Das Rezept gegen ein Stadiondebakel

Erneut ein dreistelliger Millionenbetrag aus der Stadtkasse für ein Stadion? Warum die Argumente, die den neuen Hardturm zu Fall brachten, diesmal kaum ziehen dürften.

Das Projekt für ein neues Fussballstadion im Hardturm (links) fand an der Urne keine Gnade. Jetzt kommt es zur Abstimmung über ein Eishockeystadion. Visualisierungen: PD

Das Projekt für ein neues Fussballstadion im Hardturm (links) fand an der Urne keine Gnade. Jetzt kommt es zur Abstimmung über ein Eishockeystadion. Visualisierungen: PD

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Es wirkt auf den ersten Blick wie die Wiederaufführung eines bekannten Dramas: Erneut sitzen vier Zürcher Stadträte mit dem Chef eines Sportvereins vor den Medien. Erneut machen sie gemeinsam Werbung für einen Stadionneubau, von dem sie sich auf ganzer Linie überzeugt zeigen. Und wieder geht es darum, diesen auch den Zürcher Stimmberechtigten schmackhaft zu machen. Der einzige offensichtliche Unterschied: Beim letzten Mal ging es um ein neues Fussballstadion im Hardturm – jenes Projekt, das dann im Sommer 2013 an der Urne scheiterte. Diesmal geht es um ein neues Eishockeystadion in Altstetten.

Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass die Unterschiede viel weiter reichen. Und vor allem: dass sie genau jene Kritikpunkte betreffen, die dem Fussballstadion zum Verhängnis wurden. Damals entzündete sich der Ärger zuallererst an der Tatsache, dass sich die Fussballclubs finanziell am Bau nicht beteiligten. Zweitens hiess es, der Bau sei zu teuer und koste die Steuerzahler zu viel. Drittens seien auch die Betriebskosten zu hoch, die später jedes Jahr fällig würden. Und viertens habe die Stadt Zürich bereits ein Stadion, das danach kaum mehr genutzt würde.

  • Zu Kritikpunkt 1: Anders als der FC Zürich und GC im Fall des Fussballstadions haben die ZSC Lions private Investoren vorzuweisen, die einen substanziellen Teil der Baukosten übernehmen. 30 Millionen Franken insgesamt kommen von Autoimporteur Walter Frey, dem Verwaltungsratspräsidenten der Lions, von Eisenbahnbauer Peter Spuhler und von der Swiss Life, deren Verwaltungsratspräsident Rolf Dörig auch im Verwaltungsrat der Lions sitzt. Hinzu kommen weitere 6 Millionen Franken, die in den Stadionbetrieb fliessen. Der FC Zürich und GC hingegen wollten sich seinerzeit nur mit 5 Millionen an der Betriebsgesellschaft des Stadions beteiligen.
  • Zu Kritikpunkt 2: Wie beim Fussballstadion müssen die Stimmberechtigten auch im Fall des Eishockeystadions darüber abstimmen, einen dreistelligen Millionenbetrag aus der Stadtkasse für den Bau bereitzustellen. Allerdings handelt es sich bei den diesmal fälligen 120 Millionen Franken nur um ein Darlehen – also um Geld, das der Eishockeyclub ZSC Lions in den Folgejahren zurückzahlen muss, in Tranchen von mindestens 2 Millionen Franken pro Jahr. Hinzu kommt, dass der geforderte Betrag deutlich tiefer ist als die 216 Millionen, die seinerzeit ins Fussballstadion geflossen wären.

  • Zu Kritikpunkt 3: Die Stadt würde zwar auch im Fall des Eishockeystadions nach dem Bau einen Betriebsbeitrag von jährlich 2 Millionen Franken zahlen. Das ist aber deutlich weniger als die bis zu 8,3 Millionen, die fürs Fussballstadion fällig geworden wären. Die Verantwortlichen der ZSC Lions betonen noch etwas anderes: In ihrem Fall fliesst der Beitrag der Stadt nicht in eine Betriebsgesellschaft, von der man nicht weiss, wofür sie die Mittel genau verwendet, sondern in eine Immobiliengesellschaft. Mit anderen Worten: Es ist eine Investition in den Erhalt des Stadions.

  • Zu Kritikpunkt 4: Ein Auszug der Fussballer aus dem Letzigrund hätte bedeutet, dass die Stadt neue Nutzer für dieses Stadion hätte suchen müssen. Für ein Stadion, dessen Betrieb sie etwa 9 Millionen Franken im Jahr kostet. Wenn hingegen die Eishockeyspieler das Hallenstadion verlassen, ist das zu verschmerzen für ein Gebäude, das schon jetzt fast permanent belegt ist von Konzert- und anderen Veranstaltern. Die gute Auslastung ist ja der Hauptgrund, weshalb die ZSC Lions ein neues Zuhause suchen. Zudem ist das Hallenstadion in den Händen einer AG, die Stadt zahlt für seinen Betrieb also nichts.

Und dann gibt es noch einen weiteren Punkt, der unter den Verantwortlichen dieses Mal für mehr Zuversicht sorgt: Während die Zürcher Fussballfans mit ihrem Verhalten immer wieder für Negativschlagzeilen sorgen und der Stadionvorlage damit einen Bärendienst erwiesen, dürfen die Eishockeyfans mit mehr Wohlwollen in der Bevölkerung zählen. Denn von gewalttätigen Eishockey-Hooligans hörte man in jüngerer Vergangenheit vergleichsweise wenig.

Eine offene Frage bleibt allerdings, ob die hartgesottenen Fans der ZSC Lions, die mit dem Hallenstadion verbunden sind, sich überhaupt von Oerlikon nach Altstetten umquartieren lassen wollen. Als es nämlich ums neue Fussballstadion ging, kam einiger Widerstand aus dem Lager des FC Zürich, dessen Fans an ihrem Letzigrund hängen.

Erstellt: 16.09.2015, 16:41 Uhr

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