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Die Leerstellen

Lehrstellen gibt es im Kanton Zürich zwar genug, aber die Jugendlichen wollen alle in die gleichen Berufe. Für das Zürcher Gewerbe wird dies zum Problem.

Für Lehrstellensuchende keine Option: Metzgerei im Zürcher Globus.
Für Lehrstellensuchende keine Option: Metzgerei im Zürcher Globus.
Gaetan Bally, Keystone

Kaufmännische Lehrstellen sind bei Jugendlichen beliebt. Wie die Bildungsstatistik des Kanton Zürichs aufzeigt, war die Hälfte des Gesamtangebots bereits innerhalb eines halben Monats besetzt. Ähnlich hohe Werte erreichen nur die Hochbauzeichner und Polygrafen. Am anderen Ende der Beliebtheitsskala stehen Spengler und Metzger. Erst über ein halbes Jahr nach der Ausschreibung lassen sich hier genug Lehrlinge finden, um die Hälfte des Stellenangebots zu besetzen.

Sind sich die Zürcher Jugendlichen zu fein, um eine handwerkliche Lehrstelle anzutreten? «Den Jugendlichen ist es heute wichtig, eine Berufslehre zu machen, die später viele verschiedene Möglichkeiten bietet», meint Andrea Ruckstuhl, Ressortleiter Jugend beim KV Schweiz. Das gesellschaftliche Ansehen von handwerklichen Berufen habe massiv abgenommen. Ruckstuhl bedauert diese Entwicklung, sieht aber: «Je kleingewerblicher, desto schwieriger ist es, Lehrlinge zu finden.» Im Gegensatz dazu würden KV-Lehrstellen oft als beste Alternative zum Gymnasium gesehen, wenn die Noten für letzteres nicht ganz reichten.

Handwerk hat Image-Problem

Auch Martin Arnold, Geschäftsführer des Kantonalen Gewerbeverbandes, sieht vor allem ein Image-Problem der handwerklicheren Berufsbilder: «Viele haben sich zwar massiv verändert, aber dies ist bei den Jugendlichen noch nicht angekommen.» So seien Lehren im Elektronischen Bereich heute hochtechnisiert und würden mehr in Richtung IT gehen. Auch hier liege eine grosse Entwicklungsmöglichkeit für die Jugendlichen. Dennoch findet die Branche nicht genug Nachwuchs. Arnold sieht das Problem schon in den Schulen: «Oft wird davon ausgegangen, dass eine hohe Gymnasialquote für eine gute Volksschule spricht. Das ist natürlich Blödsinn.»

Andrea Ruckstuhl vom KV Schweiz pflichtet ihm bei, dass bereits in der Schule Werte festgelegt werden, welche die Lehrstellensuche beeinflussen. «Wenn man immer hört, was bessere Chancen ermöglicht und was nicht, will man im prestigeträchtigeren Bereich etwas finden.» Dies, auch wenn die Stelle möglicherweise gar nicht so gut zu einem passe. Für ihn ist deshalb wichtig, dass man die Lehrstellensuche schon in der Schule vermehrt im Hinblick auf die Zufriedenheit der Jugendlichen ausrichtet und weniger auf Prestige-Lehrstellen. Ruckstuhl hat zudem von Betrieben gehört, die direkter auf Jugendliche zugehen und bei Schnuppertagen gar mit kleinen Give-Aways locken.

Mehr Marketing für Lehrstellen

Davon hält Arnold nichts. «Dies ist keine nachhaltige Strategie.» Wichtig sei, dass die Jugendlichen Freude an ihrer Berufslehre hätten. Dennoch glaubt auch er, dass mehr ins Marketing für gewisse Lehrstellen investiert werden muss, um das Interesse des Nachwuchses zu wecken. Geschieht dies nicht, kann es mancherorts problematisch werden. Arnold sieht vor allem in der Bau- und Elektrobranche grössere Nachwuchsprobleme. «Wenn dies so weitergeht, werden die Leistungen teurer, weil es zu wenig Fachleute gibt und deren Löhne zwangsläufig steigen.»

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