Die SVP sucht einen neuen «Pudi»

Patrick Walder musste – von Blochers Gnaden – auf die Schnelle die SVP stabilisieren. Nun hat die Partei erneut verloren. Wer will sein Präsidentenamt?

Patrick Walder hat seinen Job als SVP-Interimspräsident erfüllt, jetzt möchte er wieder als Treuhänder arbeiten. Foto: Michele Limina

Patrick Walder hat seinen Job als SVP-Interimspräsident erfüllt, jetzt möchte er wieder als Treuhänder arbeiten. Foto: Michele Limina

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Nach dem grossen Wahltag war der Montag im Kantonsrat eine Mischung aus Abdankungsfeier und verlängerter Party. Sechs Kantonsrätinnen und ein Kantonsrat schafften die Wahl nach Bern. Die 27-­jährige Grüne Meret Schneider war von ihrem Erfolg derart überwältigt, dass sie es bis zum Mittag nicht in den Rat schaffte.

Hauptthema auf der SVP-Seite: Wer soll nach der Wahlniederlage – minus 4 Prozent, minus 2 Sitze – neuer Parteipräsident werden. Der 32-jährige Treuhänder Patrick «Pudi» Walder aus Dübendorf wurde nach der Klatsche bei den Kantonsratswahlen im Frühling und einem deutlichen Fingerzeig von Christoph Blocher als neuer Interimspräsident eingesetzt. Er löste den glücklosen Bip-Bauern Konrad Langhart ab. Pudis Interregnum ist mit den Nationalratswahlen zu Ende gegangen. Er hatte die Partei straff und markant geführt, war omnipräsent und konnte die Verluste von 5,56 auf 4 Prozent reduzieren. Walder allerdings ist Treuhänder von Beruf, verdient sein Geld vor allem Ende Jahr mit Steuererklärungen und müsste, würde er sein Ehrenamt weiter rund um die Uhr ausüben, bald von Brot und Wasser leben. Zudem ist er weder National- noch Kantonsrat, muss also mit grossem Zeitaufwand Fraktionssitzungen besuchen und sich in die Geschäfte einlesen. «Ich reisse mich nicht weiter um das Amt», sagte Walder gestern.

Präsident der Findungskommission ist Nationalrat und Ex-Präsident Alfred Heer. «Der oder die Neue sollte mit Vorteil National- oder Kantonsrat sein», sagt Heer. «Vor allem aber muss er gut sein und den Job für die Partei und nicht für sich selber ausführen.» Das Handicap eines SVP-Präsidenten: Er bekommt weder einen Lohn noch Spesen, höchstens Ende Jahr einen warmen Händedruck, viel eher aber einen Zusammenschiss.

Lauter Absagen

Eine kleine Umfrage zeigt, dass sich bei der SVP kaum jemand um Pudis Nachfolge reisst. Der schon öffentlich gehandelte Kantonsrat René Truninger sagt ebenso Nein wie Fraktionschef Martin Hübscher. Bei den Nationalräten sagen auch Martin Haab, Hans-Ueli Vogt und Therese Schläpfer ab, Banker Thomas Matter und Unternehmer Gregor Rutz haben sich schon mehrfach geziert, und Roger Köppel als dienenden Parteipräsidenten kann man sich schlecht vorstellen. Barbara Steinemann sagt «eher Nein», und Mauro Tuena, der aktuell Zürcher Stadtparteipräsident ist, sagt: «Jetzt soll die Findungskommission arbeiten.» Ein möglicher Präsident wäre Claudio Zanetti gewesen, doch der hat nach der Abwahl ein Verlierer-Image.

Und wer rutscht nach?

Die Wahl von Céline Widmer (SP) in den Nationalrat hat Implikationen für den Kantonsrat. Als Präsidentin der Finanzkommission, die das 15-Milliarden-Budget im Dezember durch den Rat bringen muss, wäre sie in Zürich gefordert. «Wenn möglich und zeitlich mit dem Nationalrat vereinbar, möchte ich das Budget noch durchziehen», sagt sie. Ihre Nachfolgerin im Rat ist Nicola Yuste. Die anderen sechs, die in den Nationalrat gewählt wurden, treten baldmöglichst zurück: Corina Gredig (GLP) wird von Architektin Nathalie Aeschbacher abgelöst, Jörg Mäder (GLP) von Melissa Näf (politische Analystin, Bassersdorf), Physikerin Barbara Schaffner (GLP) von Mathematikerin Karin Joss aus Dällikon, Judith Bellaiche (GLP) von Projektleiter Gabriel Mäder, Adliswil, Marionna Schlatter von Medizinstudent Benjamin Walder, Wetzikon, und Meret Schneider voraussichtlich von Umweltingenieur Thomas Honegger aus Greifensee.

Erstellt: 22.10.2019, 09:05 Uhr

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