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Die Fakten sprechen gegen das Spital Affoltern

Weder die Patientinnen und Patienten aus dem Säuliamt noch die Behörden brauchen ein kleines Akutspital an der Peripherie des Kantons.

Das Bezirksspital in Affoltern am Albis steht vor einer unsicheren Zukunft. Foto: Samuel Schalch
Das Bezirksspital in Affoltern am Albis steht vor einer unsicheren Zukunft. Foto: Samuel Schalch

Wir kennen das Muster aus dem Fussball: Eine Mannschaft ist in der Krise, und der Klub hält eisern am Trainer fest – um ihn dann einige Stunden später doch zu entlassen. Jüngst haben diese Erfahrung Raphael Wicky vom FCB und Uli Forte vom FCZ gemacht. Nun hat es das Spital Affoltern getroffen. 116 Jahre lang hat ihm der Stadtrat von Affoltern am Albis die Treue gehalten, bis am Dienstag. Er sehe keine Perspektiven mehr für das Spital, ein weiteres Engagement sei finanziell zu riskant. Darum empfiehlt der Stadtrat den Stimmbürgern ein Nein zum Spital.

Dass die Standortgemeinde ihrem Spital den Stecker ziehen will, kommt überraschend. Denn Stadtpräsident Clemens Grötsch hat sich bis vor kurzem als Präsident der Betriebskommission noch klar hinter das Spital gestellt. Nun ist es ausgerechnet Grötsch, der das Ende des Spitals besiegeln könnte. Es ist eine unpopuläre Entscheidung, die ihn Wählerstimmen kosten wird.

Doch handelt er verantwortungslos? Im Gegenteil: Es ist richtig, dass der Stadtrat die Grundsatzfrage stellt. Und es ist exakt der richtige Moment dafür. Denn das Spital steht vor der grössten Erneuerung seiner Geschichte. Eine Neuausrichtung und eine Totalsanierung von über 100 Millionen Franken stehen an. Zudem muss sich das Spital neu um die Leistungsaufträge bewerben. Da ist es im Interesse der Steuerzahler, wenn der Stadtrat das Kosten-Nutzen-Verhältnis und die Chancen des Spitals unter die Lupe nimmt.

Nicht zwingend nötig für die Versorgung

Das Resultat dieser Güterabwägung ist fürs Spital deutlich negativ ausgefallen. Das mag vor allem für ältere Einwohnerinnen und Einwohner, die besonders am Spital hängen, schmerzhaft und unverständlich sein. Doch die Zeiten haben sich geändert. Heute braucht nicht mehr jede mittelgrosse Gemeinde ein Spital, die Wege sind kürzer geworden, die Ansprüche der Patienten höher. Das Spital Affoltern hat mit den Veränderungen im Gesundheitswesen nicht richtig Schritt halten können. Das zeigt sich vor allem an der Infrastruktur, die seit 30 Jahren nicht erneuert wurde.

Obwohl das Spital Affoltern mit den Stadtspitälern Triemli und Waid enger zusammenarbeiten will, fehlt ihm ein richtig starker Kooperationspartner. Es ist im Vergleich mit der Konkurrenz auch noch relativ teuer. Die durchschnittlichen Fallkosten lagen 2017 klar über dem Durchschnitt, obwohl in Affoltern vergleichsweise wenig komplizierte Fälle behandelt wurden. Für die Versorgung ist das Spital mit seinen 120 Betten gemäss Expertenmeinungen nicht zwingend nötig. Man könnte die Patientinnen und Patienten aus dem Säuliamt problemlos in umliegenden Spitälern unterbringen.

Die Angst des Stadtrates, Affoltern könnte 2022 von der Spitalliste fallen, ist also nicht unbegründet, und ohne Leistungsauftrag des Kantons wäre das Spital erst recht nicht mehr überlebensfähig. Und sein langsames Ableben könnte für den Bezirkshauptort und für die anderen 13 Trägergemeinden sehr teuer werden. Trotzdem ist das Schicksal des Spitals noch nicht besiegelt. Das letzte Wort haben am 19. Mai die Stimmberechtigten von Affoltern. Und die werden nicht nur harte Fakten in die Waagschale werfen, denn schliesslich ist das Spital für viele auch der Arbeitgeber.

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