«Die Gymiprüfung funktioniert gut»

Der Deutschaufsatz eines Sechstklässlers wurde zu schlecht benotet. Bildungsdirektorin Silvia Steiner sieht keinen Bedarf, deswegen die Kriterien der Gymi-Prüfung zu ändern.

Oberste Bildungspolitikerin im Kanton: Die Regierungsrätin Silvia Steiner (CVP).

Oberste Bildungspolitikerin im Kanton: Die Regierungsrätin Silvia Steiner (CVP). Bild: Reto Oeschger

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Der Fall eines Zürcher Sechstklässlers, dessen Eltern sich beim Verwaltungsgericht über seine schlechte Note im Deutschaufsatz beschwerten und recht bekamen (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete), wirft Fragen auf. Zum Beispiel, ob die Beurteilungskriterien zur Gymi-Aufnahmeprüfung überarbeitet werden müssen.

Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) sieht dazu keinen Anlass. Wie sie in einer schriftlichen Stellungnahme an den Tages-Anzeiger festhält, äussere sich das Verwaltungsgericht in seinem Urteil nicht zum sogenannten «Anschlussprogramm Primarstufe – Mittelschulen». Darin umschreibt der Bildungsrat, den Steiner präsidiert, die Prüfungsanforderungen. Was im Urteil bemängelt werde, sei die Anwendung im konkreten Einzelfall.

Zürcher Sechstklässler, die ins Gymi möchten, müssen im Deutschaufsatz zeigen, dass sie einen Text «auf das Thema und die Aufgabenstellung ausrichten» können. Das ist eine von 23 Fertigkeiten, die im Prüfungsteil «Verfassen eines Textes» vorausgesetzt werden.

In aller Ruhe in die Oberstufe

Der Sechstklässler, dessen Eltern vor Gericht gingen, hatte für seinen Aufsatz die Note 2 erhalten. Die Lehrperson, welche die Prüfung korrigierte, begründete die schlechte Note damit, dass der Schüler den Text nicht auf das Thema und die Aufgabenstellung ausgerichtet hatte. Für das Gericht war nicht ersichtlich, weshalb dieses Kriterium wichtiger sein sollte als etwa die Rechtschreibung. Es erachtet die Note 2 als willkürlich.

Dass Eltern gegen einen Prüfungsentscheid Rekurs einlegen, geschieht selten. Auf rund 7100 Prüflinge pro Jahr kommen etwa 40 Rekurse. Gemessen an den Negativ-Bescheiden entspreche das einer Anfechtungsquote von rund 1 Prozent, und davon würden ein bis zwei Fälle gut geheissen, schreibt Steiner. «Diese Zahlen zeigen mir, dass die Gymiprüfung im Kanton Zürich gut funktioniert, gerecht verläuft und breit akzeptiert ist.»

Wichtig sei jetzt das Interesse des Schülers. «Der Aufsatz wird nochmals sachlich und objektiv korrigiert, damit er danach in aller Ruhe die Oberstufe in Angriff nehmen kann». Um ins Gymi zu kommen, müsste sein Aufsatz mindestens mit der Note 3 bewertet werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.08.2016, 17:31 Uhr

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