Die Hitze bringt Wespen ins Schwärmen

Die stechfreudigen Insekten halten derzeit die Beratungsstelle für Schädlingsbekämpfung sowie die Allergiestation des Zürcher Unispitals auf Trab.

Sind besser als ihr Ruf und weniger gefährlich als Bienen:  Europäische Wespen. Foto: iStock

Sind besser als ihr Ruf und weniger gefährlich als Bienen: Europäische Wespen. Foto: iStock

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Kaum wird es gemütlich, sind sie da. Die Wespen können einem gehörig den Grill­abend verderben. Und sie scheinen dieses Jahr zahlreicher als sonst. Und sie kommen früher: In anderen Jahren plagen sie uns erst ab Mitte August, wenn die Zwetschgen reif werden. Die Statistik der Beratungsstelle Schädlingsbekämpfung der Stadt Zürich stützt diesen subjektiven Eindruck. Bis Ende Juli gingen dort 271 Anfragen zu Wespen ein, in den letzten drei Jahren waren es nicht einmal halb so viele. Und auch im Hitzesommer 2003 gaben die Wespen weniger zu reden: 226 Anfragen waren es damals bis Mitte Jahr.

Dass wirklich mehr Wespen als andere Jahre unterwegs sind, lässt sich allerdings aus diesen Zahlen nicht zweifelsfrei schliessen. «Bei dem schönen Wetter sind die Menschen eben auch mehr draussen und fühlen sich durch die Wespen stärker gestört», gibt Biologin Gabi Müller von der Beratungsstelle zu bedenken. Beat Wermelinger, Insektenfachmann an der WSL in Birmensdorf (Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft), vermutet: «Es sind wohl nicht mehr Wespen als andere Jahre, sie sind wegen des warmen Wetters aber aktiver.»

Auch könne es sein, dass sie etwas früher geschlüpft sind als in anderen Jahren: «Seit Februar sind die Monate allesamt wärmer als üblich, was sich auch an der Vegetation zeigt.» Diese sei der Zeit etwa zwei Wochen voraus. Laut Wermelinger gibt es aber tatsächlich Jahre, in denen mehr Wespen unterwegs sind als üblich: «Im Allgemeinen hängt es davon ab, wie mild das Wetter zur Zeit der Kolonienbildung ist, also etwa im April und Mai.»

Anfragen in der Allergiestation

Auch in der Allergiestation der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich haben sich in den letzten Tagen die Anmeldungen wegen Wespen­stichen gehäuft. Peter Schmid, der diese Station leitet, sagt: «Wir haben täglich mehrere Anfragen von Leuten, die sich wegen einer allergischen Reaktion auf Stiche beraten oder behandeln lassen wollen.» Drei bis fünf Prozent der Menschen reagieren allergisch auf Insektenstiche, wobei sich die Schwere der Reaktion stark unterscheide. «Das kann von einer starken Schwellung über Nessel­fieber bis zu Atemnot und Bewusstlosigkeit gehen.»

Todesfälle sind relativ selten – drei bis fünf Personen sterben in der Schweiz jährlich an Insektenstichen. Und zur Beruhigung der Eltern fügt der Allergie­spezialist an: «Für Kleinkinder sind Insektenstiche seltener mit so starken Allergien verbunden, da ihr Kreislauf gut kompensieren kann.» Ob eine Neigung zu allergischen Reaktionen auf Insektenstiche besteht, ist mit einem einfachen Bluttest schon beim Hausarzt recht verlässlich herauszufinden. Bei schweren allergischen Reaktionen sind Desensibilisierungen zwar relativ aufwendig, aber dafür sehr wirkungsvoll. Dabei werden kleinste Portionen des Wespen- oder Bienengifts verabreicht, damit der Körper sich darauf einstellen kann und bei einem Stich nicht überreagiert.

