Die Wahl eines Ungeliebten

Soll ein angeblich unfähiger Schulpräsident im Kanton Zürich auch noch Richter sein? Der Kantonsrat entscheidet diese Frage mit einem Ja – und gibt doch keine klare Antwort.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein Unglück kommt selten allein. Das galt gestern auch für den grünen Baurekursrichter Felix Müller . Er steht in Winterthur seit Wochen am Pranger wegen angeblicher Arroganz und Unfähigkeit als Schulpräsident im Stadtteil Töss und Altstadt. Selbst seine eigene Partei hat Müller in der Stadt Winterthur fallen lassen.

Gestern im Zürcher Rathaus holten Müller die Schatten aus Winterthur ein, denn er wollte sich für eine zweite 6-jährige Amtszeit ans Baurekursgericht wählen lassen. Bis vor kurzem schien alles seinen gewohnten Lauf zu nehmen. Die Interfraktionelle Konferenz (IFK) empfahl Müller einstimmig zur Wiederwahl, obwohl sie von den Querelen in Winterthur gehört hatte. Schliesslich hatte Müllers Arbeit im Gericht nie Anlass zu Kritik gegeben. Doch in den letzten Tagen hat IFK-Präsident Marcel Lenggenhager (BDP) Telefone und Briefe aus Winterthur erhalten. Inhalt: Wählt Müller nicht zum Richter, der kann das nicht. Gestern Morgen stand SVP-Kantonsrat Peter Uhlmann aus Dinhard als Erster auf und erklärte: «Wer nicht führen kann, muss gehen.» Dann folgte Prisca Koller (FDP) aus Hettlingen. Sie wolle ein Zeichen setzen, «immerhin soll Müller auch noch Präsident des Baurekursgerichtes werden». Support gabs am Ende nur von Esther Guyer. Die Hatz gegen Müller erinnere sie an die Hatz gegen die Kesb, sagte die Fraktionschefin der Grünen: «Was Sie hier aufführen, ist staatspolitisch bedenklich.» Müller kassierte die verbalen Prügel nicht persönlich. Auf Empfehlung von Guyer ist er gestern zu Hause geblieben. Wie gross das Misstrauen ist, zeigte das Wahlresultat: Von 166 möglichen Stimmen erhielt Müller nur gerade 75. Zur Wahl reichten sie trotzdem, denn einen Gegenkandidaten hatten seine Kritiker nicht gefunden. Müller war nicht der einzige Kandidat, der im Rathaus nicht genehm war. Auch Raumplaner Andreas Madianos, Gärtnerin Beatrice Bosshard (beide SP) und Forstingenieur Cosmas Savary (AL) wollten einige SVPler und andere Bürgerlichen nicht im Baurekursgericht. Worauf die Linken die SVP-nahe Bäuerin Ruth Büchi aus Hofstetten zur Persona non grata erklärten. Doch auch für diese vier galt: keine Gegenkandidaten, also doch gewählt.

*

In einen Fettnapf ist am Samstag noch eine andere Winterthurerin getreten: SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr. In einem Zeitungsinterview hatte sie den Gemeinderäten von Ober- und Unterstammheim «Erbsenzählerei» vorgeworfen. Diese Behörden habensich aus finanziellen Gründen gegen die grosse Gemeindefusion im Stammertal ausgesprochen. Martin Farner (FDP), Gemeindepräsident von Oberstammheim, ist sich sicher: «Das war kontraproduktiv.» Wenn eine Sozialdemokratin aus der Stadt eine Fusion auf dem Land wolle, sollte sie nicht deren bürgerlichen Gemeinderäten an den Karren fahren.

*

Noch kein Jahr ist es her, da ist Sicherheitspolizist Heinz Beusch , der am Eingang des Rathauses die Besucher durchleuchtet hat, in Pension gegangen ist. Gestern ist ihm seine Kollegin Jolanda Bosshard in den Ruhestand gefolgt – oder besser in den Vorruhestand, wie sie an ihrem letzten Tag am Check-in des Rathauses betonte. Der Abschied fällt der jung gebliebenen Polizistin nicht leicht. «Hier habe ich jeden Montag viel Wertschätzung erhalten», sagt sie und fügt politisch neutral an: «Und zwar von links wie von rechts.» Doch einen Nachteil hatte der Job im Rathaus: Ferien konnte sie mit ihrem Mann immer nur in den Schulferien machen, wenn alle anderen auch wegfahren. Das wird sich ab sofort ändern. Von Ratspräsidentin und Kantonspolizistin Karin Egli hat sie zum Andenken Blumen und einen Stich des Rathauses, vom Plenum lang anhaltenden Applaus erhalten.

Erstellt: 26.06.2017, 23:22 Uhr

Felix Müller

Peter Uhlmann

Artikel zum Thema

Weber ist höchste, Guyer einflussreichste Zürcherin

Die Konstituierung des Parlaments war ein festlicher Tag – trotz Intrigen, Retourkutschen und Ränkespielen. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Grosser Sammelspass für die ganze Familie

Perfekt für kalte Wintertage: Bei jedem Einkauf Marken sammeln und gegen exklusive «Disney Winterzauber»-Prämien von Coop eintauschen!

Kommentare

Blogs

Mamablog Was Eltern über Tik Tok wissen müssen

Geldblog Warum hohe Dividenden nie garantiert sind

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Die Kunst des Überlebens: In der Royal Academy of Arts in London schwimmen 50 Ohrenquallen als Teil einer Kunstinstallation in ihrem Aquarium. Die Meerestiere sind einige der wenigen, die vom Klimawandel profitieren. (20. November 2019)
(Bild: Hollie Adams/Getty Images) Mehr...