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«Diese Zahl schockiert mich»

Bis 2030 wird jeder zweite Arbeitnehmer in Zürich einen ausländischen Pass haben, sagt eine neue Studie. Regierungsrat Ernst Stocker nimmt Stellung zu negativen Effekten der Personenfreizügigkeit.

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«In der S-Bahn spürt man die Zuwanderung, auf der Strasse nicht»: SVP-Regierungsrat Ernst Stocker. (Video: Chantal Hebeisen, Pascal Unternährer)

Gleich zwei neue Studien stellte Regierungsrat Ernst Stocker (SVP) heute den Medien vor. Beide untersuchten, welche Auswirkungen die Personenfreizügigkeit auf den Kanton Zürich hat.

Im Videointerview mit Redaktion Tamedia nimmt Stocker Stellung zu vier Thesen, die allgemein als negative Folgen der Personenfreizügigkeit angesehen werden: mehr Konkurrenz durch Ausländer auf dem Arbeitsmarkt und deshalb auch tiefere Löhne, Verdrängung der jetzigen Bewohner aus den attraktiven Wohngebieten wegen zu hoher Mieten, verstopfte Strassen und Züge.

Firmen rekrutieren im Ausland

Die beiden Studien, die das Amt für Wirtschaft und Arbeit in Auftrag gab, stellten keine «wesentlichen Verdrängungseffekte auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt» fest. Die erste, vom Büro Bass erarbeitete Untersuchung kommt zum Schluss, dass der Fachkräftemangel im Kanton Zürich der eigentliche Motor für den Zuzug von Ausländern ist. Insbesondere der Bedarf an hochqualifizierten Arbeitskräften ist in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen.

Der Anteil an hochqualifizierten Schweizerinnen und Schweizern hat in diesem Zeitraum jedoch nicht im gleichen Masse zugenommen, wie Heidi Stutz vom Büro Bass vor den Medien erklärte. Viele Unternehmen hätten deshalb Schwierigkeiten, die benötigten Arbeitskräfte zu finden und rekrutierten deshalb aktiv im Ausland.

Für die Studie wurden 685 Unternehmen und 666 im Jahr 2010 nach Zürich immigrierte Personen befragt. Demnach haben 41 Prozent der zugewanderten Arbeitskräfte ein Stellenangebot eines Unternehmens erhalten. Sie suchten also nicht aktiv nach Arbeit im Kanton.

Der heutige Anteil an Ausländern im erwerbsfähigen Alter beträgt laut Stutz 31 Prozent. Falls die Entwicklung der letzten zehn Jahre in Zukunft anhält, rechnet sie damit, dass der Ausländeranteil bis 2030 auf 50 Prozent ansteigen wird.

Wohnungen: Schweizer bezahlen weniger

Dass es aufgrund der Zuwanderung zu einer Verdrängung der einheimischen Bevölkerung aus den städtischen Zentren kommt, lässt sich gemäss der zweiten Untersuchung der Büros Raumdaten/Sotomo nicht bestätigen. Auch bei der Wohnqualität hätten die Schweizerinnen und Schweizer keine Einbussen hinnehmen müssen.

Ein gewisser Verdrängungseffekt lässt sich zwar auf dem Neubauwohnungsmarkt beobachten, wie Corinna Heye von Raumdaten/ Sotomo sagte. Dieser findet jedoch nicht in den Städten, sondern vor allem an den peripheren Lagen statt. Auch seien davon mehr die traditionellen Einwanderergruppen als Schweizerinnen und Schweizer betroffen.

Von den gestiegenen Preisen auf dem Immobilienmarkt profitiert laut Heye insbesondere die Schweizer Bevölkerung. Weil sie durchschnittlich länger in einer Liegenschaft wohne, bezahle sie auch weniger. Die hochqualifizierten Zuwanderer könnten zwar als Preistreiber auf dem Wohnungsmarkt bezeichnet werden. Sie seien aber auch diejenigen, welche die höheren Preise zum grössten Teil zahlen müssten.

Leistungkriterien und Eintrittsgebühr

Unternehmen rekrutierten nur dann im Ausland, wenn sie keine Inländer finden, stellte Bruno Sauter, Chef des AWA, fest. «Wir haben also Potenzial.» Um die Abhängigkeit von ausländischen Fachkräften zu verringern, sei darum eine Ausbildungsoffensive notwendig. Der Zugang zur Matura müsse künftig auf reinen Leistungs- und nicht auf Mengenkriterien basieren.

Handlungsbedarf sieht Sauter auch beim Ausbau der bestehenden Infrastruktur. So könne man sich überlegen, wie die Kosten grosser Neuinvestitionen in Schulen oder S-Bahn unter Einheimischen und Zuzügern aufgeteilt werden könnten. Auch eine Art «Eintrittsgebühr» für Ausländer sei denkbar.

Regierungsrat Ernst Stocker (SVP) bezeichnete die beiden Studien als «wichtige Grundlage». Nun müsse die politische Diskussion geführt werden. Das Szenario mit einem Ausländeranteil von 50 Prozent bis im Jahr 2030 werfe «sehr grosse Fragen auf», sagte der Volkswirtschaftsdirektor.

(SDA)

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