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«Die Stadt hat zu wenig hingehört»

Elvira Weber kann mit ihrer Familie auf dem Hof in Mettmenstetten bleiben. Für sie ist der Entscheid aus Zürich einen Tag später noch nicht fassbar.

Vor der Debatte im Zürcher Ratshaus hatte Elvira Weber kein Gefühl, wie der Gemeinderat über den Verkauf ihres Wohnhauses in Mettmenstetten entscheiden würde.
Vor der Debatte im Zürcher Ratshaus hatte Elvira Weber kein Gefühl, wie der Gemeinderat über den Verkauf ihres Wohnhauses in Mettmenstetten entscheiden würde.
Reto Oeschger

Frau Weber, wie haben Sie diese Nacht geschlafen?

Besser als die vorherigen Nächte. Aber auch nicht wirklich gut, obwohl mich die letzten Monate viel Kraft gekostet haben.

Sie müssten nach dem positiven Entscheid des Zürcher Gemeinderates total erleichtert sein und tief schlafen.

Für mich ist es noch nicht fassbar. Ich wache mehrmals in der Nacht auf und frage mich, ist es wirklich wahr. Richtig erleichtert bin ich erst, wenn der Gemeinderat der neuen Weisung zugestimmt hat und wir den Kaufvertrag auf dem Grundbuchamt unterschrieben haben.

Sie waren am Mittwochabend auf der Tribüne im Ratssaal. Wie war Ihnen zumute?

In allen anderen Situationen habe ich ein Bauchgefühl und kann mich darauf verlassen. Am Mittwoch hatte ich kein Gefühl. Meine Tochter hat mich aufgemuntert und immer wieder gesagt, dass wir das schaffen. Ich hatte nur eine wahnsinnige Angst.

«Bei der Schlussabstimmung hatte ich aber die Hände vor dem Gesicht.»

Elvira Weber

Haben Sie die Debatte überhaupt mitbekommen?

Ja. Das schon. Mich hat nur irritiert, wie wenig die Gemeinderäte über die Sache diskutieren. Stattdessen äussern sie sich mit abwertenden Bemerkungen über die anderen Parteien und versuchen, sich in ein besseres Licht zu stellen. Bei der Schlussabstimmung hatte ich aber die Hände vor dem Gesicht.

Mit auf der Tribüne sass der Familienvater, dem das Haus bereits zugesprochen worden war. Wie war das?

Ich habe das erst während der Debatte realisiert. Ihm dürften die Knie wohl so geschlottert haben wie mir. Aber es hätte im Grunde nie so weit kommen dürfen.

Was lief falsch?

Aus meiner Sicht hat die Stadt zu wenig hingeschaut und hingehört. Wir hatten wiederholt gesagt, dass wir den Hof kaufen wollten und das auch in einem Schreiben an alle Stadträte bekräftigt. Man hat uns wiederholt versichert, dass man uns berücksichtigen werde, und zuletzt doch anders entschieden. Aber trotz allem glaube ich, dass da niemand aus bösem Willen gehandelt hat.

Gemeinderäte von rechts und links aus Zürich haben sich für Sie eingesetzt. Haben Sie diese auf den Hof eingeladen?

Nein. Ausser mit einem, der sich telefonisch bei mir gemeldet hat, hatte ich mit niemandem direkten Kontakt.

Lärm machte vor allem die Bürgerbewegung in ihrem Dorf. War das in Ihrem Sinne?

Sie hat uns in dieser schwierigen Zeit getragen. Zu wissen, dass man in einem Dorf akzeptiert und eingebettet ist, tut enorm gut. Ich bin allen dankbar, die ihre Zeit für uns geopfert haben.

Gab es auch negative Reaktionen?

Aussen herum vielleicht schon. Auf mich zugekommen ist nur eine Person. Ich akzeptierte ihre Meinung. Es gibt immer zwei Seiten, eine Sache zu sehen.

Was bleibt rückblickend?

Es war spannend, in diese Welt hineinzusehen. Ich habe viel gelernt, wurde aber auch sehr verletzt. Ich hoffe, das nie wieder erleben zu müssen. Wenn doch, würde ich früher auf ein persönliches Gespräch in Zürich pochen. Ich bin überzeugt, dass das noch immer am meisten bringt.

Und jetzt wird gefeiert?

Nach dem Besuch auf dem Grundbuchamt vielleicht. Nun bin einfach froh, dass alles vorbei ist und ich wieder meinen gewohnten Rhythmus habe. Nun kann ich wieder mit den Pferden unterwegs oder im Garten sein.

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