Ein Ausflug aufs Land, der sich auch kulinarisch lohnt

Der Gasthof Herrenberg am Mutschellen hat mehr als eine grandiose Aussicht zu bieten.

Es ist Wildsaison: Reh und Hirsch vertragen eine kräftige Sauce.

Es ist Wildsaison: Reh und Hirsch vertragen eine kräftige Sauce. Bild: Sabina Bobst

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Ausflugsrestaurants haben, kulinarisch gesehen, einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Viele Gäste kommen nach einer Wanderung oder einer Velotour so hungrig an, dass sie sich auch mit mittelmässigen Gerichten zufriedengeben. Hauptsache, die Portionen sind gross.

Das ist auch in etwa die Gemütslage, in der wir auf unseren Velos im Gasthof Herrenberg hoch oben über dem Mutschellen eintreffen. Wir haben eine Dreiviertelstunde «Bergsteigen» hinter uns. Durch eine wunderschöne, teilweise unberührte Landschaft, die man so nahe beim stark besiedelten Limmattal nicht vermuten würde. Nahe, aber eben hoch über dem Tal. Durst, Hunger.

Terrasse mit Aussicht

Erst können wir uns aber an der Aus- und Weitsicht kaum sattsehen: Die Stadt Zürich liegt uns zu Füssen, in der Ferne leuchten, teilweise schon verschneit, die Alpen. Der Säntis. Ganz rechts als dunkler Klotz der Pilatus. Die letzten Gäste verlassen nach diesem schönen Herbsttag eben die Terrasse. Zum Draussensitzen wird es nun doch zu kühl.

Der von Christine Minder geführte Gasthof Herrenberg ist ein Familienbetrieb mit Tradition. Vor einigen Jahren sollte hier ein Golfplatz entstehen. Das Projekt scheiterte. Nun kehren im Herrenberg vor allem Stammgäste ein, etwas seltener Städterinnen und Städter. Urban ist es hier oben nicht, sondern gemütlich ländlich. Das zeigt sich in der Einrichtung – und der Bedienung. Freundlich, ja geradezu fröhlich, unkompliziert, aber aufmerksam.

Auch Schnecken sind wild

Kulinarisch muss man, obwohl es sich um eine Ausflugsbeiz handelt, keine Abstriche machen. Im Herrenberg wird eine moderne Küche angeboten, saisonal und regional. Urchiges gibt es aber auch: Wurstsalat und Bauernrösti, Ghackets mit Hörnli, Cordon bleu.

Es ist Wildsaison, und mein Partner nimmt – Schnecken. Auch wild, findet er. Sie werden ohne Häuschen und mit einer hausgemachten Kräuterbutter überbacken serviert und sind blitzschnell weg. Meine Rehterrine (18.50 Fr.) dagegen hält etwas länger an. Sie ist geschmacklich ausgewogen und mit Sellerie-Apfel-Salat schön angerichtet.

Hoch oben und im Grünen. Foto: Sabina Bobst

Dann entscheiden wir uns für Rehschnitzel Calvados (42.50 Fr.) und Hirschrücken Medaillons Vigneron (44.50 Fr.). Das Fleisch ist exakt auf den Punkt gebraten. Die Wildrahmsauce zum Reh und die Rotweinsauce zum Hirschen sind sämig und kräftig im Geschmack, was beim Wild passt.

Die hausgemachten Spätzli sind nicht zu stark angebraten, das Rotkraut saftig. Und die Marroni? Zu Hause geraten sie entweder zu hart, oder sie zerfallen. Hier sind sie weich und trotzdem in der Form geblieben. Das hätte uns auch ohne Bärenhunger gemundet. Der übrigens gestillt wurde.

Gasthof Herrenberg

– Preis-Leistungs-Verhältnis
Nicht Stadtzürcher Niveau.

– Ambiance
Stylish ist anders. Angenehm unprätentiös, hell und freundlich. Terrasse mit Aussicht auf die Stadt und die Alpen.

– Service
Unkompliziert und fröhlich. Es scheint dem Personal Spass zu machen, hier zu arbeiten.

– So kommt man mit dem ÖV hin
Direkt gar nicht. (Mit dem Auto schon.) Zum Beispiel: Ab Bahnhof Dietikon mit dem Velo (ca. 45 Minuten) oder mit dem Bus 305 bis Kindhausen, dann eine halbe Stunde zu Fuss. Oder mit der S17 bis Berikon-Widen, dann zu Fuss über Züribieterstrasse (etwa 45 Minuten).

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In dieser wöchentlichen Rubrik lesen Sie unsere Urteile über Restaurants im Grossraum Zürich.

Erstellt: 10.10.2019, 17:11 Uhr

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