Die FDP verspielt ihr Momentum

Die Klimaoffensive des Freisinns verfängt bisher nicht. Um Wahlen zu gewinnen, braucht es mehr als eine «Wir auch»-Strategie.

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Das Wahljahr hatte für die FDP so vielversprechend begonnen: Umfragen sagten ihr für den Herbst Gewinne voraus, ja sogar ein Aufrücken zur SP – der zweitstärksten Kraft im Lande. Im Verhältnis zur EU machte sich mit dem Ja zum Rahmenabkommen endlich eine neue Entspanntheit breit.

Und beim Thema der Stunde: dem Klima? Da hoffte FDP-Präsidentin Petra Gössi, die Kurve gerade noch zu kriegen: Der Umweltschutz gehörte ja schon immer zur «DNA der Partei». Dass der Freisinn beim CO2-Gesetz eine zweifelhafte Rolle spielte: who cares. Alle Zeichen auf Grün.

Doch Gössis Klimaoffensive verfängt bisher nicht. Der neue Ökoliberalismus kommt zu spät. Der Kurs wirkt nicht authentisch, sondern opportunistisch; parteiintern ist er weder breit abgesprochen noch abgestützt.

Die FDP muss sich als eigenständige Kraft im Klimaschutz etablieren und sich auch dann für die Umwelt einsetzen, wenn es etwas kostet.

Eine kommunikative Fehlleistung – auch inhaltlich: Statt einen progressiven bürgerlichen Klimaweg – eine Alternative zur GLP – aufzuzeigen, ist Gössi bis heute vage geblieben. Sie setzt keine eigenen Akzente. Es bleibt bei einer «Wir auch»-Strategie. Mit Worthülsen aber gewinnt man keine Wahlen, wenn das Thema den Leuten unter den Nägeln brennt.

So hat der traditionsreiche Zürcher Freisinn am Sonntag die denkwürdigste Schlappe seiner Geschichte eingefahren. Selbst in den FDP-Hochburgen an der Goldküste wechselten die Wähler in Scharen zur GLP. Erstmals konnte die FDP ihren zweiten Sitz in der Zürcher Regierung nicht verteidigen. Im Kantonsrat verloren die Bürgerlichen – auch wegen des Absturzes der SVP – die Mehrheit.

Trotzdem ist es verfehlt, die Schuld am Zürcher Wahldebakel einfach Gössis Klimawende zu geben, wie dies frustrierte (Jung-)Freisinnige jetzt tun. Die FDP hat es über Jahre versäumt, sich grüner auszurichten. Gössi holt das nur nach. Statt Panikreaktionen und Häme braucht es in der Partei die Bereitschaft, sich auf einen Lernprozess einzulassen und sich selbst dann für die Umwelt einzusetzen, wenn es etwas kostet. Die FDP muss sich als eigenständige Kraft im Klimaschutz etablieren. Gelingt dies nicht, verspielt sie definitiv ihr Momentum.

Erstellt: 26.03.2019, 08:31 Uhr

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