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Die Langstrasse kämpft für ihren Rosenverkäufer

Seit mehr als zehn Jahren verkauft Kubeysi Genoglu Rosen im Kreis 4. Nun soll er ausgeschafft werden. Doch es regt sich Widerstand.

Kubeysi Genoglu verkauft seit über zehn Jahren Rosen in Restaurants und Lokalen rund um die Langstrasse. Der Kurde soll nun aber ausgeschafft werden. Bis zum 24. Februar muss er die Schweiz verlassen.
Kubeysi Genoglu verkauft seit über zehn Jahren Rosen in Restaurants und Lokalen rund um die Langstrasse. Der Kurde soll nun aber ausgeschafft werden. Bis zum 24. Februar muss er die Schweiz verlassen.
TA Archiv
Im Quartier will man dies mit einer Petition an den Regierungsrat verhindern. Viele Restaurants legen sie derzeit auf und versuchen, Genoglu doch noch zum Bleiberecht zu verhelfen.
Im Quartier will man dies mit einer Petition an den Regierungsrat verhindern. Viele Restaurants legen sie derzeit auf und versuchen, Genoglu doch noch zum Bleiberecht zu verhelfen.
Screenshot Internet
Hinter der Petition steht die ehemalige SP-Gemeinderätin Rose Zschokke. Sie stellt sich voll und ganz hinter den stadtbekannten Rosenverkäufer: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich etwas zuschulden kommen liess.»
Hinter der Petition steht die ehemalige SP-Gemeinderätin Rose Zschokke. Sie stellt sich voll und ganz hinter den stadtbekannten Rosenverkäufer: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich etwas zuschulden kommen liess.»
Thomas Burla
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Kubeysi Genoglu wird zuweilen der Rosenverkäufer mit dem traurigen Blick genannt. Oder auch: der Freund der Verliebten. Er verleiht der Langstrasse mit seinem etwas biederen Anzug, seinem korrekten, leisen und freundlichen Auftreten und natürlich mit seinen langstieligen Rosen ein nostalgisches Flair. Jetzt soll der aus der Türkei stammende Kurde das Land bis zum 24. Februar verlassen. Das Migrationsamt wirft ihm vor, er habe sich die Aufenthaltsbewilligung durch eine Scheinehe erschlichen.

Rund um die Langstrasse ist nun eine Solidaritätswelle für den 51-Jährigen losgebrochen. In einer Petition wird Regierungsrat Mario Fehr (SP) gebeten, den Entscheid des Migrationsamtes rückgängig zu machen. Initiantin der Bewegung ist die ehemalige SP-Gemeinderätin Rose Zschokke. Als ihr Kubeysi Genoglu erzählte, dass er ausgeschafft werde, habe sie gesagt: «Gaats na!» Weshalb Kubeysi Genoglu weggewiesen wird, weiss sie nicht. Doch sagt sie, Genoglu sei der netteste aller Rosenverkäufer. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich etwas zuschulden kommen liess.»

Steuern immer zeitig gezahlt

Vor 22 Jahren ist Kubeysi Genoglu das erste Mal in die Schweiz eingereist. Sein Asylantrag wurde abgelehnt. 1997 versuchte er es ein weiteres Mal, wieder ohne Erfolg. So reiste er 2004 illegal ein. Kurz darauf heiratete er eine um zwanzig Jahre jüngere, drogenabhängige Frau, woraufhin er eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei der Ehefrau erhielt. Diese Ehe sei als Scheinehe zu bezeichnen, erklärte das Migrationsamt im September 2011. Die Einschätzung wurde mittlerweile vom Verwaltungsgericht und vom Bundesgericht bestätigt.

Seine Stimme ist heiser, er spricht schnell und aufgeregt. Kubeysi Genoglu sagt: «Ich weiss mir nicht mehr zu helfen. Ich bin fix und fertig.» Er sei gewiss kein schlechter Mensch, beziehe keine Sozialhilfe und sei bei vielen Leuten beliebt. Auch habe er die Steuern und alle sonstigen Taxen immer rechtzeitig bezahlt. Dass er nun zu allem Elend noch die Gerichtskosten übernehmen müsse, mache seine Lage aber noch schwieriger. «Ich setze nun alle Hoffnung in die Petition, welche Frau Zschokke an der Langstrasse für mich gestartet hat.»

«Einfach unmenschlich»

Die 74-jährige Rose Zschokke, Frauenrechtlerin der ersten Stunde, ist nicht bereit, diesen Wegweisungsentscheid einfach so hinzunehmen. «Er ist einfach unmenschlich.» Genoglu zahle hier AHV und Steuern, spreche Deutsch, sei immer anständig und arbeitsam. Deshalb hat sie im Szenelokal Daniel H. an der Müllerstrasse, wo sie Stammgast sei, diese Petition lanciert.

Mittlerweile hat sich die Nachricht von der Wegweisung des beliebten Rosenverkäufers wie ein Lauffeuer im Langstrassenquartier verbreitet: In vielen Lokalen liegt die Petition auf. Verschiedene Bars haben sich aktiv nach den Bögen erkundigt. Die Ambossrampe hatte dem Überbringer gar ein Freibier versprochen. Voraussichtlich am kommenden Montag will Rose Zschokke die Unterschriftenbögen zu Beginn der Kantonsratssitzung an Parteikollege und «Facebook-Freund» Mario Fehr überreichen. Was erwartet sie von der Aktion? «Dass Fehr ein Herz zeigt.» Und beispielsweise die Härtefallkommission einschalte.

Fristverlängerung angestrebt

Allzu viel ausrichten kann man mit einer Petition allerdings nicht. So zieht sie nicht zwingend eine neue Prüfung des Ausweisungsentscheides nach sich. Das Petitionsrecht ist zwar in der Bundesverfassung verankert, die Behörden werden aber lediglich verpflichtet, von dem Anliegen «Kenntnis» zu nehmen. Und das Bundesgerichtsurteil macht Kubeysi Genoglu wenig Hoffnung. Zwar wird dort bestätigt, dass Genoglu keine Schulden habe und dessen Deutschkenntnisse und Referenzen positiv seien, doch sei die finanzielle Situation als selbstständig erwerbender Rosenverkäufer nicht als sehr stabil zu bezeichnen. Zudem sei davon auszugehen, dass eine Wiedereingliederung in der Türkei durchaus möglich sei.

Genoglus Anwalt will vorerst versuchen, eine Fristverlängerung zu erreichen. Es sei unzumutbar, dass jemand, der zehn Jahre hier gelebt habe, innert einem Monat alle Brücken abbrechen müsse. Des Weiteren könne sein Mandant seinen Fall noch an den Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg weiterziehen. Allerdings hat dies keine aufschiebende Wirkung.

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