Die Nachwehen von Blochers Eingriff

Ein schwuler SVP-Politiker kritisiert die Zusammensetzung der neuen Zürcher Parteileitung: Toni Bortoluzzi sei peinlich, weil schwulenfeindlich. Auch andere muckten auf.

Sein Eingriff kam nicht bei allen gut an: Christoph Blocher an der SVP-Delegiertenversammlung.

Sein Eingriff kam nicht bei allen gut an: Christoph Blocher an der SVP-Delegiertenversammlung. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Michael Frauchiger ist im Vorstand der SVP des Bezirks Dielsdorf, und er ist schwul. Deshalb stiess ihm die von Christoph Blocher initiierte Neubesetzung des kantonalen SVP-Präsidiums sauer auf, die an der Delegiertenversammlung vom Dienstag beschlossen wurde. Er kritisierte an der Versammlung deutlich die Wahl von Alt-Nationalrat Toni Bortoluzzi ins Vizepräsidium.

Der 72-jährige Bortoluzzi vertrete Ansichten von vorgestern, sagte Frauchiger vor den Delegierten. «Wer pauschal behauptet, Kita-Kinder hätten einen kleinen IQ und Homosexuelle hätten einen verkehrten Hirnlappen, der hat vielleicht selber zu viel Zeit in der Kita verbracht.» Statt Bortoluzzi zu wählen, «nur weil er von Herrliberg herab delegiert wurde», solle man jemandem eine Chance geben, der die jüngere Wählerschaft abholen könne, forderte Frauchiger. Dafür gab es zaghaften Applaus.

Damit auch eine breitere Öffentlichkeit von seiner Empörung erfährt, doppelte er via Twitter nach:

Frauchiger kassierte für sein Votum umgehend die Retourkutsche, wie er gegenüber «20 Minuten» sagt: Nationalrat Thomas Matter habe ihm mitgeteilt, wer sich einmal in zehn Jahren an der Delegiertenversammlung auf diese Weise äussere, solle besser die Klappe halten. Eine Reaktion, die Frauchiger «völlig daneben» findet. Matter sagt dazu, es habe nicht gewusst, dass Frauchiger schwul sei, er habe einfach Bortoluzzi verteidigen wollen, weil die Vorwürfe gegen ihn respektlos und inhaltlich falsch gewesen seien.

«Zu viel Geschirr zerschlagen»

Laut Frauchiger ist es nicht die SVP, die ein Problem mit Homosexuellen hat, sondern nur deren alte Garde. Diese musste an der Delegiertenversammlung auch sonst ungewohnt deutliche Kritik über sich ergehen lassen. Der auf Druck abtretende Zürcher Parteipräsident Konrad Langhart erlaubte sich, Blochers Analyse offen anzuzweifeln, wonach die Partei vor den Wahlen zu wenig für den Erfolg gemacht habe.

Er kenne viele Leute, die sich im Wahlkampf täglich so sehr engagiert hätten, dass sie an Grenzen gestossen seien, sagte Langhart. Denen könne man jetzt nicht sagen, sie müssten noch mehr Plakate aufhängen. Wenn man den Einsatz dieser Leute nicht respektiere und ihnen danke, «dann gewinnen wir ganz sicher keine Wahlen mehr.» Dafür gab es viel Applaus. Langhart, der sich selbst immer als Vertreter einer anständigen SVP sah, sagte den Delegierten, er wisse, dass sie ihn erneut als Präsidenten gewählt hätten. «Aber es geht nicht mehr – es ist zu viel Geschirr zerschlagen.»

(hub)

Erstellt: 04.04.2019, 09:32 Uhr

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