Ehrenrettung der Wespe

Im Notfallzentrum des Triemlispitals verzeichnet man derzeit nicht mehr Behandlungen wegen Wespenstichen als in anderen Jahren. Ohnehin sind die Wespenstiche weniger gefährlich als die der Bienen, die etwa zehnmal mehr Gift als die Wespen verabreichen. «Wespen können ihr Gift dosiert abgeben, weil sie es für die Jagd einsetzen», erklärt Beat Wermelinger. «Bienen dagegen entleeren als letzte Lösung ihre ganze Giftblase und lassen dabei ihr Leben.» Dann holt der Insektenspezialist grundsätzlich zur Ehrenrettung der als Plagegeister abgestempelten Tiere aus: «Wespen fressen Fliegen, Spinnen, Läuse und Raupen, die uns Menschen durchaus auch lästig werden können.» Auch dienen sie wie die Bienen der Bestäubung von Pflanzen. Völlig zu Unrecht haben laut Wermelinger die Hornissen einen schlechten Ruf: «Die sind ausser in Nestnähe scheu, ihr Stich ist nicht gefährlicher als ein Wespenstich, und sie fressen – neben anderen Insekten – Wespen.»

In Mitteleuropa leben neun Arten von Faltenwespen; sechs Arten halten sich in Siedlungsnähe auf, und zwei Arten werden uns als «Mitesser» lästig: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Sie bauen ihre Nester in Erd­löchern, in Rollladenkästen und unter Ziegeln und bilden grosse Völker mit bis zu 7000 Arbeiterinnen. Auch haben sie einen längeren Lebenszyklus als die anderen vier Arten. Ihren Nestern sollte man sich nicht nähern – müssen sie entfernt werden, sollten dies Fachleute tun.

Offen einsehbare Wespennester in Bäumen oder in Estrichen stammen von anderen Arten. Wenn man sie nicht hängen lassen kann, sollten sie von Fachleuten umgesiedelt werden. Leere Nester werden nicht wieder bezogen. Gut bestimmbar sind die Feldwespen, da ihre überlangen Beine im Flug herabhängen. Sie bauen ganz kleine Nester mit sichtbaren Waben, ihre Völker bestehen nur aus 20 bis 30 Tieren. Daneben gibt es diverse Insekten, die sich mit schwarz-gelben Warnfarben als Wespen «verkleiden», um ihre Fressfeinde abzuschrecken. Denn auch im Tierreich geht man den Wespen besser aus dem Weg.

Erstellt: 03.08.2015, 19:41 Uhr

Wie werde ich die Wespen los?

Was tun, wenn man von einer Wespe gestochen wurde? Und welche Hausmittelchen nützen, um die lästigen Viecher loszuwerden?

Laut Fachleuten der Beratungsstelle Schädlingsbekämpfung der Stadt Zürich ist ein relativ konfliktfreies Zusammenleben zwischen Mensch und Wespe durchaus möglich, sofern man sich an gewisse Grundsätze hält.

Wie halte ich die Wespen fern?

Speisen und Getränke im Freien abdecken. Speisereste sofort wegräumen.

Nicht herumfuchteln. Heftige Bewegungen – vor allem in Nestnähe – möglichst vermeiden.

Wenn Wespen in Kleidungsstücke gekrochen sind, die Kleider vorsichtig ablegen. Wespen stechen nur, wenn sie gedrückt werden.

Wespen nicht wegpusten, denn das Kohlendioxid, das wir ausatmen, macht sie panisch.

Keine grellen Farben tragen, diese ziehen Wespen an. Auch stark duftende Parfüme und Haarspray können sie anlocken. Dagegen hält der Geruch von Teebaumöl oder geröstetem Kaffee sie fern.

Hat man in der Nacht eine Wespe oder eine Hornisse im Zimmer, das Licht löschen und die Fenster öffnen. Dann fliegt das Insekt von selbst hinaus.

Wespenfallen nützen nur bedingt, und die Tiere ertrinken in ihnen ­jämmerlich.

Das beliebte Hausmittelchen mit den ausgelegten Fünfrappenstücken hat sich in Tests kaum bewährt.

Was tun bei einem Wespenstich?

Einstichstelle mit Eiswürfeln kühlen und mit einer kühlenden Salbe (Arnika, essigsaure Tonerde) oder mit einer aufgeschnittenen Zwiebel behandeln.

Bei Allergieverdacht (Atemnot, Kreislaufbeschwerden, starke Ausschläge) oder bei Stichen im Mund oder Rachen Sanität (Tel. 144) rufen.

Kennen Sie wirkungsvolle Hausmittelchen gegen Wespen? Teilen Sie uns diese mit unter zuerich@tages-anzeiger.ch (Betreff: Wespen) oder Tages-Anzeiger, Redaktion Zürich, «Wespen», 8021 Zürich.

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