Zum Hauptinhalt springen

Die Politik hat sich Respekt zurückerobert

Die Winterthurer Stadträtin Yvonne Beutler wird von einem Unternehmen abgeworben. Das hat symbolische Kraft.

MeinungHannes Nussbaumer

Wirtschaft und Politik stehen in der Schweiz in einer wechselvollen Beziehung. Es gab Zeiten, da gehörte zur bürgerlichen Elite, wer Offizier war, wer einen Chefposten in der Wirtschaft und ein politisches Amt bekleidete. Die Wirtschaft als Hauptsphäre, die Politik als Nebensphäre: Diese Hierarchie spiegelte das politische Bewusstsein der Schweiz, wobei das Milizsystem Gewähr bot, dass die beiden Sphären verzahnt blieben.

Dann kam die Entfremdung. Im Zug der Globalisierung koppelte sich die Schweizer Wirtschaft zusehends vom nationalen Rahmen ab. Man spielte nun in der internationalen Liga mit (und zahlte entsprechende Saläre). Die Konsequenz: Von der Nachwuchselite gingen die Besten in die Wirtschaft. Zeit für ein politisches Nebenamt hatten diese Jungmanager nicht. Sie hatten für die umständliche, ineffiziente Politik höchstens Spott übrig.

Die Wirtschaft tut gut daran, sich das Know-how junger Politiker zu sichern.

Der Transfer der Winterthurer Stadträtin Yvonne Beutler von der Politik in ein Beratungsunternehmen besitzt vor diesem Hintergrund symbolische Kraft: Ein Unternehmen wirbt eine Politikerin ab, doch nicht oder zumindest nicht primär, weil diese über Kontakte verfügt und Türen öffnen kann. Beutler hat in ihrer politischen Arbeit gezeigt, wie man komplexe Sachverhalte kommuniziert, wie man sich in einem konfrontativen Umfeld behauptet, wie man einen Finanzhaushalt in Ordnung bringt: Es sind ihre politischen Fähigkeiten, die sie für den Job in der Wirtschaft qualifizieren.

Der Austausch zwischen Politik und Wirtschaft gehört zum Wesen unseres Systems. Beutlers Wechsel bringt zum Ausdruck, dass dieser Austausch wieder besser funktioniert. Die Politik hat sich Respekt zurückerobert. Das ist gerade auch vor dem Hintergrund wichtig, dass in der Politik öfter als früher sehr junge Leute steil aufsteigen – dazu gehören auch Beutlers Berner Amtskollegin Ursula Wyss, die Aargauer Ständerätin Pascale Bruderer oder Ex-SVP-Präsident Toni Brunner. Diese sind bei ihrem Abschied aus der Politik jung genug für eine zweite Karriere – und verfügen über viel Know-how. Die Wirtschaft tut gut daran, sich dieses zu sichern.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch