Zürichs Streik-Hotspots, die Demo aus der Luft, Auto fährt durch Umzugsroute

Das Central wurde blockiert, Uster machte Pause – und auf der Bahnhofstrasse lief der Shopping-Alltag weiter. Wir waren am Frauenstreik im Kanton unterwegs.

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Schauplatz Limmatquai – Zürich ist sich Demonstrationen gewohnt. Und Zürich hat schon einige grosse Demonstrationen der Klimajugend in diesem Jahr gesehen. Aber was die Grossdemonstration des Frauensteiks heute Freitag bietet, das ist aussergewöhnlich. Die Stadtpolizei Zürich hat bereits zum Auftakt der Demo von «mehreren Zehntausend» Teilnehmerinnen gesprochen, die Organisatorinnen schätzten die Teilnehmerinnenzahl auf 70'000 Personen.

Etwas nach 17 Uhr hat sich der Umzug in Bewegung gesetzt. Eine violette Masse schiebt sich langsam vom Limmatquai über den Paradeplatz in Richtung Helvetiaplatz. Kurz vor 19.30 Uhr fuhr ein Auto beim Pelikanplatz in die Umzugsroute, wie die Stadtpolizei in einer Medienmitteilung schrieb. Meldungen über verletzte Personen lagen keine vor. Der Lenker des Fahrzeuges wurde festgenommen und der Staatsanwaltschaft Zürich zugeführt. Die Polizei sucht Zeugen. Personen, die sachdienliche Hinweise machen können, werden gebeten, sich bei der Stadtpolizei Zürich zu melden: 0 444 117 117.

Die Frauenstreik-Demo in Zürich aus der Luft und im Zeitraffer. (14. Juni 2019) Video: Tamedia


Schauplatz Oetwil am See – «Ich streike nicht, weil ich alle nötigen Rechte habe. Ich muss sie nur selber einfordern.» Petra Nef-Minikus sitzt auf ihrem Hof in einem idyllischen Gärtchen in Oetwil am See. Es ist ein Mittelbetrieb mit 60 Aufzuchtrindern und 24 Hektaren Land für knapp 3000 Obstbäume. Nef-Minikus setzt auf die Selbstverantwortung der Frauen. Das hat sie auch vor 25 Jahren in der Bäuerinnenschule auf dem Strickhof in Wülflingen gelernt. «Schon damals hat man uns klipp und klar gesagt, dass wir abrechnen müssen, sobald wir auf einem Hof arbeiten: AHV, Krankentaggeld, 2. Säule.» Sie sei nicht nur eine Bäuerin, sondern eine Partnerin in einem KMU, sagt die energische Frau. Wenn es nicht klappe, sei dies ein familieninternes Problem. Da könne der Staat nicht helfen.

Petra Nef-Minikus mit Schwein Piggeldy. Foto: pu

Im Kanton Zürich seien sicher mehr als 40 Prozent der Bäuerinnen sozialversichert (siehe unten), schätzt Nef-Minikus, die im Vorstand der Zürcher Landfrauen sitzt. Viele Frauen arbeiteten noch auswärts, um Einkommen zu generieren. Da bekommen sie ja auch Lohn und sind versichert. «Warum soll das auf dem Hof anders sein?»

Jede Frau, die auf einen Hof kommt, müsse sich über ihre Situation im Klaren sein, findet Nef-Minikus. Im Bundesrecht steht das bäuerliche Bodenrecht über dem Eherecht. Wenn der Mann stirbt, geht der Hof an die Kinder oder Verwandten, nie an die Ehefrau. «Ob das heute noch richtig ist, kann man diskutieren», sagt sie. Klar bleibe aber: Lohn und Sozialversicherungen sind Fragen, die man vor der Hochzeit thematisieren muss. Dafür brauche es aber keinen Streik. (pu)


Schauplatz Central – Auf der Polyterrasse, auf der Rückseite der ETH in Zürich, haben sich mehrere Hundert Schülerinnen, Studentinnen und zahlreiche andere Aktivistinnen aus den unterschiedlichsten Bereichen zum feministischen Streikzmittag versammelt. Als der Sicherheitsdienst der ETH ein Transparent abhängt, das vor dem Eingang aufgehängt worden ist, ertönt ein gellendes Pfeifkonzert. Danach bringen Dutzende Frauen das Transparent ins Gebäude und hängen es unter dem Jubel der Menge wieder aus dem Fenster.

