Die Klon-Armee der SVP und andere brillante Ideen

Das Schönste am Zürcher Wahlkampf ist ja: Jenen Leuten Aufmerksamkeit schenken zu dürfen, die sich wirklich ganz fest darum bemühen.

Diese Damen und Herren haben alle eine Botschaft: Die genau gleiche. Bild: TA

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Zuerst müssen wir hier über Recycling sprechen. Ein Wort, das SVPlern und SVPlerinnen nur schwer über die Lippen geht. Recycling ist links, Recycling ist böse. In der Not greift die SVP trotzdem darauf zurück, sie nennt es aber lieber Wiederverwertung. Wieder verwenden, statt verschwenden, lautet das Motto der Stadtzürcher SVP im aktuellen Wahlkampf. Das ist effizient, das passt.

Patrick Bucher, Kantonsratskandidat im Wahlkreis 1 und 2, sagt dazu: «Die Lebenskosten steigen rasant und immer mehr Familien können sich Alltägliches kaum noch leisten. Die SVP fordert Steuersenkungen und weniger staatliche Ausgaben – damit am Ende allen mehr zum Leben bleibt.»

Roland Scheck, Kandidat im Wahlkreis 3 und 9, ergänzt: «Die Lebenskosten steigen rasant und immer mehr Familien können sich Alltägliches kaum noch leisten. Die SVP fordert Steuersenkungen und weniger staatliche Ausgaben – damit am Ende allen mehr zum Leben bleibt.»

Und die junge SVP-Frau Camille Lothe aus dem Wahlkreis 7 und 8 ergänzt: «Die Lebenskosten steigen rasant und immer mehr Familien können sich Alltägliches …». Was sagt Eveline Widmer aus dem Wahlkreis 6 und 10? «Die Lebenskosten steigen rasant …». Herr Strassmann? «Die Lebenskosten …». Frau Schmid Giudice? «Die Lebens…». Da hat die SVP einen Punkt. Der SVP-Chor singt das Lied von den Lebenskosten.

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Aber mehr bleibt ja nur, wenn wir weniger ausgeben müssen, oder Dubi Sinovcic? «Die Krankenkassenprämien steigen ins Unermessliche. Die SVP kämpft gegen den Kostenanstieg und will, dass sämtliche Prämien von den Steuern abgezogen werden können.»

Frau Emmenegger, was meinen Sie dazu? «Die Krankenkassenprämien steigen ins Unermessliche. Die SVP kämpft gegen den Kostenanstieg und will, dass sämtliche Prämien von den Steuern abgezogen werden können.» Und Sie, Herr Locher? «Die Krankenkassenprämien steigen ins …»

Auch das Lied von den Krankenkassenprämien ist im Repertoire.

Okay, verstanden: Inhalte sind bei der Stadtzürcher SVP derart knapp, dass sie für die vielen Kandidierenden nicht ausreichen. (sip)


Man könnte meinen, die Alternative Liste habe Glück. Das Glück, über Kandidaten mit Namen zu verfügen, die zu prägnanten Wortspielen einladen – im Wahlkampf ein unschätzbarer Vorteil. Man kann sich das Seufzen jener PR-Profis gar nicht herzzerreissend genug vorstellen, die von anderen Parteien gerne Kandidaten mit Namen wie Kellenberger-Schwaller vorgesetzt bekommen und dann daraus was Witziges machen sollen. Nicht so bei der AL. Die hatte den Richi Wolff («Wolff mit Biss»), und weil das so gut geklappt hat, schiebt sie jetzt den Walter Angst nach («Angst macht Mut»). Man könnte wirklich meinen, die AL habe Glück. Man sah dieses Plakat am Bahnhof hängen, konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, zog dann um die Häuser, und als man am nächsten Morgen aufwachte, stellte man fest, dass dieser Slogan es geschafft hatte, sich über Nacht im Gehirn festzubeissen. Wie ging der noch mal? Ah, ja, genau: «Wolff macht Angst». (hub)

Das Wahlplakat der AL macht Angst statt Mut.


Nicht mal in den Skiferien können Zürcherinnen und Zürcher dem Kantonsratswahlkampf entkommen. Bei der Bushaltestelle Schiabach in Davos hängt ein Plakat von FDP-Kandidatin Caroline Fiala, wie «Top Online» berichtet. «Zürich und Graubünden im Herzen» steht in FDP-Blau. Die Kandidatin stelle sich «sportlich dem politischen Wettbewerb». Die Schwiegertochter von Doris Fiala hofft wohl, dass die Stimmberechtigten – tiefenentspannt nach einer langen Abfahrt oder angeheitert vom Schümli Pflümli – besonders empfänglich für liberale Botschaften sind. (tiw)

Das Lächeln von Caroline Fiala verfolgt einen bis in die Skiferien.


Achtung: Wenn Sie Fäkalsprache daneben finden, müssen sie die nächsten Zeilen überspringen, denn jetzt geht es um die Juso. Die haben sich mit der Mutter aller Fragen gequält: «Wie bringen wir all diese Arschlöcher, die uns nicht wählen, dazu, dass sie uns wählen.» Aber dann kam ihnen der zwanglose Zwang des besseren Arguments in den Sinn, und sie beschlossen, das Problem direkt zu adressieren, indem sie an jeden zweiten Laternenpfahl ein Plakat hängten: «Lieber ein Gutmensch als ein herzloses Arschloch.» Das fanden zahllose herzlose Arschlöcher sehr überzeugend, weil: kein Herz, aber doch ein Hirn. Die Mitgliederzahlen der Juso jedenfalls sind unbestätigten Meldungen zufolge seither explodiert. (Übrigens hätten wir das Plakat hier gerne gezeigt, aber als wir es fotografieren wollten, war es schon wieder weg. Da wird wohl irgendein herzloses … Sie wissen schon.) (hub)


Im vergangenen Herbst stellten uns die Innerschweizer ein Schild mit der Aufschrift «Willkommen im Kanton Schwyz» mitten ins Zürcher Territorium hin, genauer: auf der Autobahn A3, Kilometer weit weg von der Grenze. Und das am Vorabend des Zwinglijahres, nach dem jede Zürcherin und jeder Zürcher wissen wird, dass diese Zentraleidgenossen unseren Huldrych ziemlich mies niedergemetzelt und zerstückelt hatten. Eine Frechheit also. Doch Rache ist süss, weiss nicht nur der Volksmund. Also schickten wir unsere moderne Jeanne d’Arc zu den Ungläubigen. Am Bahnhof Pfäffikon SZ lächelte sie schon ahnungsvoll vom Plakat, unsere Bildungskreuzfahrerin Silvia Steiner. (pu)

Erstellt: 01.03.2019, 16:12 Uhr

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