Ein Köbi-Denkmal würde Zürich guttun

Einer Figur wie Köbi Kuhn hätte man früher ein Denkmal gesetzt. In Zürich stehen die Chancen dafür gegenwärtig leider eher schlecht.

Köbi Kuhn 2008 auf der Fritschiwiese bei einem Abschiedsanlass zu seinen Ehren. Bild: Reto Oeschger

Köbi Kuhn 2008 auf der Fritschiwiese bei einem Abschiedsanlass zu seinen Ehren. Bild: Reto Oeschger

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Köbi Kuhn hat ein Denkmal verdient – er war ja schon zu Lebzeiten ein bisschen eines. Er erinnerte uns nicht zuletzt an ein Zürich, das so ganz anders ist als das Zürich von heute. Eines, das viele allenfalls noch aus Filmklassikern wie Polizischt Wäckerli oder Bäckerei Zürrer kennen. Etwas dörflich, etwas bieder und im Innersten überzeugt, dass die eigene Grösse etwas sehr, sehr Relatives ist.

Deshalb wäre Kuhn wahrscheinlich ganz zufrieden, sollte ihm dereinst das etwas unansehnliche Plätzchen nahe seines langjährigen Wohnorts hinter dem Triemli-Spital gewidmet werden, das schon heute inoffiziell nach ihm benannt ist. Der ehemalige Journalist Benjamin Styger, möchte die Stadt dazu bewegen, diese Würdigung amtlich zu machen. Ein schöner Gedanke, und Kuhn würde das genügen, aber er war manchmal allzu bescheiden. Er hat besseres verdient – wenn schon, denn schon.

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Soll die Stadt Zürich Köbi Kohn würdigen?







Warum nicht ein klassisches Denkmal auf der Fritschiwiese in seinem Quartier? Dort, wo er als Bub selbst tschuttete? Wo sich an den Wochenenden jeweils die Fans seines Vereins versammeln, des FC Zürich? Und wo an sonnigen Tagen Eltern mit ihren Kindern im Gras liegen und dann davon erzählen können, wer diese ältere Herr war und warum ihn einst fast das ganze Land ins Herz geschlossen hatte?

Nicht mehr zeitgemäss

Es ist absehbar, dass eine solche Idee Widerstand auslösen würde, nicht zuletzt bei der Stadt. Als die Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum vor knapp zehn Jahren angefragt wurde, ob sie Hans Künzi, dem Vater der Zürcher S-Bahn, ein Denkmal setzen könnte, tat sie sich schwer. Klassische Personenstandbilder seien nicht mehr zeitgemäss, hiess es. Die meisten, die heute in der Stadt stehen, würden aus dem späten 19. Jahrhundert stammen.

Deshalb beauftragten die Sachverständigen der Stadt einen Konzeptkünstler damit, Hans Künzi auf eine Weise zu würdigen, die einem «zeitgenössischen Verständnis des Denkmals» entspricht. Das Resultat sind jene leuchtenden Neonringe, die sich am Hauptbahnhof beim Ausgang Europaallee über die Decke bewegen. Neon in Ehren, aber so was wäre sicher ein Stück zu abstrakt für den unkomplizierten Köbi Kuhn und die meisten der Menschen, die sich in ihm zu erkennen glaubten.

Hätten Sie es gemerkt? Dieses Denkmal erinnert an Hans Künzi. Bild: Urs Jaudas

Erschwerend kommt hinzu, dass Zürich zwar allerhand Persönlichkeiten würdigt, die kaum mehr einer kennt, aber sich auffallend zurückhält bei Volkshelden aus der Welt des Sports. Es gibt zwar einen Hugo-Koblet-Weg, benannt nach dem verehrten Tour-de-France-Sieger, aber das einzige Sportlerdenkmal der Stadt ist vielen Kunstexperten eines zu viel: Die Figur vor dem Hallenstadion für den jung an Herzversagen gestorbenen Hockeyspieler Chad Silver war von der Gönnervereinigung des ZSC eigenmächtig dort platziert worden. Zum Ärger der Kunstkommission, die sie entfernen und durch ein künstlerisches Projekt von hoher Qualität ersetzen wollte.

Damit hatte die Stadt nichts zu tun: Das umstrittene Denkmal vor dem Hallenstadion. Archivbild: TA

Vielleicht wäre jetzt ein guter Moment, etwas entspannter zu werden und den Zürcher Figurenpark an klassischen Standbildern punktuell zu erneuern. Dann könnte man im Stadtzentrum jenes Denkmal aufstellen, das sich gerade Frauen als Gegengewicht zu Typen wie Hans Waldmann wünschen: eines für Katharina von Zimmern, die letzte Zürcher Äbtissin, als heimliche Heldin des «Zwingli»-Films wieder ins Bewusstsein gerückt. (Der Stadtrat lehnt ein solches Denkmal ab, ihm genügt offenbar der zu ihren Ehren aufgestellte abstrakte Quader aus 37 Kupferblöcken.)

Und man könnte auf der Fritschiwiese einen Köbi Kuhn aufs Trainerbänkli setzen, von wo er mit seinem seltsamen, etwas melancholischen Lächeln dem Treiben der Leute zuschaut.

Erstellt: 29.11.2019, 11:17 Uhr

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