Aktion an der ETH. Video: Lea Blum

Rund hundert Frauen setzten sich danach in einem Demonstrationszug von der Polyterrasse ab und gingen zum Central. Daraufhin blockierten sie diesen wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Männer, die auf das Tram warteten, reagierten mit Unverständnis. Immer mehr Frauen strömten schliesslich zum Central. «Wir wollen zeigen: Wenn Frau will, steht alles still.»

Machen es sich gemütlich: Die Streikerinnen bei der Blockade des Centrals. Bild: Urs Jaudas

Eine Aktivistin am Megafon kündete Konzerte von Sophie Hunger und Big Zis an. Ein VBZ-Mitarbeiter teilte den Passanten mit, es würden keine Trams mehr fahren. Eine Touristin sagte: «It's my first time here. What is going on?» Zürich ist im Ausnahmezustand.

Die Stadtpolizei Zürich beobachtete die Situation am Central, hielt sich aber zurück. Einige Demonstrantinnen waren laut der Nachrichtenagentur SDA allerdings nicht ganz friedlich gestimmt und griffen Fotografen an. Die Stadtpolizei teilte zudem mit, dass die Blockade die Rettungsfahrzeuge behindere.

Die Blockade am Central löste sich schliesslich um circa 14 Uhr auf, die Frauen setzten ihren autonomen Demonstrationszug in Richtung Kanzleiareal fort. Auf dem Central verkehrten neben Trams, Bussen und Autos auch Putzwagen von Entsorgung und Recycling Zürich. Die Frauen hinterliessen etwas Müll und ein Transparent. Ansonsten erinnert nichts mehr daran, dass hier gerade noch alles stillstand. (zac)


Schauplatz Uster – Um 11 Uhr werden die Frauen in Uster aufgefordert, 15 Minuten laut zu sein. «Okay, von mir aus 5 Minuten», sagt eine Aktivistin. Die Frauen zeigen doch mehr Ausdauer und lärmen 8 Minuten, was die Stimmbänder und Trillerpfeifen hergeben. Gleichzeitig bleibt der Schalter des Stadthauses besetzt – mit einer Frau. Dann machen sich die Frauen auf zu einer spontanen Demo. Eingepfercht zwischen einem Betonmischer und einem Oberlandbus geht's rund um den Kreisel und weiter Richtung Migros. «Ufe mit de Frauelöhn, abe mit de Boni.»

Guetsli für die arbeitenden Frauen in der Metzgerei. Foto: pu

Aktivistinnen übergeben arbeitenden Frauen in einer Metzgerei Soli-Guetsli, die Verkäuferinnen bedanken sich brav. Dann verlaufen sich die 300 Frauen: «Falscher Durchgang, alle retour!» In der Ladenpassage wirds richtig laut: «F-R-A-U-E-S-T-R-E-I-K-!» Die Kundinnen staunen. «Was ist da los?», fragt eine junge Frau. Ein älterer Herr hält sich die Ohren zu und schaut nicht sehr glücklich. Vor dem McDonald’s wird skandiert: «Frauen, lasst die Arbeit sein, reiht euch in die Demo ein.» Die Frauen am Aussenschalter lachen. Um 11.45 Uhr reiht sich unter Applaus ein Lehrer mit seinen Schülerinnen ein. (pu)

In der Passage wird es laut. Video: pu

Zurück beim Stadthaus, dürfen die Streikenden den inzwischen leeren Marktplatz beziehen, SP-Stadtpräsidentin Barbara Thalmann ist anwesend und unterhält sich mit Freundinnen. Ihre Eindrücke? Sie ist erst gerade dazugekommen, erzählt sie, sie war zwei Stunden an der Kanti Wetzikon. Einige Schüler hätten gemeint, in der Schweiz gehe es den Frauen doch gut. Man solle doch jenen in der Dritten Welt schauen. Andere beklagten sich über die Stereotypen: Frauen schauen den Kindern, Frauen arbeiten Teilzeit. Dass die drei Stunden bezahltes Streiken ein politisches Nachspiel haben wird, ist aufgrund von Vorstössen klar. Thalmann bleibt gelassen: «Der eine oder andere mag irritiert sein. Wir haben in diesem Fall das politische Statement stärker gewichtet als juristische Argumentationen.» Dann entschuldigt sich Thalmann, sie muss die Hauptansprache halten: «Es ist einiges besser geworden seit 1991. Aber noch nicht genug.» (pu)

