Ein junger Aufsteiger übernimmt die Erfolgspartei

Die aufstrebende Zürcher FDP hat einen neuen Präsidenten: Der 36-jährige Hans-Jakob Boesch ist zum Nachfolger von Beat Walti gewählt worden. Er zeigte auch gleich, warum.

Der neue Präsident: Hans-Jakob Boesch.

Der neue Präsident: Hans-Jakob Boesch. Bild: Walter Bieri/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die FDP ist im Kanton Zürich jene Partei, der das Momentum gehört. Plus ein Drittel Wähler im vergangenen Jahr – bei einer solchen Performance müsste der Posten des Kantonalpräsidenten ein begehrter Job sein, könnte man meinen. Es waren aber keine grossen Namen, die sich heute Abend vor den Parteidelegierten zur Endausmarchung trafen, sondern zwei relativ Unbekannte: der erst 36-jährige Hans-Jakob Boesch und sein fünf Jahre älterer Konkurrent Peter Werder. