Dietiker IS-Sympathisant drohen sechs Monate Gefängnis

Ein kosovarischstämmiger Schweizer soll über Jahre hinweg Terrorpropaganda verbreitet haben.

Besir M. bringt Bilder und Videos mit der IS-Flagge und weiterer mutmasslicher Propaganda in Umflauf. Foto: Getty Images

Besir M. bringt Bilder und Videos mit der IS-Flagge und weiterer mutmasslicher Propaganda in Umflauf. Foto: Getty Images

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Die Bundesanwaltschaft hat einen in Dietikon lebenden Schweizer mit kosovarischen Wurzeln unter anderem wegen mutmasslicher Propaganda für die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) und Gewaltdarstellungen zu sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Das Urteil erging per Strafbefehl. Der Pflichtverteidiger des Beschuldigten Besir M. hat Einspruch erhoben und so die Sache ans Bundesstrafgericht in Bellinzona weitergezogen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Besir M. war und ist in sozialen Medien höchst aktiv. Wegen der von ihm verbreiteten brutalen Bilder mit Bezug zum IS sprach ihn der Nachrichtendienst des Bundes über die Jahre hinweg insgesamt dreimal präventiv an. Der inzwischen 28-Jährige machte aber einfach weiter. So setzte er nach Ansicht der Bundesanwaltschaft Bilder und Videos mit der IS-Flagge in Umlauf, darunter auch solche, die Enthauptungen und das Abhacken von Händen zeigten.

Glorifizierung des IS

Vor mehr als zwei Jahren wurde seine Wohnung durchsucht, wobei «umfangreiches Propaganda­material für den IS sowie einschlägige Gewaltdarstellungen» sichergestellt worden seien. Im Verhör mit der Bundeskriminalpolizei habe Besir M. gleichentags gestanden, früher den IS befürwortet sowie Bilder und Videos mit IS-Bezug gespeichert oder verschickt zu haben. Ausserdem sagte er, dass die Schwester seiner Ex-Frau in den gewaltsamen Jihad gezogen sei und seine Ex-Frau dies ebenfalls beabsichtigt habe.

Indem der Beschuldigte Propaganda in den sozialen Medien machte, unterstützte er laut Bundesanwaltschaft den IS in dessen verbrecherischen Machenschaften. Die von ihm verbreiteten Medien seien dazu bestimmt, den IS zu glorifizieren, dessen Stärke zu demonstrieren und ein Leben im Gebiet des IS als erstrebenswertes Ziel für alle Muslime darzustellen.

Was die Gewaltdarstellungen betrifft, so seien diese an Abscheulichkeit und gewaltverherrlichender Wirkung kaum zu überbieten. Auf einem der Fotos sei zum Beispiel ein gefesselter, am Boden liegender Mann zu sehen, dem eine andere Person die Kehle durchschneide. Unter dem Opfer sei bereits eine grosse Blutlache zu erkennen. Weil Besir M. über Jahre delinquiert und dabei aus tiefer religiöser Überzeugung gehandelt habe, fordert die Bundesanwaltschaft eine sechsmonatige unbedingte Freiheitsstrafe.

Erstellt: 05.12.2019, 08:00 Uhr

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