlkampftagen so gut wie möglich auszuschöpfen.

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