«Die Schweiz gehört in die EU»

Fabian Molina rückt für Tim Guldimann in den Nationalrat nach. Seine teils radikalen Positionen will der ehemalige Juso-Präsident beibehalten, sagt er.

«Ich werde bestimmt nicht im Parlament pensioniert», sagt Neu-Nationalrat Fabian Molina.

«Ich werde bestimmt nicht im Parlament pensioniert», sagt Neu-Nationalrat Fabian Molina. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Wie haben Sie reagiert, als sie erfahren haben, dass sie in den Nationalrat nachrücken?
Der Abgang von Herrn Guldimann kam sehr überraschend für mich. Die SP-Kantonspräsidentin Priska Seiler Graf hat mich angerufen und gesagt, ich soll mich doch besser kurz hinsetzen. Das habe ich auch getan. Ich war sehr überrascht und natürlich auch erfreut über den Bescheid.

Sie sagten kürzlich, sie wollten Ihr Studium unbedingt abschliessen. Wie geht es jetzt weiter damit?
Ich habe auch noch einen Job, den ich sehr gerne ausübe. Dazu kommt auch noch mein Mandat als Kantonsrat, das ich aber bestimmt ablegen werde. Das muss ich jetzt alles erst mal neu organisieren. Und zwar in relativ kurzer Zeit.

Wo sehen Sie in Bern die Möglichkeit, etwas zu bewegen?
Ich will in Bern das machen, was mich ganz grundsätzlich antreibt. Und das ist politische Einflussnahme. Wir leben in einer sehr ungerechten und gefährlichen Welt. Wir haben viele kriegerische Auseinandersetzungen, bewaffnete Konflikte und Flüchtlinge wie nicht mehr seit dem Zweiten Weltkrieg. Wir haben global eine unerträgliche soziale Ungleichheit und einen Klimawandel, der die ganze Menschheit bedroht. Ich glaube, dass es die Aufgabe der Politik ist, diese Probleme zu lösen. Die Herausforderung wird nun sein, in der lokalen Politik Anknüpfungspunkte zu finden, um einen Beitrag dazu zu leisten.

Und welche dieser Themen sind für Sie zentral?
Ich arbeite bei der Swissaid, einer Entwicklungsorganisation, dort geht es um internationale Solidarität, die Machtbeziehungen zwischen Nord und Süd oder gerechte Handelsstrukturen. Verkürzt gesagt sind Klimaschutz und Migration die Themen, die mich beschäftigen.

Sie sind in den vergangenen Jahren auch aufgefallen mit radikalen Positionen, etwa zur Armeeabschaffung, aber auch mit scharfer Kritik an der SVP. Werden Sie diesen Ton beibehalten? Inhaltlich werde ich mich sicher nicht verändern. Es ist aber auch wichtig, zu sehen, dass es unterschiedliche Rollen gibt innerhalb des Politbetriebs. Als Präsident einer Jungpartei muss man Themen möglichst öffentlichkeitswirksam verkaufen. Das habe ich getan. In einem Parlament dagegen geht es mehr darum, Allianzen zu schmieden und Kompromisse zu finden. Und das politisch Mögliche im Blick zu behalten.

Das wird Ihnen leicht gelingen?
Ich habe mittlerweile genügend Parlamentserfahrung, dass ich weiss, was möglich ist und was nicht. Ich weiss aber auch, dass es besser ist, mit einer klaren Position in eine Verhandlung zu gehen, als mit einem bereits vorgefertigten Kompromiss. Das wird auch in Zukunft so bleiben.

Bilder: Die Karriere von Tim Guldimann

Stichwort Allianzen: Zum Auslandeinsatz der Schweizer Armee haben sie damals gemeinsame Positionen mit der SVP gefunden. Ist der Schulterschluss mit rechtsaussen auch in Zukunft denkbar?
Wenn es für die Sache richtig ist, habe ich hier keine Berührungsängste. Es ist aber sicher auch kein Geheimnis, dass ich in 99 Prozent der Fälle völlig andere Haltungen und Ansichten vertrete als die SVP.

Ihr Vorgänger Tim Guldimann war ein eindeutiger EU-Befürworter. Wo stehen Sie in dieser Frage?
Meine Haltung hier ist ebenso klar wie die von Herrn Guldimann. Die Schweiz gehört in die EU. Wir sind so oder so abhängig von Europa, und es würde uns besser anstehen, in der EU eine aktive Rolle einzunehmen. Wir sind doch stolze Europäer.

Ein anderes Thema: Sie haben sich einst für die sogenannte Altersguillotine eingesetzt, wonach Parlamentarier nach zwölf Jahren Einsatz eine Zweidrittelmehrheit bei den Delegierten benötigen. In zwölf Jahren sind sie erst 40. Hören Sie dann auf?
Für mich ist klar: Wer so jung wie ich jetzt ins Parlament kommt, wird nicht im Parlament pensioniert. Und das ist auch richtig so. Es ist wichtig, dass im Nationalrat Leute mit verschiedenen Zugängen zu Themen, Hintergründen und Biografien vertreten sind. Und die sind halt oft auch altersabhängig. Nur so kann die Bevölkerung gut vertreten werden.

Sollten Politiker Ihrer Meinung nach im Durchschnitt jünger sein?
Ich sage nicht, dass man ab einem gewissen Alter keine Politik mehr machen sollte. Aber 30 Jahre im Parlament sind zu viel. Irgendwann wird man abgestumpft, man sieht die Sachen nicht mehr gleich, wie wenn man jung ist.

Ihre Karriere geht steil bergauf. Sind Sie mit 40 schon Bundesrat?
Das ist ganz bestimmt nicht mein politisches Ziel. Als Bundesrat muss man sich doch viel zu sehr anpassen. Man kann seine Meinung nicht mehr so klar vertreten. Dazu kommt, das wohl kaum je jemand auf die Idee kommt, mich zu wählen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.02.2018, 11:37 Uhr

Zur Person

Fabian Molina (27) war mit 19 schon im Gemeinderat von Illnau-Effretikon ZH. Von 2014 bis 2016 war er Präsident der Juso Schweiz. 2015 war er zudem Vizepräsident der SP Schweiz. Seit 2017 amtet er im Zürcher Kantonsrat. Molina studiert Geschichte und Philosophie und arbeitet bei Swissaid im Bereich Entwicklungspolitik. (dsa)

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