Päcklidiebe aktiv – falsch bestellt, aus dem Milchkasten gefischt

Die Zürcher Polizei stellt eine Zunahme von Paketbetrug fest. Und so gehen die Diebe vor.

Kapseln, Kleider oder doch lieber elektronische Geräte? Die Diebe fischen die Pakete aus dem Briefkasten.

Kapseln, Kleider oder doch lieber elektronische Geräte? Die Diebe fischen die Pakete aus dem Briefkasten. Bild: Christian Beutler/Keystone

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Bestellungsbetrüger heissen diejenigen Diebe, die derzeit in Onlineshops mit illegal ergatterten Kreditkartendaten vor allem elektronische Geräte wie Notebooks, Fotokameras oder Handys bestellen. Laut Stefan Oberlin, Sprecher der Kantonspolizei, erhalten die Betrüger die Daten in der Regel mittels Phishing. Sie gelangen also über gefälschte Websites, E-Mails oder Kurznachrichten an persönliche Daten eines Internetbenutzers. Wenn dann die Post oder ein Paketdienst die Gegenstände zustellen, warten sie den Zeitpunkt ab, um die Pakete aus dem Milchkasten zu fischen. Kantonspolizei und Stadtpolizei haben in den letzten Wochen drei ähnliche Fälle festgestellt und konnten vier Betrüger und Diebe verhaften.

Ermittlungen durch Spezialisten der Abteilung Cybercrime bei der Kantonspolizei haben Hinweise auf Bestellungsbetrüger ergeben. Die Polizisten konnten am letzten Donnerstag in Zürich-Oerlikon eine Person bei der Übernahme von Paketen beobachten. Nachdem sich der Unbekannte mit einem weiteren Mann getroffen hatte, kontrollierten und verhafteten die Polizisten die beiden. Bei einer Hausdurchsuchung stellten die Polizisten Deliktgut im Gesamtwert von mehreren Tausend Franken sicher. Bei den Festgenommenen handelt es sich um zwei Männer im Alter von 23 und 34 Jahren aus Lettland. Sie hielten sich als Touristen in der Schweiz auf. Sie wurden der Staatsanwaltschaft zugeführt.

Notebooks sichergestellt

Bereits am 26. Februar konnte die Kantonspolizei Zürich in Zusammenarbeit mit den Aargauer Kollegen in Bergdietikon AG einen ähnlichen Betrüger verhaften. Sie fanden beim Bestellungsbetrüger Notebooks im Gesamtwert von mehreren Tausend Franken. Es wird nun abgeklärt, ob der Mann noch weitere ähnliche Delikte verübt hat. Der Verhaftete ist ein 32-jähriger Lette, der sich ebenfalls als Tourist ausgab. Auch er wurde nach den polizeilichen Befragungen dem Staatsanwalt zugeführt.

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Mit einem weiteren Fall hatte die Stadtpolizei zu tun. Er betrifft einen Paketdieb, welcher im Kreis 5 auf frischer Tat ertappt wurde. Am 14. Februar meldete sich ein Mann bei der Notrufzentrale und sagte, dass er von der Post über eine bevorstehende Paketlieferung informiert worden sei. Da er jedoch nichts bestellt hatte, wurde er misstrauisch. Dies sei ihm in der letzten Zeit schon wiederholt passiert. Fahnder rückten zum Wohnort des Anrufers aus und beobachteten kurze Zeit später einen Unbekannten, der aus dem Milchkasten des Anzeigeerstatters ein Paket nahm und wegging. Sie verhafteten den Mann. Es handelt sich um einen 36-jährigen Deutschen. Er hatte weitere Pakete mit Esswaren, Haushaltartikeln und Zigaretten bei sich, die an zwei andere Empfänger adressiert waren. Er ist geständig, im Internet Waren an verschiedene Adressen bestellt und abgefangen zu haben.

Laut Marco Bisa, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, nehmen Fälle von Brief- und Paketdiebstählen in der Stadt Zürich zu. So verzeichnete die Polizei im Jahr 2016 insgesamt 230 Fälle. In den ersten fünf Monaten im Jahr 2017 waren es bereits 137 Fälle. Im Mai wird jeweils die jährliche Polizeistatistik veröffentlicht; deshalb kommen die aktuellen Zahlen für das ganze letzte Jahr erst im Mai 2018 heraus.


Video: Päckliroboter in Aktion

Beim Test im Sommer: Der Lieferroboter der Post braucht noch Begleitung auf seinem Weg durch die Innenstadt. (Video: Nicolas Fäs)


Erstellt: 11.03.2018, 23:41 Uhr

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