Die Seeüberquerung Meilen-Horgen fällt 2020 aus

Die Zahl der Teilnehmer wächst und wächst, das bringt die Organisatoren an ihre Grenzen. Jetzt reagieren die ersten.

Findet 2020 nicht statt: Die Seeüberquerung Meilen-Horgen. Foto: Sabine Rock

Findet 2020 nicht statt: Die Seeüberquerung Meilen-Horgen. Foto: Sabine Rock

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Diesen August stehen fünf Seeüberquerungen an. Diejenige von Kilchberg nach Zollikon wird dieses Jahr zudem zum 50. Mal durchgeführt. Nur 18 bis 19 Grad betrug die Temperatur des Zürichsees, als sich damals am 25. August 1969 die 54 Schwimmer auf den Weg vom Kilchberger Mönchhof nach Zollikon machten. «Trotz der nicht besonders vorteilhaften klimatischen Verhältnisse mussten nur vier Schwimmer an Bord genommen werden», berichtet die NZZ Morgenausgabe vom 26. August 1969. Neben den tiefen Wassertemperaturen sogten auch der Wind und in der Folge die Wellen für erschwerte Bedingungen.

«Die ersten Male nahmen etwa 40 oder 50 Schwimmende teil.»Paul Vesel, Seeüberquerer der ersten Stunde.

Einer der dabei war, ist Paul Vesel. Der heute 71-jährige war am Aufbau des Schwimmklubs Zollikon beteiligt und erinnert sich noch gut an den Schwumm vom Kilchberger Mönchhof nach Zollikon im Sommer 1969. Bereits dazumal sei Sicherheit das oberste Gebot gewesen. «Wir wollten alle hundert Meter ein Boot stationieren», erklärt er. Dafür habe man den befreundeten Seerettungsdienst in Zollikon angefragt. «Die ersten Male nahmen etwa 40 oder 50 Schwimmende teil», berichtet Vesel. Doch schon bald seien es deutlich mehr gewesen. «Wir haben klein gestartet – umso mehr Freude bereitet es, dass es die Überquerung immer noch gibt», sagt Vesel.

Internationale Teilnehmer

Unterdessen ist die Teilnehmerzahl auf 300 beschränkt. Einen Rekord gab es 2015, als sich 294 Schwimmer auf die Strecke wagten. Begrenzt ist die Zahl übrigens wegen des Transportes der Teilnehmer von Zollikon nach Kilchberg. Dieser wird seit vier Jahren mit einem ZSG-Schiff gemacht, auf dem bis zu 300 Personen Platz haben.

Die meisten Teilnehmer stammen laut Schwimmklub Zollikon immer noch aus dem Kanton Zürich. In manchen Jahren waren aber bis zu 16 Nationen vertreten. Dies ist kein einzelnes Phänomen: Auch der Kilchberger Tauchclub Glaukos hatte schon Schwimmbegeisterte aus Portugal, Wales, Finnland oder Sri Lanka dabei, wie dem Vereinsheft zu entnehmen ist.

Dieses Jahr wird die Zolliker Seeüberquerung zum ersten Mal zusammen mit allen anderen in einer Cup-Wertung, dem Swiss Open Water-Cup, erfasst. Dadurch erwartet der Schwimmklub Zollikon dieses Jahr vermehrt Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der ganzen Schweiz.

Eine «Herzensangelegenheit»

Die Seeüberquerungen scheinen sich generell steigender Beliebtheit zu erfreuen. Laut Eric Linder der SLRG Horgen hätten auch die Teilnehmerzahlen der Seeüberquerung Meilen-Horgen stetig zugenommen. «Vor zehn Jahren waren es im Durchschnitt 120 bis 170 Teilnehmer, in den letzten sechs Jahren gab es eine Zunahme von 200 auf 500», sagt Linder.

«Wir haben klein gestartet – umso mehr Freude bereitet es, dass es die Überquerung immer noch gibt.»Paul Vesel, Ehrenmitglied des Schwimmklubs Zollikon

Die SLRG Wädenswil konnte letztes Jahr gar 857 Teilnehmer verzeichnen. Auch Christian Sennhauser der SLRG Küsnacht vermerkt: «Es gibt ein steigendes Interesse und steigende Teilnehmerzahlen». Die grösste Herausforderung sei dabei, genügend Helfer in Booten wie auf dem Land zu finden.

