Die «Gfätterli-Schuel» hat ausgedient – auch beim Lohn

Bildungsdirektorin Silvia Steiner vollzieht eine längst überfällige Wende. Jetzt muss sie bei der Bezahlung der Kindergärtnerinnen aber weiter nachbessern.

Kindergärtnerinnen und Kindergärtner bleiben Lehrer zweiter Klasse: Es ist höchste Zeit, auch das zu korrigieren.

Kindergärtnerinnen und Kindergärtner bleiben Lehrer zweiter Klasse: Es ist höchste Zeit, auch das zu korrigieren.

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Dialektausdrücke können mitunter unfreiwillig böse sein. «Gfätterli-Schuel» ist so einer. So nannte der Volksmund früher den Kindergarten – und drückte damit indirekt aus: Dort wird nichts Rechtes gelernt, dort wird bloss ein bisschen gespielt.

Dass das eine Fehleinschätzung ist, ist wissenschaftlich belegt. Längst weiss man, dass Kinder, die schon in der ersten Klasse mit einem Rückstand starten, oft eine ganze Schulkarriere lang darunter leiden. Umso entscheidender sind gute Lehrerinnen und Lehrer im Kindergarten, umso anspruchsvoller ist deren Arbeit heute. Kommt hinzu, dass die Kinder beim Eintritt in den Chindsgi nicht nur jünger sind als früher, die Klassen sind auch wesentlich heterogener.

Das Volksschulgesetz und der Lehrplan 21 tragen dem zu Recht Rechnung: Der Kindergarten ist heute obligatorisch, es gibt einen obligatorischen Lehrplan.

Es benötigt einen weiteren Schritt

Der Lohn hat mit den gestiegenen Anforderungen aber viel zu lange nicht mitgehalten. Stattdessen verstrickte sich der Kanton in rechtliche Grabenkämpfe. Nun kommt die Wende. Bildungsdirektorin Silvia Steiner will Kindergärtnerinnen und Kindergärtner in dieselbe Lohnklasse einreihen wie Primarlehrerinnen und Primarlehrer. Jedenfalls dann, wenn sie einen Bachelor haben. Ein Schritt, der so richtig ist wie überfällig.

Dass insbesondere langjährige Kindergärtnerinnen nicht automatisch in den Genuss von mehr Geld kommen, ist zwar unschön, aber zu verschmerzen, sofern die Bildungsdirektion eine unkomplizierte Nachqualifikation ermöglicht.

Ein Wermutstropfen bleibt indes. Nach wie vor sind am Kindergarten nicht mehr als 87-Prozent-Anstellungen möglich. Solange Silvia Steiner das in einem zweiten Schritt nicht korrigiert, solange werden die Kindergärtnerinnen Lehrpersonen zweiter Klasse bleiben. Das wird ihnen nicht gerecht. Es ist höchste Zeit, auch das zu korrigieren und damit das Bild der «Gfätti-Tanten», die bloss spielen wollen, endgültig in die Abstellkammer der Geschichte zu versorgen.

Erstellt: 26.09.2019, 12:32 Uhr

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