Die Zukunft ist beige

Der Zürcher Regierungsrat leistet sich zwei Wasserstoff-Fahrzeuge – die gibts noch nicht in magistralem Schwarz. Auch das Tankstellennetz lässt noch zu wünschen übrig.

Die neuen Dienstfahrzeuge des Kantons mit Wasserstoffantrieb fallen auf: Sie sind beige statt schwarz.

Die neuen Dienstfahrzeuge des Kantons mit Wasserstoffantrieb fallen auf: Sie sind beige statt schwarz. Bild: Urs Jaudas

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Nexo» heissen die beiden neusten Anschaffungen im Fahrzeugpark des Kantons Zürich. Die Dienstfahrzeuge, in denen Regierungsräte herumchauffiert werden, sind keine herkömmlichen Limousinen mit Dieselantrieb, sondern geräumige Personenwagen mit Wasserstoffantrieb. Damit will der Regierungsrat eine «Vorreiterrolle- und eine Vorbildfunktion» in Sachen saubere Fahrzeuge übernehmen, wie Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) am Freitag vor den Medien sagte.

Wasserstoffautos gibt es im Kanton Zürich erst wenige. 22 zugelassene Personenwagen weist das Strassenverkehrsamt Ende September aus. Sie machen bei einer Gesamtzahl von 721'500 Personenwagen einen Prozentsatz von 0,003 aus. Peter Kyburz, Geschäftsleiter des Strassenverkehrsamtes und zuständig für die Fahrzeuge des Regierungsrats, attestiert der Technologie aber ein grosses Entwicklungspotenzial. Und er sagt: «Wir haben noch keine Erfahrung mit Wasserstoffautos.»

Wasserstoffautos wandeln mit ihren Brennstoffzellen gespeicherten Wasserstoff und Luftsauerstoff in Wasser um. Die Energie, die dabei freigesetzt wird, treibt das Auto an. Wasserstoff wiederum wird aus Wasser mit dem Einsatz von viel Strom hergestellt. Einen Beitrag zum Klimaschutz leistet diese Art von Autos nur, wenn dieser Strom aus erneuerbaren Energien stammt. Der Vorteil gegenüber einem batteriebetriebenen Elektroauto: Das Wasserstoffauto ist in nur drei Minuten getankt. Zudem reicht eine Füllung für längere Distanzen von rund 650 Kilometern.

Zum Tanken nach Dübi

Die tiefe Zahl der Wasserstoffautos hat aber auch einen direkten Zusammenhang mit der Zahl der Tankstellen – in der ganzen Schweiz gibt es derzeit erst deren zwei. Eine davon – es ist die einzige im Kanton Zürich – befindet sich auf dem Gelände der Empa in Dübendorf. Der Strom für die Wasserstoffproduktion stammt aus Fotovoltaikanlagen. Die Regierungsratslimousinen werden vorderhand auch mit diesem Wasserstoff gefüllt werden, die Tankstelle ist jedoch nicht öffentlich. Dafür müsste man nach Hunzenschwil (AG) ausweichen.

«Wenn das Netz an Tankstellen grösser wird, erhoffen wir uns, dass mehr Wasserstoffautos angeschafft werden.»Mario Fehr, Sicherheitsdirektor

In diesem Bereich will der Kanton nun aber auch einen Beitrag leisten. Er plant den Bau einer Tankstelle für Wasserstoff und mit mehreren Elektro-Schnellladestationen beim Strassenverkehrsamt. Wann und wo auf dem Gelände diese gebaut wird, ist noch unklar. Die Sicherheitsdirektion hat bei der Immobilienverwaltung erst einen entsprechenden Antrag gestellt. Fehr sagt: «Wenn das Netz an Tankstellen grösser wird, erhoffen wir uns, dass mehr Wasserstoffautos angeschafft werden.» Der Bau einer Tankstelle kostet auf bestehendem Gelände 1,4 Millionen Franken – mit dem gleichen Geld könnten mehrere Hundert öffentliche Ladestationen gebaut werden.