Das heutige Ehrenmitglied des Schwimmklub Zollikon Paul Vesel ist indes nur ein oder zwei Mal mitgeschwommen: «Als Organisator war ich im Hintergrund tätig und konnte nicht teilnehmen». Die Organisatoren der ersten Seeüberquerungen hätten nicht gedacht, dass der Anlass so gut ankommen würde. «Das war schon eine Herzensangelegenheit», sagt Vesel rückblickend. Nach seinem Umzug nach Basel 1987 hörte er mit der aktiven Tätigkeit im Schwimmklub Zollikon auf. «Sonst wäre ich heute noch dabei», sagt er.

Keine Ausweichtermine mehr

Die allererste Seeüberquerung des Schwimmklubs Zollikon fand übrigens 1965 statt. Bei der aktuellen Seeüberquerung vom 24. August handelt es sich nämlich um die 50. Durchführung und nicht um das 50-Jahr-Jubiläum. So berichtete die NZZ denn auch in besagter Ausgabe von 1969, dass der Schwimmklub Zollikon die bereits zur Tradition gewordene Seeüberquerung für jedermann bereits zum fünften Mal durchführe.

Während es früher Verschiebedaten gab, verzichtet der Schwimmklub seit ein paar Jahren auf den Mehraufwand und führt die Überquerung deswegen nach den Sommerferien durch. Bloss vier Mal musste die Seeüberquerung insgesamt abgesagt werden – nur extreme Witterungsverhältnisse oder Wassertemperaturen unter 20 Grad könnten dem Jubiläum also noch in die Quere kommen.

Erstellt: 07.08.2019, 09:18 Uhr

2020 gibt es keine Seeüberquerung Meilen–Horgen

Weil der Aufwand immer grösser wird, wollen die Organisatoren eine Pause einlegen.

«Im Jahr 2020 wird es keine Seeüberquerung Meilen–Horgen geben», diese Aussage steht auf der Website der Schweizer Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) Sektion Horgen, welche den Anlass organisiert. Eine Ankündigung, die erstaunt, hatten doch mit 555 Schwimmerinnen und Schwimmern Ende Juni so viele Menschen wie noch nie teilgenommen – eine Entwicklung, die sich auch bei anderen Überquerungen beobachten lässt. Die Traversierung ist neben derjenigen in der Stadt Zürich die einzige am Zürichsee, die vor den Sommerferien stattfindet. «Alles hat bestens geklappt, ich bin sehr zufrieden», hatte Eric Linder, Präsident der SLRG, Tagesanzeiger.ch/Newsnet nach der Seeüberquerung noch gesagt.

Was steckt also hinter der Absage? «Der Aufwand wird immer grösser», erklärt Linder auf Anfrage. Man sei zudem mit dieser Teilnehmerzahl an seine Grenzen gestossen. Er verweist darauf, dass alle Vorstandsmitglieder mit Ausnahme eines älteren Kollegen, der schon pensioniert ist, eine 100-Prozent-Stelle haben. Das Ende der 2,1 Kilometer langen Seeüberquerung wollen die Horgner aber noch nicht einläuten. Man mache einfach mindestens ein Jahr Pause.

Soll Volksschwimmen bleiben

«Wir wollen uns das Ganze anschauen und dann mit einem guten Konzept die Seeüberquerung neu lancieren.» Als mögliche Neuerungen nennt Linder etwa eine Teilnehmerbegrenzung sowie eine Anmeldepflicht.

Dass der Verein eine Pause macht, hat aber auch mit neuen Vorgaben zu tun. Bei einer Neuauflage der Seeüberquerung wird die Sektion Horgen einen sogenannten verantwortlichen Sicherungsdienst brauchen. Der Kurs soll von einem Vereinsmitglied im Laufe des kommenden Jahres absolviert werden. Linder betont indes, dass man auch schon bis anhin einen Sicherheitschef hatte. Weiterhin will die SLRG Horgen nicht mehr an einem Wertungssystem mit Zeitmessung mitmachen. Jeder habe heute doch eine Sportuhr, mit der er seine Geschwindigkeit messen könne, wenn er dies wolle. «Die Seeüberquerung Meilen–Horgen soll ein Volksschwimmen im kleinen Rahmen bleiben, bei dem es nicht um Geschwindigkeit geht», betont Linder.

Philippa Schmidt

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