Diese Namen machen Sie zum Opfer

Die Kantonspolizei Zürich warnt neuerdings ganz gezielt vor Telefonbetrügern: Indem sie jene Leute anspricht, die in deren Beuteschema passen.

Vorsicht, Telefonbetrüger: Besonders Rentner sind betroffen.

Vorsicht, Telefonbetrüger: Besonders Rentner sind betroffen. Bild: Sophie Stieger

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Hanna, Renate, Adele, Irma, Ellen, Edith, Gertrud, Elisabeth – neuerdings nennt die Polizei im Kanton Zürich Namen, wenn sie über Verbrechen berichtet. Es sind aber nicht die Namen von Tätern, sondern jene von potenziellen Opfern. Solche, auf die es Telefonbetrüger abgesehen haben könnten.

«Zurzeit rufen Betrüger unter anderem Personen mit Vornamen Adele, Irma, Renate, Ellen sowie Edith an. Sie sprechen Hochdeutsch und geben sich als Polizisten aus. Betroffen ist der ganze Kanton Zürich», schreibt die Kantonspolizei diese Woche auf Twitter. Und unlängst warnte die Stadtpolizei Winterthur: «Bei den Opfern handelte es sich durchwegs um Frauen mit dem Vornamen Elisabeth!»

Haben Täter mehr Erfolg bei Frauen?

Aus diesen Warnungen der Polizeien lässt sich das Beuteschema der Betrüger ablesen: Erstens sind es ausschliesslich Frauennamen. «Der Anteil angerufener Männer ist tatsächlich kleiner», sagt Marc Besson, Mediensprecher der Kantonspolizei. «Die Täterschaft erhofft sich bei Frauen vielleicht mehr Erfolg.»

Zweitens fällt auf, dass es Namen sind, die nach den 1950er-Jahren an Popularität verloren haben. Zum Beispiel Elisabeth: Gemäss Vornamenstatistik wurden in der Schweiz vor 70 Jahren jährlich rund 1300 Mädchen mit Namen Elisabeth geboren. 2016 waren es gerade noch 25. Das passt zur Masche der Trickbetrüger, die es auf ältere Menschen abgesehen haben. Im vergangenen Jahr waren ihre Opfer durchschnittlich 76 Jahre alt, im laufenden Jahr sogar 80 Jahre.

Warnungen wirken offenbar

Deshalb setzt die Kantonspolizei seit Anfang Februar auf den neuen Präventionsansatz mit den Namen. «Wir möchten damit gezielt warnen und sensibilisieren», sagt Besson. Dass dies nötig ist, zeigen aktuelle Zahlen: In den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres gingen bei der Polizei über 500 Meldungen wegen Betrugsversuchen ein – mehr als im gesamten Jahr 2017. Die Dunkelziffer schätzt die Polizei allerdings in beiden Jahren etwa gleich hoch ein: auf rund 2500 Fälle. Das würde bedeuten, dass die Opfer sich inzwischen deutlich öfter melden.

Das sei ein positives Zeichen, heisst es bei der Polizei. Von der neuen Strategie der Namensnennung verspricht sie sich, die Zahl der erfolgreichen Delikte zu senken. Nach dem ersten Monat zieht sie eine positive Zwischenbilanz. Weil derzeit viele Fälle gemeldet würden, könnten Taten verhindert werden.

Wie zum Beispiel vergangene Woche im Zürcher Stadtkreis 5. Dort informierte ein Ehepaar die Stadtpolizei über einen mutmasslichen Trickbetrug. Die beiden hätten genau richtig reagiert, attestiert ihnen die Polizei. Denn sie wählten die Notrufnummer 117, worauf Spezialisten der Stadtpolizei mit dem Ehepaar das weitere Vorgehen besprachen. Noch am selben Nachmittag verhafteten Einsatzkräfte bei der Übergabe der Wertsachen zwei Männer im Alter von 21 und 38 Jahren.

Vier Opfer seit Neujahr

Trotz allem waren die Betrüger im Kanton Zürich in den ersten beiden Monaten des Jahres schon viermal erfolgreich. Dabei haben sie insgesamt 295'000 Franken erbeutet. Rechnet man diesen Wert hoch aufs ganze Jahr, kommt man auf einen ähnlichen Wert wie im Vorjahr. Damals erfuhr die Polizei von 19 Fällen, bei denen die Täter ihren Opfern insgesamt fast 2 Millionen Franken abnahmen. Diese Angaben listet die Kantonspolizei laufend auf ihrer Präventionswebsite auf.

Vor einem Jahr lancierte die Polizei schon einmal eine Kampagne gegen Telefonbetrüger, damals aber nur mit der allgemein gehaltenen Warnung: «Immer mehr ältere Menschen werden Opfer von Betrügern, die sich am Telefon als Verwandte, gute Bekannte oder auch als Polizisten ausgeben.»

Neuer Schwerpunkt: Die Städte

Die Telefonbetrüger sind im ganzen Kanton am Werk. Gemessen an der Bevölkerung kam es aber an der Goldküste zu besonders vielen Versuchen. Warum das so ist, kann die Polizei nicht abschliessend sagen. Manche Gebiete seien kurzzeitig einfach stärker betroffen. In diesem Jahr sei die Goldküste bislang kein Hotspot: «Bis jetzt sind eher die grösseren Städte betroffen», sagt Sprecher Besson. Am wenigsten Betrugsversuche gab es im Bezirk Affoltern. Der grösste Irrglaube wäre laut Polizei allerdings, zu denken: «Mir kann so etwas nicht passieren.»

Die Polizei rät:

  • Melden Sie verdächtige Anrufe oder geplante persönliche Kontaktaufnahmen umgehend der Polizei auf der Notrufnummer 117.
  • Deponieren Sie keinesfalls irgendwo Bargeld oder Wertsachen und übergeben Sie niemals Bargeld, Schmuck oder andere Wertsachen an Ihnen nicht bekannte Personen.
  • Wenn Sie sich durch den Anrufer oder die Anruferin unter Druck gesetzt fühlen, beenden Sie das Telefongespräch umgehend.
  • Trauen Sie der Display-Anzeige nicht. Die Anzeige auf Ihrem Telefon kann manipuliert sein.


Video: Unfall-Hotspots im Kanton Zürich

Unterwegs mit der Kantonspolizei Zürich an drei Unfallschwerpunkten. Video: Lea Koch (August 2017)


(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.02.2018, 11:07 Uhr

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