Die Grünliberalen liessen Schlatter links liegen

Sie wählte liberal, aber nicht grün: Die GLP-Wählerschaft sicherte FDP-Kandidat Ruedi Noser die Wahl – nebst der SVP.

Wer welche Stimmen bekam: Die dritte Säule zeigt, welche Wählerinnen und Wähler am 20. Oktober an die Urne gingen, aber am letzten Sonntag nicht.

Wer welche Stimmen bekam: Die dritte Säule zeigt, welche Wählerinnen und Wähler am 20. Oktober an die Urne gingen, aber am letzten Sonntag nicht. Bild: zvg/Peter Moser

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Das Resultat des gestrigen zweiten Ständeratswahlgangs ist eindeutig: Ruedi Noser (FDP) verteidigt mit 185'276 Stimmen seinen Sitz im Stöckli, die Herausforderin Marionna Schlatter (Grüne) hatte mit 116'594 Stimmen keine Chance.

Wie kam es zu diesem Resultat? Peter Moser, Politologe beim Statistischen Amt des Kantons Zürich, hat das Wählerverhalten analysiert. Demnach hat Noser seinen Einzug in den Ständerat nicht zuletzt der Wählerschaft der SVP zu verdanken. «Sie wollte den grünen Coup verhindern und wusste, dass dies nur möglich ist, indem sie Noser ihre Stimme gibt», sagt Moser.

Mehr SVP- als FDP-Stimmen

Noser erhielt sogar mehr Stimmen von der SVP als von seiner eigenen Partei, was mit dem Wähleranteil zu erklären ist: Die SVP hat fast doppelt so viele Wähler wie die FDP. Zwar blieb fast ein Drittel der SVP-Wählerschaft am Sonntag den Urnen fern, weil die Partei keinen eigenen Kandidaten mehr im Rennen hatte. Jene, die wählten, gaben ihre Stimme aber geschlossen Noser. In den eigenen Reihen konnte der FDP-Kandidat zudem praktisch alle Stimmen auf sich vereinen, weil nur wenige am Sonntag ihre Stimme nicht abgaben.

Überraschend ist das Wahlverhalten der GLP-Anhänger. Im Vorfeld war viel darüber gerätselt worden, was zu erwarten ist, nachdem sich die Parteileitung für eine Stimmfreigabe entschied. Gemäss Mosers Analyse blieb ein erheblicher Teil der GLP-Wählerschaft der Urne fern. Der andere Teil entschied sich jedoch klar für Noser. «Offensichtlich wollten die GLP-Wähler vermeiden, dass es im Ständerat eine rein linke Vertretung aus Zürich gibt. Das wäre ihnen wohl zu viel gewesen», vermutet Moser.

Der Ausgang der Wahl war somit hauptsächlich vom Stimmverhalten der SVP- und GLP-Wähler abhängig. «Schlatter hätte den Einzug in den Ständerat nur geschafft, wenn sie alle GLP- und SP-Stimmen geholt hätte und noch mehr SVP-Wähler zu Hause geblieben wären», sagt Moser. Dass die Grünen und die teilnehmenden SP-Wähler ihre Stimmen Schlatter gaben und die CVP- und EVP-Stimmen mehrheitlich an Noser gingen, sei hingegen keine Überraschung.

GLP: «Nicht alleine auf die Klimafrage fokussiert»

Moser hat für seine Berechnungen die Gemeinderesultate der Nationalratswahlen vor einem Monat mit denen des 2. Wahlgangs der Ständeratswahlen kombiniert. Seine Aussagen beruhen auf einer Modellschätzung, die unter anderem voraussetzt, dass die Wählerinnen und Wähler der Ständeratswahlen alle auch an den Nationalratswahlen teilgenommen haben, also seither keine neuen hinzugekommen sind.

Mosers Modell basiere nicht auf einer Befragung und sei deshalb «mit Vorsicht zu geniessen», sagt Nicola Forster, Co-Präsident der GLP. Doch auch Forster schliesst aus den Resultaten der Wahlen in Bern und Zürich, dass rein linke Doppelvertretungen im Ständerat kaum mehrheitsfähig sind. Die GLP-Wählerschaft sei zwar liberal und grün, habe nun aber offenbar den Ausgleich über beide Sitze gesucht. «Sie hat neben dem bereits gewählten SP-Ständerat Daniel Jositsch einen liberalen Kopf wie Ruedi Noser unterstützt und nicht alleine auf die Klimafrage fokussiert.»

Erstellt: 18.11.2019, 14:41 Uhr

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