Die Devise für den Herbst: «Alle gegen Köppel»

Keiner mobilisiert besser gegen die SVP als Roger Köppel. Deshalb hat er bei den Zürcher Ständeratswahlen keine Chance.

Kaum ein Schweizer Politiker polarisiert so wie Roger Köppel. Foto: Aladin Klieber (Keystone)

Kaum ein Schweizer Politiker polarisiert so wie Roger Köppel. Foto: Aladin Klieber (Keystone)

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Ganz nüchtern und sachlich, ohne Fake News und «Klimahysterie»: Die SVP ist, wenn es um die Ständeratswahlen geht, eine Verliererpartei. Bloss fünf Vertreter sitzen heute im Ständerat. Ihr «Sturm aufs Stöckli» wird im Kanton Zürich im Herbst zum vierten Mal scheitern. Roger Köppel, der bestgewählte Nationalrat der Schweiz, ist der Garant dafür.

Köppels Nomination durch die SVP-Delegierten am nächsten Dienstag ist reine Formsache, weil sich Gegenkandidat Alfred Heer gestern aus dem Rennen genommen hat. Parteipräsident Konrad Langhart irrt jedoch, wenn er Köppel als «idealen Ständeratskandidaten» bezeichnet. Er ist das pure Gegenteil. Köppel ist zwar sehr bekannt, aber viel weniger populär. Denn er polarisiert wie kein anderer weit über den Kanton Zürich hinaus. Um bei Majorzwahlen eine Chance zu haben, muss ein Kandidat Stimmen weit über das eigene Lager hinaus holen. Und genau das kann Köppel nicht. Der einzige ideale Kandidat wäre Regierungsrat Ernst Stocker gewesen – doch der wollte nicht.

Köppel gehört das Verdienst, dass er die Zürcher Ständeratswahl im Herbst zuvorderst auf die nationale Bühne schieben wird. Er wird gehörig Rambazamba machen und «mit aller Kraft», wie die SVP verspricht, gegen die «Ankettung an die EU» und den «schädlichen» Rahmenvertrag kämpfen. Köppel wird aber auch alle anderen Parteien motivieren, ihre besten Kandidatinnen und Kandidaten zu bringen. Mit den Bisherigen Daniel Jositsch und Ruedi Noser haben das SP und FDP schon getan.

Jositsch mit den besten Chancen im ersten Wahlgang

Es lässt sich ziemlich risikolos voraussagen, dass es im November 2019 zu einem zweiten Wahlgang kommen wird. Spätestens dann wird das Motto lauten: «Alle gegen Köppel!» Wir kennen das von früheren Wahlen. 2007 verzichtete Chantal Galladé (damals noch SP) zugunsten von Verena Diener (GLP), um Ueli Maurer zu verhindern. 2011 verzichteten Thomas Hardegger (SP) und Balthasar Glättli (Grüne), um Christoph Blocher (SVP) zu verhindern. Und vor vier Jahren zogen sich Barbara Schmid-Federer (CVP) und Martin Bäumle (GLP) zurück. Ruedi Noser schaffte es im zweiten Wahlgang, und prompt scheiterte auch der «liebe und nette» Hans-Ueli Vogt (SVP).

Hält der Klimawandel als Hauptthema an, sind bei den Ständeratswahlen 2019 Überraschungen möglich. Die besten Chancen, wie schon 2015 im ersten Wahlgang gewählt zu werden, hat Daniel Jositsch, da er von links bis über die Mitte hinaus Stimmen erhalten wird. Die übrigen Spekulationen hängen davon ab, wie gut die weitere Konkurrenz ist. Mit Tiana Angelina Moser, Fraktionschefin, Aussenpolitikerin und Umweltwissenschaftlerin, hätte die GLP eine Frau mit dem berühmten Ständeratsgen: Sie könnte Stimmen aus einem breiten Spektrum holen. Und sie wäre die einzige Frau unter den Topkandidaten. Die Grünen schliesslich hätten mit Bastien Girod gar einen ausgewiesenen Klimaexperten. Für Ruedi Noser heisst das: Die SVP klemmt, und die Linke schaut für sich.

Köppel wirkt wie ein Schreckschuss

Weil Roger Köppel in einem zweiten Wahlgang nie und nimmer verzichten und fanatisch einen weiteren Monat die Anti-EU-Trommel rühren wird, müssen sich die übrigen Parteien zusammenraufen. Hält jede an ihrer Kandidatin oder ihrem Kandidaten fest, könnte es Köppel schaffen, weil er die grösste Hausmacht hat. Doch Köppel wirkt für die übrigen Parteien wie ein Schreckschuss: Niemand von ihnen will ihn im Stöckli sehen. Also verzichten alle, die keine Wahlchance mehr haben.

Ein solcher zweiter Wahlgang birgt viel Konfliktpotenzial – zwischen FDP und SVP, vielleicht aber auch zwischen Grünen, Grünliberalen und FDP. Die SVP hat bereits begonnen, Noser schlechtzumachen. Noch heikler für ihn wird, wenn die Umweltparteien eine echte Chance wittern. Er trage bloss ein «grünes Mäntelchen», war bereits zu hören. Für Ruedi Noser ist die Ständeratswahl jedenfalls noch nicht gelaufen.

Erstellt: 28.03.2019, 08:19 Uhr

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