Stadtpräsidentin Barbara Thalmann auf dem Stadthausplatz in Uster. Foto: pu


Schauplatz Idaplatz – Streik-Picknick mit Bäuerinnen auf dem Idaplatz «Die meisten Frauen in der Landwirtschaft sind verheiratet, in der Regel lautet der Betrieb auf den Ehemann als Betriebsleiter und ist auch in seinem Eigentum. Über 60 Prozent der Frauen auf Familienbetrieben erhalten keinen Lohn und haben entsprechend keine Sozialversicherungen»: Diese tristen Fakten erfährt man im Streikprogramm der Stadtbäuerinnen, die sich auf dem hippen Idaplatz versammeln, um hier ein gemütliches und gesundes Picknick durchzuführen – und dabei auf ebensolche Missstände aufmerksam zu machen.

(thw)


Schauplatz Bahnhofstrasse – Frauenstreik? Nicht an der Zürcher Bahnhofstrasse. Auch um elf Uhr, der offiziellen Streikpause, läuft der Shopping-Alltag in der Innenstadt völlig ungestört. In den Warenhäusern bedienen Frauen andere Frauen. Pins oder Transparente sind nirgends zu sehen. Auf die Frage, ob sie vom Streik gehört hätten, reagieren zwei Verkäuferinnen ausweichend.

Frauenstreik? Alltag am der Bahnofstrasse. Bild: bat

Das liegt nicht unbedingt am Desinteresse. «Je prekärer die Branche, desto grösser der Druck, sich an die Regeln zu halten», sagt Lorenz Keller von der Unia. Die Gewerkschaft stehe in Kontakt mit verschiedenen Frauen aus dem Detailhandel und aus anderen Tieflohnbereichen wie der Reinigung. Die grosse Mehrheit von ihnen dürfe ihren Arbeitsplatz nicht verlassen und müsse Strafmassnahmen befürchten. Den ganzen Tag frei zu nehmen, liege wegen des knappen Lohns für die meisten nicht drin.

«Es gibt viele, die hässig sind. Sie wehren sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten», sagt Keller. «Sie tragen Frauenstreik-Symbole oder laufen um fünf Uhr am Umzug mit.» Laut Keller gäbe es genug Missstände, gegen welche sich Frauen im Detailhandel oder der Reinigung wehren könnten. Die ständige Verlängerung der Ladenöffnungszeiten etwa, die strukturell tiefen Löhne in klassischen Frauenbranchen oder die Respektlosigkeit, mit denen Frauen in Dienstleistungsbranchen oft behandelt würden.

Auch auf dem Paradeplatz, im Herzen der Finanzbranche, findet der Frauenstreik nur ganz am Rand statt. Bild: thw


Schauplatz Volkshaus – Sie sind gestern aus den USA nach Zürich gereist und fliegen morgen wieder zurück: Bettie Douglas, Tanya Harrell, Fran Marion und Tianna Moore. Sie arbeiten für Fast-Food-Ketten wie McDonald's und Burger King und wehren sich gegen die schlechten Arbeitsbedingungen: tiefe Löhne von 8 Dollar die Stunde und sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz. Die vier Arbeiterinnen sind Teil der Gewerkschaft Service Employees International Union (Seiu) und engagiert in der weltweiten Bewegung «Fight for $15».

Nach Zürich sind sie auf Einladung der Gewerkschaft Unia gekommen. «Wir sind hier, um den Kampf der Frauen zu unterstützen», sagt die 61-jährige Bettie Douglas. Kein Weg sei zu weit, um sich mit anderen Frauen solidarisch zu zeigen. «United we stand, divided we fall», sagt die 26-jährige Tianna Moore immer wieder – «gemeinsam stehen wir, getrennt fallen wir». Douglas, die im Kampf für die Rechte der Frauen schon in Brasilien, Kanada, Dänemark oder Frankreich war, sagt, die Probleme seien überall dieselben. Demonstrationen wie der Frauenstreik seien besonders wichtig, pflichtet die 22-jährige Tanya Harrell bei: «Aktionen sind viel lauter und stärker als Wörter alleine.»

