Die seltsame Attacke der Jacqueline Fehr

Die Winterthurer Regierungsrätin sorgt mit ihrem Wahlkampf für Ärger am Zürichsee.

Ihre Meinung zu den Seegemeinden wirft Wellen: Jacqueline Fehr. Foto: Dominique Meienberg

Ihre Meinung zu den Seegemeinden wirft Wellen: Jacqueline Fehr. Foto: Dominique Meienberg

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Die Winterthurer Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) hat etwas erreicht, was nicht viele schaffen: Sie löste im Wahlkampfinterview mit einer Regionalzeitung einen Shitstorm aus. Im «Landboten» beklagte sie sich indirekt, dass im Regierungsrat mit Ernst Stocker, Thomas Heiniger und Mario Fehr drei Mitglieder aus dem Bezirk Horgen sitzen. Dies sei suboptimal, da Politiker von ihrem Umfeld geprägt seien und es in Seegemeinden wenig Innovation gebe.

Tags darauf erklärte Fehr in der «Zürichsee-Zeitung» (ZSZ), wie sie das gemeint hatte: «Wenn ein Meilemer heute aus dem Fenster schaut, sieht er immer noch mehr oder weniger das Gleiche wie vor zwanzig Jahren.» Am «beschaulichen Zürichsee», so Fehr, könne man sich nicht vorstellen, wie temporeich die Veränderungen anderswo seien, etwa in Dietikon, Wallisellen oder in Winterthur. Und: «Seegemeinden profitieren hauptsächlich von ihrem Standort. Ihre Potenz ist leistungsunabhängig.» Darum plädiert Fehr für einen Soziallastenausgleich und für mehr Respekt und Demut für die belasteten Gemeinden.

Kaum war die ZSZ am Samstag ausgeliefert, ging es los auf Facebook: «Wer andere qualifiziert, qualifiziert sich selbst», schrieb der Stäfner Gemeindepräsident Christian Haltner (FDP). Der Wädenswiler Stadtpräsident Philipp Kutter (CVP), sonst ein Mann des Ausgleichs, meinte: «So viel Arroganz auf sechs Zeilen muss man erst mal hinbekommen.» Worauf sich auch der Oberriedner Gemeindepräsident Martin Arnold (SVP) meldete: «Was Frau Fehr wohl unter Demut versteht?»

Gestern im Kantonsrat beschwerte sich der Horgner BDP-Kantonsrat Rico Brazerol gleich in einer Fraktionserklärung über die «niveaulose Breitseite» gegen die Seeregion. Es handle sich zudem um einen geografischen Blindflug, denn zwei der drei erwähnten Regierungsräte seien aus Adliswil, wo man vom Zürichsee etwa gleich viel sehe wie in Winterthur. Auch der Adliswiler Stadtpräsident Farid Zeroul (CVP) regte sich auf: «Bei uns hat noch nie ein Schiff angelegt.» Selbst in der eigenen Partei rieb man sich gestern die Augen. Regierungsrat Mario Fehr fühlte sich als Adliswiler persönlich angesprochen: «Ich stand gestern lange auf dem Balkon, den See habe ich aber nicht gesehen.» Irritiert ist auch der Effretiker FDP-Regierungsratskandidat Thomas Vogel:  «Es ist deplatziert, ohne Not die Werthaftigkeit der Regionen gegeneinander auszuspielen.»

Und wem nützt der Wahlkampfauftritt von Jacqueline Fehr? SP-Fraktionschef Markus Späth und Parteipräsident Andreas Daurù wollten dazu nichts sagen. Martin Arnold ist sich hingegen sicher: «Das war versteckte Propaganda für Natalie Rickli (SVP).»

Wädenswil hat derzeit wichtigere Probleme als Jacqueline Fehr. Denn an der Schönenbergstrasse ist ein Fussgängerstreifen entfernt worden. Er wurde von Schulkindern benutzt und noch schlimmer: von SVP-Regierungsrat Ernst Stocker.  Dieser Akt beweist für SP-Stadtrat Jonas Erni wenig Respekt und Demut vor der Bevölkerung am See. Darum will er wissen, wer das Entfernen angeordnet hat. Auf Anfrage sieht Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) die Verantwortung bei Baudirektor Markus Kägi (SVP), und der sieht es genau umgekehrt. Um offiziell Klarheit zu erhalten, hat Erni gestern eine Anfrage eingereicht, denn nicht nur er, sondern der Gesamtstadtrat will den Zebrastreifen zurück. Dies machte Mario Fehr gestern Eindruck: «Wenn der Wädenswiler Stadtrat diesen Zebrastreifen wieder will, unterhalten wir uns im Regierungsrat darüber.»

Erstellt: 10.12.2018, 19:59 Uhr

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