Die Justizdirektorin will ein neues Image

Regierungsrätin Jacqueline Fehr hat die Umbenennung des Amts für Justizvollzug beschlossen. Auch ein neues Logo ist Teil des Wandels.

«Justizvollzug und Wiedereingliederung. Ganz ohne Amt, denn das versteht sich von selbst»: SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr will den Fokus weg vom Vollzug auf die Wiedereingliederung richten.

«Justizvollzug und Wiedereingliederung. Ganz ohne Amt, denn das versteht sich von selbst»: SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr will den Fokus weg vom Vollzug auf die Wiedereingliederung richten. Bild: Fabienne Andreoli / Tagesanzeiger

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Das Amt für Justizvollzug (Juv) ist unter anderem dafür besorgt, dass verurteilte Täter ihre Strafe verbüssen. Doch den Fokus auf den Vollzug hält die zuständige Regierungsrätin Jacqueline Fehr für zu eng. Darum sagte sie bereits im Frühling anlässlich der 20-Jahr-Feier des Amts zu ihren Mitarbeitenden: «Sie sind mehr als Vollzug.» Sie wolle das Augenmerk stärker auf die Wiedereingliederung richten. Deshalb forderte Fehr alle Mitarbeitenden auf, Namensvorschläge einzureichen, wie das Amt neu benannt werden soll.

Eine Arbeitsgruppe beschäftigte sich seither mit der Namensgebung und präsentierte Ende Oktober das Resultat: «Justizvollzug und Wiedereingliederung» soll es neu heissen. «Ganz ohne Amt, denn das versteht sich von selbst», schreibt Fehr an ihre Mitarbeitenden in einem Brief, der dem TA vorliegt.

«Kommunikationspremiere»

Mit der Namensänderung hat Fehr in erster Linie ihre Angestellten im Blick. Sie hielt im Walcheturm vor 80 Mitarbeitenden eine Informationsveranstaltung ab. Wer wollte, der konnte die Präsentation des neuen Namens sogar online mitverfolgen: «Eine Kommunikationspremiere», heisst es dazu im Intranet der Justizdirektion.

Fehrs wichtigste Botschaft: 99 Prozent der Straftäterinnen und Straftäter werden aus dem Strafvollzug wieder entlassen. Jeden Tag öffnet sich im Kanton Zürich im Schnitt mehr als einmal die Pforte in die Freiheit: «Sie sitzen neben uns im Tram oder kaufen in der Migros ein. Sie werden wieder zu unseren Nachbarn», schreibt Fehr an ihre Mitarbeiter.

Deshalb sei es die zentrale Aufgabe, diese Menschen auf ein deliktfreies Leben vorzubereiten: «Der neue Name zeigt, wie wichtig der Aspekt der Wiedereingliederung ist, und er soll uns dabei helfen, die Wiedereingliederung als übergeordnetes Ziel unserer Arbeit zu betrachten.»

Farbenfrohes Logo entwickelt

Um diesem Anliegen Nachdruck zu verleihen, wurde ein Zürcher Grafiker beauftragt, ein Logo für das Juwe, wie Justizvollzug und Wiedereingliederung abgekürzt heissen soll, zu kreieren. Das Logo zeigt vier farbige Striche rund um die Abkürzung Juwe. Die Striche sind allerdings nicht zu einem Kreis geschlossen, weil sie symbolisieren sollen, dass die Freiheitsstrafen «irgendwann abgesessen sind». Kostenpunkt für das neue Logo: 4020 Franken.

Das Logo sei ausschliesslich für den internen Gebrauch bestimmt wie beispielsweise die interne Kommunikation, sagt Fehrs Sprecher Benjamin Tommer auf Anfrage. Beim offiziellen Logo bleibt alles gleich: Züri-Leu mit Züri-Wappen, da muss sich auch der Justizvollzug an die Corporate Identity des Kantons halten. Lediglich der Schriftzug wird geändert.

Ein neues Logo fürs neue Image: Das Signet wird nur für die interne Kommunikation verwendet.

Mit der Lancierung der neuen Website heisst es dann «Justizvollzug und Wiedereingliederung». Dann wird auch die Beschriftung von Schildern oder E-Mail-Signaturen angepasst. Erst danach hätte die Öffentlichkeit über die Umbenennung informiert werden sollen.

Visitenkarten, Briefpapier oder Couverts mit dem Schriftzug «Amt für Justizvollzug» werden nicht weggeworfen. Wie viel diese neue Benennung insgesamt kosten wird, werde man erst im Frühling 2020 beziffern können, sagt Tommer.

Inhaftierung vermeiden

Abgesehen von der neuen Benennung und dem farbigen Logo für den internen Gebrauch, wird strukturell nichts geändert. Wiedereingliederung sei heute schon eine zentrale Aufgabe des Justizvollzugs, sagt Tommer. Wenn es möglich sei, werde auf eine Inhaftierung verzichtet. «An die Stelle eines Gefängnisaufenthalts treten gemeinnützige Arbeit, Halbgefangenschaft und Electronic Monitoring, sofern die rechtlichen und individuellen Voraussetzungen gegeben sind.»

So wolle man verhindern, dass die Menschen aus ihrem sozialen Umfeld wie der Arbeit und der Familie herausgerissen werden. Ein Umfeld, das ansonsten nach der Entlassung erst mühsam wieder aufgebaut werden müsse.

Erstellt: 15.11.2019, 16:42 Uhr

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