Die SVP ist in urbanen Gebieten nicht mehr gefragt

Verheerend fällt das Fazit für die rechte Volkspartei bei den Parlamentswahlen im Kanton Zürich aus.

25 Sitze verloren: Die Bilanz der SVP ist verheerend. Bild: Keystone

25 Sitze verloren: Die Bilanz der SVP ist verheerend. Bild: Keystone

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Die SVP hat an den beiden Zürcher Superwahltagen im März und am vergangenen Sonntag in den Parlamentsgemeinden ein Massaker erlebt. In Winterthur und Illnau-Effretikon ist sie ganz aus der Regierung geflogen. In Opfikon ist sie nur auf dem Papier drin, weil ein SVP-Mann gewählt wurde, der von der Partei nicht unterstützt wurde. In Wädenswil stand sie nur wenige Stimmen vor dem Rauswurf. Insgesamt hat die SVP elf Sitze weniger in den Stadtexekutiven als vor vier Jahren. Die Agglo hat sich politisch der Stadt Zürich angenähert, deren Wählerschaft seit Dekaden keinem SVP-Politiker mehr vertraut, wenn es um den Einsitz in die Stadtregierung geht.

Genauso verheerend ist die Bilanz der SVP in den Parlamenten: In keiner Stadt hat sie zugelegt, in zehn der zwölf Wahlen hat sie Sitze verloren. Insgesamt hat sie jeden sechsten Sitz eingebüsst. Anders ausgedrückt: Von 150 hat sie 25 Sitze verloren und kommt noch auf 125. Damit ist der SVP auch die Vorherrschaft abhandengekommen, die sie Anfang des ­Jahrtausends erobert hatte.

Das muss den Parteichefs Sorgen bereiten. Denn erstens ist der Kanton Zürich die Wiege der modernen SVP. Und zweitens ist er der Trendsetter. ­Bestätigt sich diese Abwärtsspirale, verliert die SVP in einem Jahr die Zürcher Kantonsratswahlen. Und sechs Monate später die nationalen Wahlen. Der Grund für den SVP-Rückschlag liegt auch in ihrem Erfolg. Bei den letzten Nationalratswahlen triumphierte sie. Nun kommt das Korrektiv des Wahlvolks. Es ist eben nicht nur der No-Billag-Effekt, der vor sechs Wochen so gerne als Grund für das Wahldebakel in der Stadt Zürich angegeben worden war. Im Kanton Zürich ist die Talfahrt flächendeckend.

SP überflügelt die SVP

Stärkste Partei in den Zürcher Parlamenten ist neu die SP. Die Sozialdemokraten haben insgesamt 16 Sitze dazugewonnen und kommen nun auf 141 Sitze. Was den SP-Strategen wohl am meisten gefällt, ist die gleichmässige Verteilung ihrer Gewinne. Die SP hat nicht nur in ihren Hochburgen Zürich und Winterthur dazugewonnen, sondern in elf von zwölf Parlamentsgemeinden. Nur in Adliswil blieb es beim Status quo – dort gewann die SP dafür einen Stadtratssitz. Noch besser kommt es für die Linke, wenn man die Grünen und die Alternative Liste dazuzählt. Die Grünen machten 9 Sitze vorwärts, die AL einen. Macht zusammen plus 26 Sitze für Links-Grün.

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Allzu überschwänglich sollte die SP dennoch nicht werden. Denn sie hatte in den letzten beiden Wahlgängen kantonsweit 18 Sitze verloren und war 2010 und 2014 Wahlverliererin. Sie steht unter dem Strich also gar etwas schlechter da als vor zwölf Jahren. Erfreulich für die aktuellen Überflieger sind dennoch auch die Exekutivwahlen. Zwar hat die SP in Zürich nach dem kurzfristigen Rücktritt von Claudia Nielsen einen Sitz verloren und misslang der SP-Angriff auf das Stadtpräsidium in Winterthur. Doch mit Christa Meier hat die SP vor sechs Wochen immerhin die bürgerliche Mehrheit der zweitgrössten Stadt geknackt.


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Und mit Barbara Thalmann eroberte die Sozialdemokratie erst zum zweiten Mal in der Geschichte der drittgrössten Stadt, nämlich Usters, das Stadtpräsidium. Versüsst wird dieser Erfolg aus linker Sicht damit, dass in der Hauptstadt des Zürcher Oberlands erstmals Rot-Grün den Stadtrat beherrscht – weil die Grüne Karin Fehr Thoma das Duell gegen SVP-Kandidatin Anita Borer gewann. Der Wermutstropfen für die SP: In Dübendorf – der viertgrössten Stadt – gelang es ihr zum sechsten Mal nicht, in die Exekutive einzuziehen.

EVP überholt CVP

Drittgrösste Kraft bleibt die FDP mit insgesamt 89 Parlamentssitzen. Sie verzeichnet 4 Sitzgewinne, wobei die 13. und letzte Parlamentswahl, jene in Wetzikon, noch aussteht. Dennoch hat der Freisinn die Talsohle nach einer jahrzehntelangen Durststrecke endgültig durchschritten. In den Exekutiven ist er nach wie vor gut vertreten. Ein Problem sind die Stadtpräsidien. Die FDP hat bis dato kein einziges Präsidium erobert. Immerhin hat sie in Adliswil und Opfikon noch einmal die Chance dazu.

Wie erging es der politischen Mitte? Die CVP gehört wie in vielen Kantonen zu den Verlierern. Vor allem der Rauswurf aus dem Zürcher Stadtparlament fällt ins Gewicht. Es resultierten insgesamt 10 Sitzverluste. Damit kommt die CVP noch auf 33 Sitze. Das sind sogar weniger als die 34 Sitze der erstarkten EVP. Trösten muss sich die CVP mit zusätzlichen Stadtratssitzen in Dietikon und Wädenswil. Die Grün­liberalen konnten in den Parlamenten (plus 5 Sitze) und neuerdings in Zürich, Schlieren und Illnau-Effretikon in den Exekutiven punkten. Die BDP wiederum verliert auf tiefem Niveau.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.04.2018, 23:05 Uhr

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