Überstunden von Zürcher Lehrern: Kantonsrat will keine Studie

Viele Lehrer klagen über die hohe Arbeitsbelastung. Die tatsächlich geleisteten Stunden sind aber unbekannt.

Wie viele Überstunden Zürcher Lehrkräfte tatsächlich leisten, ist unklar: Ein Lehrer hilft in der Schule Bungertwies einem Schüler.

Wie viele Überstunden Zürcher Lehrkräfte tatsächlich leisten, ist unklar: Ein Lehrer hilft in der Schule Bungertwies einem Schüler. Bild: Gaëtan Bally/Keystone

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Überlastung, Burnouts, Überstunden: Viele Zürcher Lehrerinnen und Lehrer kritisieren ihre Arbeitsbelastung. Wie viele Stunden sie tatsächlich arbeiten, ist aber nicht bekannt. Bis auf Weiteres werden die Stunden auch nicht seriös erhoben.

Der Kantonsrat hat am Montag ein Postulat von GLP und SP mit 95 Nein zu 75 Ja bei 1 Enthaltung abgelehnt. Der Vorstoss forderte, dass eine unabhängige Studie die tatsächlichen Arbeitszeiten der Lehrkräfte auf allen Stufen erheben sollte.

«Wir müssen endlich wissen, wie viel unsere Lehrkräfte arbeiten.»Christoph Ziegler, GLP

«Wir müssen endlich wissen, wie viel unsere Lehrkräfte arbeiten», sagte Christoph Ziegler (GLP, Elgg). Er ist selber als Lehrer tätig. Sonst würden die Diskussionen nie aufhören. Bisherige Studien würden auf Selbstdeklaration beruhen und deshalb «nicht ernst genommen.»

Diese Studien, die Ziegler ansprach, ergaben pro Lehrerin und Lehrer einen Überstundenberg von rund 240 Stunden pro Jahr.

Auch für die SP sind «verlässliche Zahlen die Grundlage für weitere politische Diskussionen.» Die heutigen bildungspolitischen Entscheidungen würden deshalb auf schwachen Grundlagen stehen, sagte Monika Wicki (Zürich). Nach Ansicht der EVP würde eine seriöse Stundenerhebung auch Vorurteile wie «Lehrer schieben eine ruhige Kugel» versachlichen.

SVP: Studie wäre zu aufwändig

SVP, FDP, CVP und vereinzelte Grüne waren jedoch anderer Meinung. Es brauche nicht zwingend eine weitere Studie, sagte Karin Fehr (Grüne, Uster). «Was fehlt, sind die Schlüsse, die man daraus zieht.»

Die FDP wiederum befürchtete «eine riesige Übungsanlage», wie Barbara Franzen (Niederweningen) sagte, die im Vorstand des Verbandes Zürcher Schulpräsidien sitzt. Für objektive Daten müssten die Arbeitszeiten begleitet erfasst werden.

«Selbstdeklaration reicht da nicht.» Das habe aber nichts mit Misstrauen zu tun. Administration ist für die SVP einer der Hauptgründe, weshalb viele Lehrerinnen und Lehrer überlastet sind. Nun weiteren Aufwand anzuzetteln, ist für Rochus Burtscher (Dietikon) deshalb der falsche Weg. Eine solche Studie würde seiner Ansicht nach auch inhaltlich nichts bringen. Bei zu vielen Überstunden würden neue Forderungen gestellt. Bei wenig Überstunden würden die Gewerkschaften einfach die Studie in Zweifel ziehen.

Neuer Berufsauftrag wird ausgewertet

Die Bürgerlichen setzten sich schliesslich mit vereinzelten Stimmen der Grünen durch. Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) war ebenfalls gegen die Arbeitszeiterhebung. Bald stehe die Evaluation des neuen Bildungsauftrages an. Eine weitere Erhebung sei unnötig.

Seit dem Schuljahr 2017/18 gilt für die Lehrerinnen und Lehrer der neue Berufsauftrag. Ihr Arbeitspensum wird seither als Jahresarbeitszeit festgelegt, was vor Überlastung schützen soll.

Der Berufsauftrag erfasst nicht nur die Lektionen im Schulzimmer, sondern alle anderen Tätigkeiten auch, von der Vorbereitung bis zum Sporttag. Viele Lehrpersonen kritisieren jedoch, dass die vom Kanton berechnete Zeit bei Weitem nicht ausreiche und trotzdem Überstunden gemacht werden müssten. (hwe/sda)

Erstellt: 16.09.2019, 11:00 Uhr

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