«Gute Gotte» Leuthard bringt 66 Millionen ins Limmattal

Nun gehts los mit dem Bau der Limmattalbahn. Bremsen kann sie jetzt nur noch ein römisches Skelett – und eine Volksabstimmung.

Hoher Besuch: Bundespräsidentin Doris Leuthard kam zum Spatenstich für die Limmattalbahn nach Schlieren.
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Die erste heikle Situation beim Bau der Limmattalbahn wurde gestern mit Bravour gemeistert: Alle 27 Dominosteine, welche die Haltestellen der künftigen Stadtbahn durchs Limmattal symbolisierten, kippten wie geplant um.

Sie kippten wie geplant, die Dominosteine. Bild: Siggi Bucher/Keystone

Wer sich bei dem Spatenstich auf «Baggern mit Doris» gefreut hatte, wurde allerdings enttäuscht. Einige Schäufelchen Erde reichten, um den Dominoeffekt auszulösen; Bundespräsidentin Doris Leuthard (CVP) kam im königsblauen Hosenanzug und in hohen Schuhen nach Schlieren und verliess die künftige Grossbaustelle so makellos sauber, wie sie gekommen war.

Vorzeigeprojekt des Bundes

Die Verkehrsministerin sprach von einem Vorzeigeprojekt des Bundes, da die Limmattalbahn exemplarisch Verkehrs- und Siedlungsentwicklung gleichzeitig berücksichtige und über kommunale und kantonale Grenzen hinausplane.

Kein «Baggern mit Doris», dafür dezentes Schaufeln. Bild: Siggi Bucher/Keystone

Hans Egloff, SVP-Nationalrat aus Aesch und Verwaltungsratspräsident der Limmattalbahn AG, hatte Leuthard zuvor als «gute Gotte» des Limmattals eingeführt, weil sie vonseiten des Bundesrates dieses Generationenprojekt von Anfang an positiv begleitet habe. Und von einer guten Gotte könne man auch ein grosszügiges Geschenk erwarten, fügte Egloff an: 66 Millionen Franken bezahlt der Bund an die erste Etappe der Limmattalbahn.

Die Angst vor einem Skelett

Vonseiten der Zürcher Regierung nahm Carmen Walker Späh (FDP) am von rund 150 geladenen namhaften Politikerinnen und Politikern aus den Kantonen und Gemeinden besuchten Festakt teil.

Sind das die 66 Millionen? Doris Leuthard (rechts) und Carmen Walker Späh. Bild: Siggi Bucher/Keystone

Auch die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin geizte nicht mit Superlativen, sprach von einem «Paradebeispiel für ein gelungenes Agglomerationsprojekt» und betonte insbesondere, dass es sich um ein Gesamtwerk handle, in dem öffentlicher Verkehr, Strassenverkehr und Langsamverkehr «ausgewogen zusammenspielen».

Mit der Limmattalbahn an die Badenfahrt

Ihr Kollege aus dem Kanton Aargau, Landammann Stephan Attiger (FDP), lobte, dass dieses Projekt zumindest für den Kanton Aargau gerade noch rechtzeitig vor dem «Verkehrskollaps» aufgegleist worden sei. Und er schaute hoffnungsvoll in die Zukunft: Die Bahn müsse ja nicht in Killwangen enden, sondern könne dereinst durchaus bis in seine Heimatstadt Baden weiterfahren. «Ich hoffe, dass ich einmal mit der Limmattalbahn an die Badenfahrt fahren kann.»

Gesamtprojektleiter Daniel Issler ist seinerseits froh, dass bisher alles termingerecht verläuft – sein «Daueroptimismus» habe sich bis jetzt bewahrheitet. Und Hans Egloff ist zuversichtlich, dass weiterhin alles nach Plan vonstattengeht – «es sei denn, wir stossen unterwegs auf ein römisches Skelett».

Vier Kilometer lange Baustelle

Bis Ende 2019 wird nun das Trassee zwischen dem Farbhof in Zürich-Altstetten und Schlieren, Geissweid gebaut. Rund 150 Bauarbeiter werden in der Zeit auf einer der längsten Baustellen des Kantons beschäftigt sein – die erste Etappe führt über rund vier Kilometer. Die intensivsten Zeiten werden im Sommer 2018 auf dem Stadtplatz Schlieren und im Sommer 2019 auf dem Farbhof sein.

Während der ganzen Bauarbeiten ist die Strecke sowohl für Bus und Tram wie auch für Autos, Velos und Fussgänger in irgendeiner Form offen, und nach den Sommerferien 2019 fährt die Linie 2 der VBZ auf den Gleisen der Limmattalbahn neu bis nach Schlieren.

Gegner fordern zweite Abstimmung

Der Baustart der zweiten Etappe von Schlieren bis Killwangen ist für den Herbst 2019 vorgesehen. Die ganze 13,4 Kilometer lange Strecke sollte Ende 2022 in Betrieb gehen. Allerdings gibt es dazu noch ein Fragezeichen: Eine Gruppe LTB-Gegner aus der Region hat eine Volksinitiative eingereicht, welche den Bau dieser zweiten Etappe verhindern will.

Das Zürcher Stimmvolk hatte sich zwar im November 2015 mit einem Ja-Stimmen-Anteil von fast zwei Dritteln für das Projekt ausgesprochen, das Zürcher Limmattal selbst hatte damals aber abgelehnt. Es ist daher wahrscheinlich, dass es zu einer zweiten Abstimmung kommt, in der entschieden wird, ob die Stadtbahn bereits in Schlieren wieder wenden wird.

Bedeutend für das ganze Land

Doris Leuthard nahm wohl indirekt darauf Bezug, wenn sie betonte, dass diesem Projekt eine Bedeutung über die Region hinaus zukomme, da eine geordnete Verkehrsentwicklung für das ganze Land wichtig sei. Carmen Walker Späh betonte ihrerseits den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen dieses Projektes für den ganzen Kanton.

Die LTB kostet insgesamt 755 Millionen Franken, darin enthalten sind neben der Bahn selbst auch eine Depotanlage und Massnahmen für den Strassen-, Velo- und Fussverkehr. Der Bund übernimmt voraussichtlich ein Drittel dieser Kosten, den Rest bezahlen die Kantone Zürich und Aargau gemäss ihrem Streckenanteil. Weitere 136 Millionen Franken investiert der Kanton Zürich in ergänzende Strassenanpassungen im Limmattal.

Erstellt: 28.08.2017, 14:06 Uhr

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