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Die Feuerwehr im Einsatz gegen die Wespenplage

2018 wird zum Wespenjahr. Lokale Feuerwehren müssen fast täglich ausrücken, um Nester zu entfernen.

Einsatz mit Schutzkleidung: Zwei Feuerwehrmänner rücken in die Eggstrasse aus. Video: Ruedi Baumann

Warmer Frühling, heisser Sommer – das sind ideale Voraussetzungen, damit Wespen dieses Jahr besonders gut gedeihen. «Schon acht Einsätze hatten wir diese Woche», sagt Julien Ottinger, Wespenspezialist bei der Feuerwehr Unteramt. Er ist heute Abend mit seinem Kollegen Laurent Doerr an die Eggstrasse in Wettswil am Albis ausgerückt – samt langer Leiter und Schutzkleidung. Eine knappe Stunde wird der Feuerwehreinsatz dauern und 180 Franken kosten.

«2018 wird ein extremes Wespenjahr», sagt Biologin Gabi Müller, Leiterin der Schädlingsprävention und -beratung der Stadt Zürich. Ab Anfang Mai beginnt in normalen Jahren die aus der Winterstarre erwachte Königin an einem geschützten Ort mit dem Nestbau und legt die ersten Eier in die frisch gebauten Waben.

Ein Teil des in Wettswil ausgehobenen Wespennests. (Fotos: Doris Fanconi)
Ein Teil des in Wettswil ausgehobenen Wespennests. (Fotos: Doris Fanconi)

Dieses Jahr waren die Königinnen schon im April aktiv. In jede Zelle legt sie ein Ei. Aus den Eiern schlüpfen nach etwa fünf Tagen Larven, welche zwei Wochen fressen und wachsen, dann ihre Zellen mit einem Deckel verschliessen und sich verpuppen. Nach weiteren zwei Wochen schlüpfen aus diesen Zellen ausgewachsene Wespen-Arbeiterinnen. Diese helfen der Königin beim Nestbau und Futterbesorgen.

Hunderte Wespen vor dem Schlafzimmer

An der Eggstrasse in Wettswil hat sich die Königin den Rollladenkasten des Schlafzimmers im ersten Stock ausgesucht. Dieser blieb im Frühling immer geschlossen, entdeckt wurde das Nest erst, als Anfang Juli Hunderte Wespen vor dem Schlafzimmer brummten – schlafen bei offenem Fenster war nicht mehr möglich. Die Wettswiler Familie tat das einzig Richtige: Sie bat die lokale Feuerwehr um Hilfe. «Wespen selbst zu bekämpfen, kann gefährlich sein», sagt Biologin Gabi Müller, «vor allem, wenn man auf einer Leiter balancierend keine Fluchtmöglichkeit hat.»

Die Feuerwehrleute Ottinger und Doerr sind Profis. Sie schlüpfen in Imkeranzüge und stülpen sich einen riesigen, netzartigen Helm und massive Handschuhe über. Ottinger, der auf die Leiter steigt, krempelt seine Socken sorgfältig über den Anzug, «man weiss ja nie». In seinen Anzug steckt er sich zwei Sprühdosen mit Ketol-Wespenspray. Das ist ein Insektizid, die besprayten Wespen verlieren augenblicklich ihren Stechdrang.

Feuerwehrmann Julien Ottinger entfernt das Wespennest.
Feuerwehrmann Julien Ottinger entfernt das Wespennest.

Kaum ist Ottinger auf der Leiter, werden die Wespen nervös und kurven hektisch herum. Aus sicherer Distanz sprüht er die erste Ladung in den Storenkasten. Nach einer Minute geht er näher ran und jagt den Rest der Dose in den Schlitz. Betäubte Wespen fallen in den Gartensitzplatz. «Vorsicht», warnt Kollege Doerr, «bevor die Wespen sterben, stossen sie den Stachel aus, ja nicht barfuss gehen.»

«Eigentlich tun mir die Tiere leid.»

Feuerwehrmann Laurent Doerr

Von Hand und mit einem Draht grübelt der Feuerwehrmann ein wabenförmiges Nest aus dem Fensterrahmen, das etwa die Grösse eines Handballs hat. «Eigentlich tun mir die Tiere leid», sagt er, sie sind wertvolle Nützlinge. Wespen dezimieren Schädlinge wie Fliegen, Mücken und Blattläuse und tragen zum ökologischen Gleichgewicht bei. Nur zwei von sechs Wespenarten sind für die Menschen lästig. Die Deutsche und die Gemeine Wespe lieben Süssspeisen und Getränke, Fleisch- und Wurstwaren, weshalb sie gern menschliche Nahrungsmittel anfliegen.

Für Biologin Gabi Müller gehören die Wespen gar zu ihren Lieblingstieren. «Leider», sagt sie, «sind Wespen in der Schweiz nicht geschützt.» In Deutschland sind Wespen durch den allgemeinen Artenschutz geschützt, Nestum­sied­lungen oder gar Abtötungen dürfen nur mit einer Geneh­migung erfolgen, happige Bussen drohen.

Stadt Zürich entfernt keine Wespennester

Auf dem Land sind die Ortsfeuerwehren gern behilflich beim Entfernen von Wespennestern. Sie verrechnen Tarife entsprechend dem Aufwand. In der Stadt Zürich hilft Schutz und Rettung bloss beim Umsiedeln von Bienenvölkern. Hierhat die Stadt zudem die häufigsten Fragen zu Wespen beantwortet. Und diese Stelle hilft beim Umsiedeln von Wespen- und Bienenvölkern. Link

Für das Entfernen von Nestern müssen sich Stadtzürcher und Winterthurer an private Schädlingsbekämpfungsfirmen wenden. Für das Entfernen von Nestern an Orten, die zum Haus gehören (Fensterkasten), muss der Hauseigentümer oder die Liegenschaftenverwaltung aufkommen. Befinden sich die Nester in mobilen Gegenständen (Holzbeigen, Gartenmöbel), haftet der Mieter.

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