Die Gewerkschafterinnen Bettie Douglas, Tanya Harrell, Fran Marion und Tianna Moore im Zürcher Büro der Unia. Bild: zac

Die Bewegung habe schon viele Siege errungen, wie etwa einen Mindestlohn von 15 Dollar in sieben verschiedenen Staaten, aber der Kampf gehe weiter. Viele Manager würden ihre Anliegen noch zu wenig ernst nehmen, sagen die Arbeiterinnen, dabei seien sie es, die für die Wertschöpfung von McDonald's hauptsächlich verantwortlich seien. Heute Nachmittag werden sie an der Demonstration teilnehmen und sich solidarisch mit allen Schweizerinnen zeigen. (zac)


Schauplatz Uster – Die Stadt im Zürcher Oberland ist in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme. Sie ist die grösste Schweizer Stadt mit einer frauendominierten Stadtregierung. Und sie hat den städtischen Angestellten erlaubt, drei Stunden Streik als Arbeitszeit anzurechnen. Das ist Deutschschweizer Rekord – nur Genf ist grosszügiger.

Offiziell ist der Zeitraum von 10 bis 13 Uhr vorgegeben, aber schon um 9.30 Uhr ist viel los beim Stadthaus. Die Frauen haben eine grosse Gartenbeiz installiert. Genau da, wo 1991 eine gewisse Corine Mauch demonstrativ einen Liegestuhl aufgestellt hatte, um für die Sache der Frau zu demonstrieren. Mauch wurde damals in Uster «Frau Büchs» genannt, weil sie Abfallbeauftragte der Stadt war. Heute ist sie Zürcher Stadtpräsidentin und tut dasselbe wie vor 28 Jahren, aber auf dem Münsterhof.

Ein Stadtrat verteilt Kuchen: Stefan Feldmann (SP) in dienender Rolle.

Die Frauen werden von den Männern bedient. SP-Stadtrat Stefan Feldmann zum Beispiel steht am Kuchenbuffet. «Ich bin ein solidarischer Mann», sagt er. 1991 hatte er eben seine Buchhändlerlehre bei Orell Füssli in Zürich abgeschlossen und wurde am 14. Juni als «Chef de Parterre» eingesetzt, weil alle Frauen am Streiken waren.

Auf der Bühne rechnet eine Frau vor, dass sie dieses Jahr ohne Grund 28’026 Franken weniger verdienen wird als ein Mann. Sie verteilt Postkarten, die an Bundespräsident Ueli Maurer – auch ein Zürcher Oberländer – adressiert sind. «Dieser Betrag ist jeder Frau über 15 Jahren speditiv zu überweisen», fordert die Aktivistin. «Es hat leere Linien, um das Konto anzugeben.» (pu)


Schauplatz Wiedikon – Bäuerliches Buffet am Zürcher Idaplatz, eine gemütliche, «uncoole» Morgenstimmung an diesem sonst so hippen Ort. Die Frauen demonstrieren hier gegen unentgeltliche Care-Arbeit und die noch immer sehr traditionelle Rollenverteilung in vielen Bereichen der Landwirtschaft. Die Botschaft der Stadtbäuerinnen: «Die meisten Frauen in der Landwirtschaft sind verheiratet, in der Regel lautet der Betrieb auf den Ehemann als Betriebsleiter und ist auch in seinem Eigentum. Über 60 Prozent der Frauen auf Familienbetrieben erhalten keinen Lohn und haben entsprechend keine Sozialversicherungen.»

