Dübendorf ist überall

Die Vorgänge auf dem Sozialamt sind symptomatisch für eine fortschreitende Unsitte: Das Sparen bei den Ärmsten.

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Das Leben als Sozialhilfebezüger ist hart. Das Leben als Sozialhilfebezüger in Dübendorf ist sogar noch ein wenig härter. Wer Betroffenen zuhört – es sind nicht wenige –, kommt zum Schluss: Das dortige Sozialamt gängelt, schikaniert seine ärmsten Bürgerinnen und Bürger und verhält sich in gewissen Fällen gar widerrechtlich. Das weckt ungute Erinnerungen. Die Dübendorfer Sozialamt-Chefin verbreitete vor gut zwei Jahren Inhalte einer rechts­radikalen Partei auf Facebook. Ihre Missgünstigkeit gegenüber Schwächeren setzte sich in ihrer Arbeit fort: Sozialhilfebezüger berichteten damals über die zweifelhaften Praktiken der Behörde, von der sie sich Hilfe versprachen. Die Frau blieb im Amt, nur etwas hatte sich geändert: Sie löschte die hasserfüllten Facebook-Posts und zeigt bis heute nur noch harmlose Tierbilder.

Mit Schlagworten wie Sozialschmarotzer lässt es sich als Politiker noch immer hervorragend punkten.

Dabei ist Dübendorf auch andernorts. Die Vorgänge sind symptomatisch für eine Entwicklung, die in letzter Zeit schnell voranschreitet: das Sparen bei den Ärmsten. Hier ein Fränklein weniger, da eine Kürzung mehr – einige rechtsbürgerliche Politiker haben sich ein Hobby daraus gemacht. In jeder Budgetdebatte wird der Gürtel noch ein wenig enger geschnallt, während die Einkommen der Besserverdienenden durch Steuerfusssenkungen entlastet werden. Stolz verkündete Dübendorf die erstmalige Senkung unter 100 Prozent in diesem Jahr. Verschiedene Kantone planen derweil, die Sozialhilfe um bis zu 30 Prozent zu kürzen. Dabei hielt die Konferenz der Sozialhilfe (Skos) unlängst in einer Studie fest, dass schon die heutigen 986 Franken pro Person zu knapp sind.

Es herrscht ein ungesunder Trieb: bei jenen zu sparen, die nichts haben. Das mag zunächst widersinnig erscheinen. Doch mit Schlagworten wie Sozialschmarotzer lässt es sich als Politiker noch immer hervorragend punkten – gerade in einem Wahljahr. Mindestens so schlimm wie die angestrebten Kürzungen ist, dass solche Massnahmen ein Klima des Misstrauens begünstigen: Wer schwach ist, steht im Verdacht, ein Schmarotzer zu sein. So lange, bis er das Gegenteil bewiesen hat, darf er schikaniert werden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.02.2019, 21:24 Uhr

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