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Die Todesengel von der Post

Martin Farner wehrt sich für die Poststelle in seinem Dorf.

«Ich weiss, was es heisst, an den richtigen Schrauben zu drehen», sagt der Gemeindepräsident von Oberstammheim, einem Bilderbuchdorf im Zürcher Weinland. Anscheinend hat Martin Farner die richtige Schraube gefunden, um die Poststelle im Ort zu behalten.

Das geht so: Für die Post-Verantwortlichen ist Farner nicht zu sprechen. Wenn sie sich bei ihm anmelden wollen, um die angedrohte Schliessung der Poststelle zu diskutieren, schweigt er. Damit gibt es keinen Gesprächstermin, und ohne Gesprächstermin keine Schliessung. Das wiederholt sich so alle drei Wochen. Im «Blick» sagte gestern ein anderer Gemeindepräsident, es sei richtig und wichtig, dass sich Farner den angekündigten «Beerdigungsgesprächen» mit den «Todesengeln» von der Post verweigere. Bisher war Farner mit seiner Methode erfolgreich. Die Schalter sind nach wie vor offen für die 1200 Einwohner von Oberstammheim und für die übrigen 5000 Bewohner des Stammertals. Die Poststelle liegt vis-à-vis des Altersheims und des Landgasthofs zum Schwert. Auf der Abschussliste der Post steht die Niederlassung Oberstammheim seit dem letzten Mai. Sie soll, wie 458 andere in der Schweiz, «aus wirtschaftlichen Gründen» geschlossen werden.

Das Argument ist für Farner nicht haltbar. Die Post sei immer gut frequentiert.

Das Argument ist für Farner nicht haltbar. Die Post sei immer gut frequentiert. Dazu kommt: Nach flächendeckenden Protesten gegen flächendeckende Poststellenschliessungen hatte Post-Ministerin Doris Leuthard im September eine Arbeitsgruppe einberufen, die «Lösungen» erarbeiten soll. «Bevor diese Kommission ihre Arbeit abgeschlossen hat, darf die Post den Abbau nicht vorantreiben», sagt Farner. Es ist für ihn «einfach unglaublich, wie die Post nach wie vor wie mit dem Panzer einfährt, um Poststellen flach zu machen».

Die Rolle des rettenden Ritters im Dienst des Service public ist dem 54-jährigen «König von Oberstammheim» nicht auf den Leib geschrieben. Farner ist Mitglied der FDP, für die er auch im Zürcher Kantonsrat politisiert. Als Freisin­niger wirbt er mit dem Slogan: «Alte Zöpfe hau ich ab!» Stramm im Einklang mit dem Partei­programm will er Steuern senken, Bürokratie abbauen, Staatsausgaben einfrieren, beim Verkehr die Kostenwahrheit einführen. Aber eben: Zur Kostenwahrheit gehört für ihn auch, dass die Post genau vorrechnet, warum ausgerechnet in seiner Gemeinde die Nieder­lassung Defizite verursachen soll.

Dass Farner alte Zöpfe durchaus abzuschneiden bereit ist, zeigt sich anderswo: Nach dem Volksentscheid für eine Fusion gibt er sich federführend beim Zusammenschluss von Waltalingen, Unter- und Oberstammheim. Am 1. Januar 2019 wird die Einheitsgemeinde Stammheim entstehen. Wenn es nach Farner und nach seinem fein justierten politischen Instinkt geht, hat die neue Gemeinde eines auf sicher: eine Post.

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