Beige statt schwarz – und billiger

Der Kanton Zürich ersetzt mit den zwei Wasserstoff-Personenwagen zwei ältere benzin- und dieselbetriebene Autos aus der Flotte. Im Gegensatz zu den anderen Fahrzeugen der Flotte in schwarzer Farbe, sind die beiden Neuwagen beige – in der Schweiz ist das Modell der Marke Hyundai erst in dieser Farbe erhältlich. Hyundai produziert jährlich auch erst 2000 Wasserstoff-Fahrzeuge. Zusätzlich zur Grundausstattung wurden die Scheiben hinten getönt, denn in der Regel sitzen Regierungsräte auf der Rückbank und nutzen die Zeit zum Arbeiten. Fehr sagt: «Dieses Auto bietet zwar etwas weniger Platz, aber genügend, auch für grosse Leute wie mich.»

Der Kanton hat die Fahrzeuge für drei Jahre geleast. Bild: Urs Jaudas

Der Kanton hat die beiden Neuwagen nicht gekauft, sondern für drei Jahre geleast. Er will sich die Option offenlassen, später auf ein Modell mit neuerer Technologie umzusteigen. Mit einem Anschaffungspreis von 85'000 Franken ist der Nexo etwas billiger, als es die herkömmlichen Regierungsratslimousinen waren. Bei der Erneuerung seiner Fahrzeuge will der Kanton künftig konsequent auf klimafreundliche und zukunftsfähige Technologien setzen. Fahrzeuge mit Wasserstoff- und Elektroantrieb sind von der Verkehrsabgabe befreit.

Taxi-Unternehmen zieht nach

Auf Wasserstoffantrieb setzt auch ein Taxiunternehmen, das in der Flughafenregion tätig ist. Es will demnächst einige Fahrzeuge anschaffen. Damit diese in der Flughafenregion getankt werden können, sollen auch da zwei Tankstellen entstehen.

Rückenwind hat der Wasserstoff auch vonseiten des Fördervereins H2Mobility. Er will den Tankstellenbau vorantreiben. Das Netz soll bis 2023 mit 100 Tankstellen in der Schweiz flächendeckend sein. Derzeit hat der Verein Kenntnis von über 50 entsprechenden Plänen. Auch im Lastwagensegment soll es aufwärts gehen. Ein LKW mit Wasserstoffantrieb ist bereits auf Schweizer Strassen unterwegs. In den nächsten fünf Jahren sollen 1000 LKW dazukommen. Die ersten dürften bereits Anfang 2020 ausgeliefert werden.

Eher für Schwerverkehr

Kritiker bezweifeln, dass sich die Wasserstofftechnologie bei Personenwagen längerfristig gegenüber den Elektroautos durchsetzen wird. Sie halten den batterieelektrischen Antrieb für billiger. Zudem könnten entsprechende Fahrzeuge den Strom effizienter speichern und hätten einen höheren Wirkungsgrad. Dies würde auch die geringere Reichweite gegenüber den Wasserstoffautos wettmachen. Deshalb dürfte Wasserstoff in erster Linie als Antriebsmittel im Schwerlastverkehr oder im öffentlichen Nahverkehr an Bedeutung gewinnen.

Erstellt: 04.10.2019, 16:05 Uhr

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Blogs

Geldblog Lohnt sich eine PK-Einzahlung?

Sweet Home Gar nicht süsse Rezepte mit Zimt und Datteln

Die Welt in Bildern

Ein Märchen aus Lichtern: Zum ersten Mal findet das Internationale Chinesische Laternenfestival «Fesiluz» in Lateinamerika, Santiago de Chile statt. Es dauert bis Ende Februar 2020. (3. Dezember 2019)
(Bild: Alberto Walde) Mehr...