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Dieses Foto eines Kilchbergers sorgt in Deutschland für Lacher

Das Bild eines 17-Jährigen von der Autobahn A3 bringt das deutsche Verkehrsministerium durcheinander. Der Fotograf ist überrascht.

Die Aufnahme des 17-jährigen Eric Weber von der Autobahn A3. Bild: PD/Eric Weber
Die Aufnahme des 17-jährigen Eric Weber von der Autobahn A3. Bild: PD/Eric Weber

Es ist eine hitzige Debatte in Deutschland – seit Jahren. Darf man auf Autobahnen nur noch 120 Stundenkilometer fahren oder bleiben deutsche Fernstrassen ein Paradies für Schnellfahrer? Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat dazu eine klare Haltung. Ein generelles Tempolimit kommt für ihn nicht infrage. Um diese Haltung auch in den sozialen Medien wieder einmal kundzutun, illustrierte sein Ministerium einen Tweet mit einem Autobahnbild.

Das Bild des fliessenden Verkehrs bei Nacht hat allerdings einen Haken - es zeigt die Autobahn A3 in Richtung Thalwil am Zürichsee. Und hier gilt seit Jahren ein Tempolimit von 120 Stundenkilometern - am Aufnahmestandort des Bildes in Kilchberg gilt in Fahrtrichtung Zürich sogar nur Tempo 100. Das Bundesverkehrsministerium antwortete auf Twitter, es gehe beim Tweet «um den Verkehrsfluss in Deutschland.» Dass man den Namen der Ausfahrt nicht beachtet habe, sei ein Versehen. Eine Aussage die man auf Nachfrage dieser Zeitung nochmals bekräftigt.

Zu spät. Auf Twitter reagieren die Nutzer belustigt über den Tweet. Die deutsche Zeitung «Welt» ergänzt passend: «Zumindest auf dem geposteten Foto kann man nicht erkennen, dass der Verkehrsfluss auf der Schweizer Autobahn 3 durch das Tempolimit beeinträchtigt wäre.»

Es gilt auf Twitter wie auf der Autobahn. Allzu schnell unterwegs zu sein, birgt eben Gefahren.

Kilchberger hat das Foto gemacht

Überrascht über den Tweet des deutschen Bundesverkehrsministeriums ist auch Eric Weber. Der 17-jährige Teenager aus Kilchberg ist der Fotograf des Autobahnen-Bilds, wie Recherchen zeigen.

«Meine Kollegen und mein Vater haben mir Nachrichten geschickt, als sie das Bild in den Medien entdeckten», erzählt Weber auf Anfrage der «Zürichsee-Zeitung». «Ich habe es lustig gefunden, dass in Deutschland zu diesem Thema ein Bild von meinem Wohnort verwendet wurde.» Dass er Bilder von sich irgendwo entdeckt, komme immer wieder vor, erzählt der begeisterte Instagrammer. «In meiner Firma habe ich gar einmal ein Bild von mir in einer PowerPoint-Präsentation gesehen», meint er lachend. Dass ein Ministerium oder eine so bekannte Person wie Andreas Scheuer allerdings sein Bild nutzen, das sei ihm noch nie passiert.

Bild legal genutzt

Geld für die Verwendung seines Bildes sieht Weber übrigens nicht. Er hat die Aufnahme unter dem Titel «Lava Highway» auf der Bilderplattform Unsplash publiziert. Bilder, die dort publiziert werden, dürfen kostenlos weiterverwendet werden. Und das machen Internet-Nutzer fleissig: Seit der Publikation vor einem Jahr wurde es alleine auf Unsplash über 870'000 Mal betrachtet und fast 15'000-fach heruntergeladen. Dass das Bundesverkehrsministerium das Bild auch genutzt habe, sei also legal, meint Weber – und trotzdem wurmt ihn die Publikation: «Es wäre fair gewesen, wenn sie meinen Autorennamen genannt hätten». Denn als Fotograf gelangt man – um im Verkehrsjargon zu bleiben – nur auf die Überholspur, wenn man seinen Namen bekannt machen kann.

Inzwischen wurde auch das deutsche Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) auf die Geschichte mit Weber aufmerksam und nimmt mit dem Fotografen Kontakt auf. «Der 17-jährige Fotograf bekommt ein Überraschungspaket aus dem BMVI», teilt Sprecher Sebastian Wöhl auf Anfrage mit. Was das Paket beinhaltet – und ob es eine Grusskarte von Andreas Scheuer persönlich enthält – wollte Wöhl nicht verraten. Das BMVI stellt aber ebenfalls nochmals klar, dass die Bilder auf der Plattform Unsplash zur freien Verwendung genutzt werden können.

Gemeinde schmunzelt über Berühmtheit

Die Debatte lässt auch die Gemeinde Thalwil nicht los. Gemeindepräsident Märk Fankhauser (FDP) sagt zum Bild: «Ein schönes, dynamisches Bild, das zu Thalwil passt.» Und er ergänzt: «Mich freut die wohl kurze Online-Berühmtheit unserer Gemeinde durch das Twitter-Malheur des deutschen Verkehrsministeriums.» Mit einem Schmunzeln fügt auch BMVI-Sprecher Wöhl an, man freue sich darüber, «dass wir als nachträgliches Weihnachtsgeschenk für so ein breite Tourismuswerbung für Thalwil sorgen.» In Deutschland kenne nun die Region wahrscheinlich fast jeder.

Gemeindepräsident Fankhauser nutzt die Gunst der Stunde, um den Deutschen – insbesondere Journalisten – auch noch etwas über die Schweizer Geografie beizubringen. Er sagt: «Wenn wir schon dabei sind, erlaube ich mir noch einen Hinweis an die 'Welt': 8800 ist die Thalwiler Postleit- nicht Einwohnerzahl, wir sind immerhin ein 18'300-Einwohner-Ort.» Die deutsche Zeitung hatte in der Hitze des Twitter-Gefechts Zahlen und Fakten zu Thalwil etwas durcheinander gebracht.

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