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Dieser Zürcher Bubentraum ist ausgeträumt

Obwohl einer der bekanntesten Eventmanager einstieg, ist ein beliebter Funsport-Anlass in Kloten am Ende. Die Firma dahinter ist zahlungsunfähig.

Spiel und Spass: Vorbild der Toasted Challenge war die TV-Show «Takeshi’s Castle». Foto: Leo Wyden («Zürcher Unterländer»)
Spiel und Spass: Vorbild der Toasted Challenge war die TV-Show «Takeshi’s Castle». Foto: Leo Wyden («Zürcher Unterländer»)

Das Versprechen ist kaum mehr einzuhalten: «Wir sehen uns im 2017», steht auf der Website der Rivella Toasted Challenge in Kloten. Letzten Spätsommer krabbelten hier in der Badi am Schluefweg noch 1300 Teilnehmer über schwimmende Luftburgen, liessen sich von Riesenrutschen in die Luft katapultieren oder versuchten, über die «Brücke der Tapferkeit» zu balancieren, ohne dabei ins Wasser zu stürzen.

Mit dem Anlass, inspiriert von der japanischen Spielshow «Takeshi’s Castle», erfüllte sich Geschäftsführer Philipp Bareth einen Kindheitstraum, wie er dem «Zürcher Unterländer» letztes Jahr anvertraute. Er liess den Event aus der gleichnamigen Onlineplattform Toasted.ch entstehen, auf der sich Studenten über Rabatte und altersgerechte News informieren konnten.

Die Zürcher Jugend dankte es ihm: Die Toasted Challenge war gemäss Veranstalter schon bei der ersten Ausgabe 2014 innerhalb von zehn Minuten ausverkauft. Promis wie Youtube-Star Bendrit Bajra oder Ex-Bachelorette Zaklina Djuricic liessen sich zur Teilnahme motivieren. Und bald hatte man sich einen langfristigen Vertrag mit Grosssponsor Rivella gesichert.

Freddy Burger stieg ein

Doch dann wurde der Kindheitstraum zum Albtraum. Im November vergangenen Jahres meldete die Toasted GmbH Konkurs an. Auf der verwahrlosten Facebook-Seite der Veranstaltung fragt sich seitdem die Community, wann wohl endlich das Datum 2017 rauskomme. Niemand antwortet. Zurück bleiben viele offene Rechnungen und Dutzende geprellte Gläubiger, darunter auch, wie sich während der Recherche zeigte, aufgrund von Inseraten die Tamedia AG, zu der der «Tages-Anzeiger» gehört.

Dabei hatte 2015 alles noch so gut ausgesehen. Die Toasted GmbH konnte einen weiteren starken Partner an Bord holen: Freddy Burger, ehemaliger Manager von Udo Jürgens, Betreiber von Restaurants wie dem Fifa-Tempel Sonnenberg und Nachtclubs wie dem Zürcher Mascotte, übernahm die Hälfte der Firmenanteile. Die Freddy-Burger-Management-Gruppe (FBM Group) besteht gemäss Firmenwebsite heute aus 25 Unternehmen und erwirtschaftet mit 350 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von mehr als 120 Millionen Schweizer Franken.

In die Geschäftsleitung der Toasted GmbH wurde Freddys Sohn Oliver Burger eingesetzt. Auf Branchenportalen liess sich Freddy Burger in einer freudigen Mitteilung zitieren: «Philipp Bareth und sein Team haben in den letzten Jahren eine starke Onlineplattform geschaffen. Zudem hat das junge Unternehmen mit der Toasted Challenge einen wegweisenden Event geschaffen.» Und Toasted-Gründer Philipp Bareth lobte: «Die FBM Group ist für Toasted die ideale strategische Partnerin.» Freddy Burger erhoffte sich Verstärkung im Bereich Branded Entertainment und Zugang zu den Digital Natives. Bareth liebäugelte mit den guten Sponsoringbeziehungen der FBM Group. Nur ein Jahr später ist die Firma in Konkurs gegangen.

Geprellte Gläubiger

Schwer getroffen hat das den Jungunternehmer Marcel Harmann: Für die Toasted-Ausgabe 2015 hatten er und seine Geschäftspartner mit ihrer Agentur HRZ Projects GmbH mehrere Elemente für den Hindernisparcours gebaut – unter anderem ein Schaumbad, eine Kletterrampe und ein Riesententakel. Beim Aufbauen gab es Verzögerungen und während des Events kam es zu Problemen an einigen Elementen, die behoben werden konnten. Nach erfolgreichem Event ging aber der Streit um die Rechnungen los. Bareth, unzufrieden mit der Leistung, wollte nicht zahlen. Die HRZ Projects GmbH beharrte auf ihren Forderungen.

Im November betrieb HRZ Projects die Toasted GmbH über fast 110 000 Franken. Später, kurz vor einem handelsrechtlichen Gerichtsverfahren, erreichte sie mit Oliver Burger einen aussergerichtlichen Vergleich: Die Toasted GmbH bezahlte HRZ einen Betrag von 55 000 Franken in zwei Raten, zusätzlich erhielt HRZ Werbeguthaben im Gegenwert von 30 000 Franken. Doch die Zahlungsfristen verstrichen, einige Monate später meldete sich das Konkursamt bei HRZ Projects.

Geschäftsführer und Gründer Stephan Bareth war zu dieser Zeit schon ausgefallen. Im Frühling 2016 erlitt er nach eigenen Aussagen ein Burn-out, von dem er sich gerade erholt. «Von den finanziellen Schwierigkeiten bin ich selber überrascht worden, war ich doch zu diesem Zeitpunkt über Monate ohne Einblick ins operative Geschäft», sagt Bareth, «es tut mir sehr leid für die Gläubiger und alle Menschen, die immer so enthusiastisch an diesem Projekt mitgearbeitet haben.» Er selber sei der grösste Gläubiger im Konkursverfahren. Freddy Burger Management will sich nicht zu den Vorfällen äussern. Auch zu den Gründen, warum ein so erfolgreicher Event fallen gelassen wurde, will Oliver Burger nichts sagen. Nur so viel: «Keiner wollte, dass es so kommt, wie es gekommen ist.»

Gründer Bareth hat bereits kurz nach dem Konkurs wieder ein verbindliches Kaufangebot von 10 000 Franken für die Marken- und Namensrechte «Toasted», ihre Internet-Domains, die Kundendaten sowie die Social-Media-Seiten abgegeben. Die Marke gehört also auch nach dem Konkurs wieder ihm. Gesetzlich ist das möglich. «Meiner Businessethik entspricht das aber nicht», sagt Gläubiger Marcel Harmann. «Wir bleiben auf unseren Rechnungen sitzen.»

Bareth hingegen zeigt sich zuversichtlich: «Vielleicht schaffen wir es, die Ausgabe 2018 in einer abgespeckteren Version wieder auf die Beine zu stellen.»

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