Die Walretter aus Wädenswil

Die am Zürichsee ansässige Organisation Ocean Care will mit einer neuen Technik Wale vor der Kollision mit Schiffen bewahren.

Pottwale im Mittelmeer: Die grösste Bedrohung für Meeresbewohner sind Kollisionen mit Frachtschiffen.

Pottwale im Mittelmeer: Die grösste Bedrohung für Meeresbewohner sind Kollisionen mit Frachtschiffen. Bild: Keystone

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Sie sind bis zu 20 Meter lang und können über 50 Tonnen wiegen. Doch trotz dieser physischen Überlegenheit sind Pottwale einer ständigen Bedrohung ausgesetzt. «Der Plastikmüll in den Meeren und die intensive Lärmverschmutzung durch den Schiffsverkehr setzen den Tieren enorm zu», sagt Sigrid Lüber, Präsidentin der Umweltschutzorganisation Ocean Care, die ihren Hauptsitz in Wädenswil hat.

Gerade im Mittelmeer stelle jedoch die Kollision mit grossen Frachtschiffen die grösste Bedrohung für Pottwale dar, so Lüber. Aufgrund des Tempos und der hohen Frequenz des heutigen Schiffsverkehrs können die Pottwale die Frachter nur schlecht orten und schaffen es oftmals nicht, schnell genug abzutauchen, um den Schiffsschrauben aus dem Weg zu gehen.

Kursänderung dank Frühwarnung

Da die Population von rund 200 Tieren, die in der Gegend des Hellenischen Tiefseegrabens beim Peloponnes und bei Kreta angesiedelt sind, vom Aussterben bedroht ist, hat Ocean Care zu seinem 30-jährigen Bestehen eine Schutzinitiative lanciert, die den Zusammenprall von Schiffen und Walen verhindern soll.

«Aufgrund der Klicklaute, die Pottwale zur Orientierung unter Wasser ständig von sich geben, können die Tiere genau geortet und ihre Route bestimmt werden.»Sigrid Lüber,
Präsidentin Ocean Care

Meeresbiologen, Mathematiker und Informatiker aus ganz Europa haben sich im Rahmen des Projekts «Save Whales» – also «Rettet die Wale» – zusammengetan, um ein automatisches Warnsystem zu entwickeln, das zum Schutz der genetisch einzigartigen Pottwale des Mittelmeers beitragen soll. «Aufgrund der Klicklaute, welche Pottwale zur Orientierung unter Wasser ständig von sich geben, können die Tiere genau geortet und ihre Route bestimmt werden», sagt Sigrid Lüber.

Die Signale, welche von drei Bojen an verschiedenen Orten im Hellenischen Graben aufgezeichnet werden, sollen dann mittels Funk an die knapp 30'000 Schiffe gesendet werden, die jährlich den Lebensraum der Pottwale im Mittelmeer kreuzen. «Durch die frühe Warnung können die Kapitäne den Kurs noch rechtzeitig ändern und so eine Kollision vermeiden», sagt Lüber. Der Schiffsverkehr sollte weder durch die Bojen noch durch die leichten Kursänderungen behindert werden. Daher rechnet Lüber auch nicht mit grossem Widerstand gegen das Projekt.

Kooperation der Kapitäne erforderlich

Mehrkosten würden durch die Warnsysteme für die Schifffahrtsgesellschaften ebenfalls nicht entstehen, sagt Lüber. Es brauche einzig die Bereitschaft, einen weiteren Radiokanal offenzuhalten, der die Signale der Bojen überträgt, damit das System effektiv funktioniert. «Wir sind derzeit daran, die Sensibilität für die Problematik zu fördern, und sind optimistisch, dass die Kapitäne mit uns zusammenarbeiten, da sie auch daran interessiert sind, Kollisionen mit den grossen Tieren zu verhindern.»

Ebenfalls arbeitet Ocean Care mit Hochdruck daran, eine Bewilligung für die Installation der drei Bojen zu bekommen. Da die Bojen auch wichtige Informationen über den Lebensraum der Pottwale und die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf das Fortbestehen der Population liefern können, sollte dies jedoch kein Hindernis darstellen.

Eine Erbschaft macht es möglich

Die Kosten des langjährig angelegten Projekts, das in diesem Sommer offiziell gestartet ist, belaufen sich auf rund 500'000 Franken. «Eine unvorhergesehene Erbschaft finanziert die erste Entwicklungsphase», sagt Sigrid Lüber. «Für die Umsetzung und Implementierung sind wir aber dringend auf Spenden angewiesen.»

«Das Warnsystem könnte in Zukunft auch für andere Arten programmiert und eingesetzt werden.»Sigrid Lüber,
Präsidentin Ocean Care

Laut Lüber ist «Save Whales» ein spezielles Projekt, welches zusätzlich zu den anderen Aktionen der Organisation von Ocean Care durchgeführt wird. «Zu unserem Jubiläum wollten wir ein besonderes Projekt lancieren, das sowohl dem Schutz der Wale als auch der Wissenschaft zugutekommt und ein messbares Resultat erzeugt», sagt Lüber, welche Ocean Care vor 30 Jahren mit dem Ziel gegründet hat, die Ozeane und deren Bewohner zu schützen. Für die Pottwale habe man sich entschieden, weil diese Tiere im dicht befahrenen Mittelmeer besonders unter Druck seien.

Derzeit sind die Wissenschaftler dabei, die komplexen Systeme zu programmieren, damit die Bojen spätestens 2022 in Betrieb genommen werden können. Da alle Meeressäuger unterschiedlich kommunizieren, können die Warnsysteme vorerst nur für die Erkennung von Pottwalen verwendet werden. «In Zukunft könnte das System aber auch für andere Arten programmiert und eingesetzt werden», sagt Lüber.

Erstellt: 06.08.2019, 15:31 Uhr

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