Die Oberlandautobahn soll untendurch

Seit Jahrzehnten ringt die Politik mit der Frage, wo das fehlende Teilstück durchführen soll. Der Zürcher Kantonsrat hat jetzt eine neue Lösung.

Wie weiter? Am Betzholzkreisel in Hinwil endet die Autobahn heute.

Wie weiter? Am Betzholzkreisel in Hinwil endet die Autobahn heute. Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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Mit 93:57 Stimmen hat sich der Zürcher Kantonsrat heute Montag für eine durchgängige Oberlandautobahn ausgesprochen. Er hat einer entsprechenden Teilrevision des kantonalen Richtplans zugestimmt. Vorgesehen ist der Bau eines Teilstücks, das weitgehend unter dem Boden geführt wird und so die heutige Lücke im Netz schliesst.

Die Lösung mit einer unterirdisch geführten Autobahn zwischen dem Ende der Forchautostrasse und der Gemeinde Gossau ist laut Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon) «nahezu die Quadratur des Kreises». Die Linienführung mittels Tunnel schone Anwohner und Natur und sorge gleichzeitig für eine Entlastung der Gemeinden vom Durchgangsverkehr.

Jörg Kündig (FDP), Gemeindepräsident von Gossau, sagte, seine Gemeinde leide unter dem Schleichverkehr. Der Lückenschluss sei eine Notwendigkeit. Er forderte zugleich, dass die Bewohnerinnen und Bewohner Gossaus möglichst wenig vom Baustellenbetrieb tangiert würden.

Vehement bekämpfte dagegen Max Homberger (Grüne, Wetzikon) die Vorlage. Er nannte die über 30-jährige Planung des Regierungsrats dilettantisch. Kein gutes Haar liess er am Argument, die Oberlandautobahn entlaste die Gemeinden vom Durchgangsverkehr: «Der Regierungsrat schreibt selber im Bericht, die bis zu 65'000 Fahrzeuge seien Quell- und Zielverkehr innerhalb der Region. Der Transitverkehr mache einen untergeordneten Anteil aus.» Das Verkehrschaos in Wetzikon und Hinwil sei hausgemacht, das wisse man seit Jahrzehnten. Ruedi Lais (SP, Wallisellen) vermutete, dass mit der Autobahn «eine Transitachse für den Schwerverkehr» durch das Oberland geschlagen werden solle.

Der letzte Vorschlag scheiterte

Seit den 1970er-Jahren arbeiten Kantonspolitiker auf eine durchgehende Oberlandautobahn hin. Die Linienführung erwies sich von Beginn weg als grosses Problem. Sie blieb es auch, als es darum ging, die letzte Lücke zwischen Grüt und Gossau zu schliessen.

Der letzte Vorschlag scheiterte an einem Entscheid des Bundesgerichts. Es erkannte 2012, dass die Strassenführung die Moorlandschaft Wetzikon/Hinwil tangiere. Diese gehört zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung.

Mini-Autobahn bei Bülach

Neben der Oberlandautobahn hat sich der Kantonsrat heute noch mit einer zweiten Strasse befasst: Er entschied sich mit 103:59 für den Bau einer Mini-Autobahn durch den Hardwald. 27'000 Fahrzeuge verkehren dort heute jeden Werktag auf der Schaffhauserstrasse, und stets staut sich der Verkehr zwischen dem Autobahnende Bülach Nord und dem Kreisel Chrützstrasse.

Der Regierungsrat befürwortet einen Ausbau der heute zweispurigen Strasse zu einer richtungsgetrennten vierspurigen Strasse. Eine Wildtierverbindung und eine Fussgängerbrücke sollen über die Mini-Autobahn führen. Der Veloweg, der neben der Schaffhauserstrasse verläuft, soll mit einer anderen Linienführung ersetzt werden.

Linke und Grüne waren gegen den Ausbau und schlugen eine Mittelleitplanke vor, um die Sicherheit für die Autofahrer zu erhöhen. Die Ratsrechte war für den Ausbau der Verbindung.

(hub/sda)

Erstellt: 29.05.2017, 11:10 Uhr

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