Die Lüftungsklappe ist der Katze Tod

Mindestens fünf Katzen starben auf den Gewächshäusern eines Bauern aus dem Weinland. Das Bezirksgericht Andelfingen hat ihn nun vom Vorwurf der Tierquälerei freigesprochen.

Fünf Katzen verendeten auf qualvolle Weise auf einem Gewächshaus. Archivbild: Florian Bärtschiger

Fünf Katzen verendeten auf qualvolle Weise auf einem Gewächshaus. Archivbild: Florian Bärtschiger

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Die Katzen müssen qualvoll verendet sein. Erdrückt von den sich automatisch schliessenden Kippfenstern auf den Gewächshäusern eines landwirtschaftlichen Betriebs im Weinland. Ein paar Hundert Kilo Glas und Stahl, die sich unerbittlich auf den Tierkörper senken. Der Mechanismus ist so konstruiert, dass er auch Sturmwinden standhält. Mindestens fünf Tiere hatten in den letzten zwanzig Jahren keine Chance zu entkommen.

Im März 2017 traf es eine Katze aus der Nachbarschaft, und deren Besitzer erstattete Strafanzeige. So fand sich der Besitzer des Gewächshauses vor dem Bezirksrichter in Andelfingen wieder. Der Staatsanwalt hatte ihn der Tierquälerei angeklagt, er verlangte eine Strafe von 120 Tagessätzen zu 140 Franken bei einer Probezeit von drei Jahren. Der Vorwurf: Der Bauer habe um die Gefahr gewusst, schliesslich sei auch seine eigene Katze eingeklemmt worden. Dennoch habe er nicht genug unternommen, um die Kippfenster zu sichern, beispielsweise mit Netzen oder akustischen Warnsignalen.

«Die Katzen sind überall»

Das sei leichter gesagt als getan, argumentierte der Bauer vor Gericht: «Was der Staatsanwalt fordert, ist nicht praktikabel.» Aus seiner Sicht liegt das Problem eher darin, dass immer mehr Leute aufs Land ziehen und dort Katzen halten: «Die Katzen sind überall.» Er habe alles versucht, um Unfälle zu verhindern, Ultraschall-Abschreckgeräte gekauft, einen Teil der Fenster mit Drahtgitter gesichert, das Gelände umzäunt. Aber es gebe schlicht kein System auf dem Markt, das garantieren könne, dass keine Tiere in den Lüftungsklappen sterben.

Das sah auch ein Gewächshaushersteller so, bei dem das Gericht eigens ein Gutachten bestellt hatte. Selbst wenn die Klappen auf dem Schrägdach der Treibhäuser mit einem Drahtgeflecht gesichert würden, könne es passieren, dass ein Tier unter die sich schliessenden Fenster gerate. Auch ein Katzenzaun biete keine hundertprozentige Gewähr und sei ausserdem teuer.

Richter Lorenz Schreiber war derselben Meinung. Er sprach den Beschuldigten mit den Worten frei: «Man kann nicht sagen, Sie hätten den Tod der Tiere fahrlässig verursacht oder gar durch Nachlässigkeit in Kauf genommen.» Kritik übte er am Staatsanwalt: «Selbst wenn es zu einem Schuldspruch gekommen wäre: Die Höhe des Strafantrags ist für uns nicht nachvollziehbar.» Der Landwirt hat dazu seine eigene Theorie: Als Hanfbauer sei er den Behörden ein Dorn im Auge - man habe an ihm wohl ein Exempel statuieren wollen: «Weil man mich anders nicht dranbekommen hat.»

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Erstellt: 15.07.2019, 14:10 Uhr

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