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Ein Fest für die «Stätte des Genusses»

Der Gründer des Wildparks Langenberg schlief auf dem Bärenfell und badete im Gontenbach. Aber ohne seine Visionen und Tatkraft könnte der beliebte Park nun kein Jubiläum feiern.

«Eine bleibende Stätte des Genusses und einen Wallfahrtsort für Erholungsbedürftige und Lernbegierige von nah und fern»: Postkarte des Wildparks Langenberg und des Restaurants zur Gründerzeit.
«Eine bleibende Stätte des Genusses und einen Wallfahrtsort für Erholungsbedürftige und Lernbegierige von nah und fern»: Postkarte des Wildparks Langenberg und des Restaurants zur Gründerzeit.
Viel Wild: Gründer von Orelli wollte dafür sorgen, dass auch spätere Generationen eine «schöne und belebte» Natur entdecken können.
Viel Wild: Gründer von Orelli wollte dafür sorgen, dass auch spätere Generationen eine «schöne und belebte» Natur entdecken können.
Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich
Exotik von damals: Die Postkarte vom September 1916 enthielt die Botschaft «Wir sind bei den wilden Tieren, die ich dir auch mal zeigen will! Papi, es hät sogar a Bär! und es Zebra».
Exotik von damals: Die Postkarte vom September 1916 enthielt die Botschaft «Wir sind bei den wilden Tieren, die ich dir auch mal zeigen will! Papi, es hät sogar a Bär! und es Zebra».
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Der Wildpark Langenberg startet in ein besonderes Jahr: Vor 150 Jahren, genauer am 11. Dezember 1869, hat Stadtforstmeister Carl Anton Ludwig von Orelli eine Stiftung zum Bau der Anlage gegründet. Ein Jahr später wurde das erste, den gesamten Langenberg einfassende Gehege mit Rehen, Gämsen, Rot- und Damhirschen eröffnet.

Heute bewohnen 18 einheimische Tierarten den Park im Sihltal – darunter auch einige, die in der Schweiz nicht mehr in freier Wildbahn leben. Mit seinen rund 80 Hektaren ist er der flächenmässig grösste der Schweiz.

Wilderer und überjagte Wälder

Zur Gründerzeit der Anlage stand es allerdings schlecht um die örtliche Fauna und Flora. Von Orelli, ganz umsichtiger Forstmeister, sorgte sich angesichts der überjagten Wälder und der grassierenden Wilderei im 19. Jahrhundert um den Erhalt von «schönen und belebten» Wäldern um Zürich. Er beschloss, der Bevölkerung der Stadt Zürich und der Umgebung «eine bleibende Stätte des Genusses und einen Wallfahrtsort für Erholungsbedürftige und Lernbegierige von nah und fern» zu sichern.

Von Orelli wollte der Bevölkerung «eine bleibende Stätte des Genusses und einen Wallfahrtsort für Erholungsbedürftige und Lernbegierige von nah und fern» schaffen.

Am 8. Dezember 1868 wirft der Forstmeister bei der Kantonsverwaltung die Frage auf, ob nicht der «Walddistrict Langenberg, welcher sich vorzüglich zu einem Wildgarten eignen würde» erhältlich ist. Der Zürcher Regierungsrat lehnt dies jedoch ab, worauf von Orelli im September 1869 selbst anregt, die Kosten für den Bau eines Wildgartens zu übernehmen, und eine Stiftung gründet.

Der Stadtrat von Zürich, die Direktion des Innern und der Grosse Stadtrat stimmten dem Projekt zu und erteilten die Bewilligung für die zukünftige Nutzung des Langenbergs als Wildgarten. Auch die Gemeinden Langnau am Albis und Adliswil sicherten ihre Unterstützung zu.

Der Gründer des Wildparks Langenberg: Stadtforstmeister Carl Anton Ludwig von Orelli (Bild: Stadtarchiv Zürich)
Der Gründer des Wildparks Langenberg: Stadtforstmeister Carl Anton Ludwig von Orelli (Bild: Stadtarchiv Zürich)

Der Stadtforstmeister selbst lebte ab 1873 im «hübschen Chalet» auf der Kuppe des Langenbergs, dem heutigen Von-Orelli-Haus, das er nach seinem Tod der Stadt Zürich als Sommersitz und «Erholungsheim für deren Stadtväter» vermachte.

Vom Lebemann zum Eremiten

Von Orelli galt als guter Gastgeber mit weltmännischen Umgangsformen, hatte aber auch seine Eigenheiten. Nachdem sich seine Frau 1852 nach 16 Jahren Ehe von ihm scheiden liess, zog sich der Lebemann immer mehr von der Gesellschaft zurück und wurde zum Einsiedler. Er verzichtete auf den Verzehr von Fleisch, sein allmorgendliches Bad nahm er jeweils im Gontenbachtobel des Wildparks. Als Nachtlager diente ihm ein Bärenfell auf dem Fussboden, statt eines Kissens nutzte er ein Holzscheit.

Am 28. Januar 1890 stirbt von Orelli an den Folgen einer Erkältung in seinem Chalet im Alter von 82 Jahren. Seine Asche wurde am Eingang zum Wildpark Langenberg unter einem Findling beigesetzt.

Die Parkleitung führt von Orellis Andenken und seinen Ansatz weiter, den Park auch zu Ausbildungs- und Forschungszwecken zu nutzen. Der Tierpark ist Mitglied der Vereinigung Zooschweiz und weiterer Verbände wissenschaftlich geführter Zoos. Er ist wesentlich im Wiederansiedlungsprojekt der Przewalski-Pferde oder Takhis, wie sie in der Mongolei genannt werden, engagiert.

Der Park begeht das Jubiläum mit verschiedenen Spezialveranstaltungen, die während des ganzen Jahres stattfinden, und der Sonderausstellung «Wild und wir», die am 19. Mai startet.

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