Bäuerinnenbuffet mitten in der Stadt Zürich. Bild: thw

Kurz nach 10 Uhr radelt eine Frau mit dem Velo heran, im Anhänger liegen Stühle, ein Bistrotisch und ein paar essbare Köstlichkeiten. Es ist Ursina Eichenberger vom Fondli-Hof in Dietikon, einem modernen Landwirtschaftsbetrieb an der Grenze zwischen Stadt und Land, der direkt an Konsumenten verkauft. Sie sei hier, um darüber zu diskutieren, weshalb es gerade in Bauernbetrieben noch immer sehr schwierig sei, die traditionellen Rollenmuster zu überwinden – und warum man es bis heute offensichtlich nicht hinbekomme, für Care-Arbeit ein Modell zu finden, wie diese finanziell abgegolten und auf beide Geschlechter aufgeteilt werden könne. Apropos Idaplatz und auf beide Geschlechter verteilte Arbeit: Das ebenfalls hier angesiedelte Calvados sportif, Zürichs wohl bekannteste Sportbar, bleibt heute geschlossen – weil da zwar viel mehr Männer verkehren, aber eben fast ausschliesslich Frauen arbeiten – und die sind heute im Streikmodus. Am Samstag ab 15 Uhr ist das Lokal dann wieder geöffnet, schliesslich spielt dann an der Frauen-Fussball-WM die Niederlande gegen Kamerun, das will frau (und man) sehen!

In dieser Bar läuft heute nichts, weil hier fast nur Frauen arbeiten. Bild: thw


Schauplatz Hardbrücke – Um 7.50 Uhr sieht es an der Zürcher Haltestelle Hardbrücke aus wie jeden Morgen um diese Zeit: Die Busse und Trams spucken gehetzte Frauen und Männer auf dem Weg zur Arbeit aus, von links und rechts radeln oder rasen Velos an den Passanten vorbei. Da und dort ein lila Shirt, ein violetter Jupe – ob Mode oder Frauenstreikbekundung oder beides, lässt sich nicht sagen. Noch nichts zu sehen ist von der angekündigten Klitoris-Wanderung (Motto: «Mobile Aufklärung ohne Sexismus»), die jetzt beginnen müsste.

150 Zentimeter grosses Geschlechtsteil: Streikende Frauen ziehen einen Leiterwagen mit einem Klitoris-Modell über die Zürcher Hardbrücke. Bild: thw

Zehn Minuten später ist dann klar: Alles ein Missverständnis – die Aktivistinnen meinten die Station Hardplatz, von dort unten kommen sie jetzt hoch zur Brücke mit ihrem rund 1,5 Meter grossen Geschlechtsorgan, das sie auf einem Leiterwagen transportieren. Überall werden Handys gezückt, eine TeleZüri-Kamera läuft auch, und mittendrin ein Mann mit Selfiestick, der dem rollenden Wagen das Kommando zum Halten gibt, damit er ein gutes Foto machen kann. Ob er wirklich verstanden hat, worum es heute geht? (thw)

«Frauen haben kein Loch, sondern eine Klitoris»: Botschaft auf dem Schaumstoffmodell.


Schauplatz Werdstrasse – Auch bei Tamedia in Zürich, wo unter anderem Tagesanzeiger.ch/Newsnet herausgegeben wird, ist Streik. Über 50 Frauen aus verschiedenen Abteilungen haben sich morgens um 8.30 Uhr zu einem gemeinsamen Streikbrunch getroffen. Organisiert wurde dieser von ihren männlichen Redaktionskollegen. Zahlreiche Frauen trugen T-Shirts mit der Aufschrift «no women, no news».

Die Journalistinnen bei Tamedia treffen sich zum Streikbrunch. Bild: zac

Frauen sind in der Medienbranche in der Minderheit. Ihr Anteil liegt landesweit bei 39 Prozent, wie eine Studie der ZHAW zeigt. In Führungspositionen sind es gar nur 25 Prozent, wie die NZZ berichtet. Gemäss der ZHAW sind Journalistinnen auch in Bezug auf ihren Lohn deutlich schlechter gestellt. Eine Erhebung aus dem Jahr 2017 zeigt: Frauen verdienen im Schnitt 1100 Franken weniger als ihre Kollegen.

Medienfrauen aus zahlreichen Redaktionen haben sich im Vorfeld des Frauenstreiks zusammengeschlossen und einen Forderungskatalog ausgearbeitet. Sie verlangen Lohngleichheit, mehr publizistische Macht und bessere Bedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Über 1100 Journalistinnen und Journalisten aus der ganzen Schweiz haben diesen Katalog bisher unterzeichnet. (zac)


Hier folgen im Verlauf des Tages weitere Beiträge von Schauplätzen des Frauenstreiks im Kanton Zürich. (red)

Erstellt: 14.06.2019, 09:37 Uhr

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