Die Zürcher Obstbauern müssen zittern

In der Nacht sind die Temperaturen derzeit frostig. Welche Pflanzen jetzt gefährdet sind – und was die Bauern fürchten.

Flammen gegen den Frost: Der Bauer Andres Wegmann setzte 2017 Kerzen ein, um seine Obstbäume zu schützen.

Flammen gegen den Frost: Der Bauer Andres Wegmann setzte 2017 Kerzen ein, um seine Obstbäume zu schützen. Bild: Doris Fanconi

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Für Zürcher Obstbauern sind es sorgenvolle Tage: Das erste Mai-Wochenende hat nicht nur Schnee, sondern auch verbreitet Frost gebracht. In der Nacht auf Montag fielen die Temperaturen im ganzen Mittelland unter den Gefrierpunkt, am Zürcher Flughafen zeigte das Thermometer laut Meteonews knapp über dem Boden minus 4,9 Grad.

«Die Blüten und jungen Früchte sind empfindlich und vertragen die Kälte nur schlecht», sagt Hagen Thoss von der Abteilung Obstbau am Strickhof, dem landwirtschaftlichen Kompetenzzentrum des Kantons Zürich. «Ein, maximal zwei Grad unter Null stecken sie weg, alles darunter ist heikel.»

Vegetation im Vorsprung

Zu den Schäden, die in der Nacht auf Montag bereits entstanden sind, kann Thoss noch nichts sagen. Diese könnten erst in den kommenden Tagen abgeschätzt werden. Die Situation sei aber in mancher Hinsicht mit 2017 vergleichbar, als die Zürcher Obstbauern rund die Hälfte ihrer Aprikosen, Kirschen und Zwetschgen verloren. Denn wie damals habe die Vegetation auch dieses Jahr aufgrund der hohen Temperaturen im März etwa zwei Wochen früher als im Durchschnitt aufgeblüht.

Die Gefahr ist noch nicht gebannt: Auch in der Nacht auf Dienstag ist noch einmal mit eisigen Temperaturen zu rechnen. «Wenn keine schützende Wolkendecke die Kälte abfedert, könnte es sogar noch kälter werden als in der vergangenen Nacht», sagt Thoss. Im Moment sieht es so aus. Sollten sich Ereignisse wie 2017 häufen, fürchte er um die Wirtschaftlichkeit der Obstproduktion im Kanton.

Schutzfolien und Frostkerzen

Am akutesten seien aktuell die Erdbeeren gefährdet. Sie wachsen nahe am Boden und damit dort, wo es am kältesten wird. Thoss empfiehlt den Bauern, die Erdbeeren mit Vlies abzudecken, wo nötig mit bis zu drei Lagen. So können die Pflanzen vor dem Bodenfrost geschützt werden.

Der Frost setzt aber nicht nur bodennahen Pflanzen zu. Wenn wie in der Nacht auf Montag auch der sogenannte Luftfrost auftritt, also Minustemperaturen auf zwei Meter Höhe, wird es auch für Obstbäume kritisch.

Video: Frostkerzen gegen die Kälte

Wie Landwirt Andres Wegmann 2017 seine Pflanzen gegen den Frost schützte. Video: Mario von Ow

Hier gibt es laut Thoss verschiedene Massnahmen. Die wohl spektakulärste sind die Frostkerzen aus Paraffin, die auch dieses Jahr Obstbäume vor der Kälte schützen sollen Allerdings seien sie insgesamt etwas aus der Mode gekommen. «Sie sind zwar für manche Kulturen die einzige Schutzmöglichkeit», sagt Thoss. «Aber sie haben zwei Nachteile: Sie sind teuer – und relativ ineffizient. Wo keine Schutzfolie die Wärmeenergie reflektieren kann, verpufft die Energie schnell.»

Wo vorhanden, könnten weiter Regen- und Hagelschutzfolien aufgespannt werden. Damit ergebe sich ein gewisses Wärmepolster. Die effizienteste Massnahme sei schliesslich eine Beregnung mit Wasser. Der Gefrierprozess an den Pflanzen setzt Energie in Form von Wärme frei. Allerdings seien solche Bewässerungsanlagen im Kanton nicht allzu verbreitet.

Die Eisheiligen stehen noch bevor

2017 mussten auch die Zürcher Weinbauern herbe Verluste einstecken, dieses Jahr sieht es für sie bisher besser aus: Laut Michael Gölles, Leiter Fachstelle Rebbau am Strickhof, seien bisher nur ganz vereinzelt Frostschäden aufgetreten. Ob es dabei bleibe, hänge von den Temperaturen in der Nacht auf Dienstag ab.

Obwohl es wieder wärmer werden soll, könnte bald weiteres Ungemach auf die Zürcher Bauern zukommen: Zu Frostbildung kann es noch bis Anfang Juni kommen. Und wenn die Eisheiligen ihrem Ruf gerecht werden, müssen die Bauern am kommenden Wochenende noch einmal einen Kälteeinbruch befürchten.

Erstellt: 06.05.2019, 17:33 Uhr

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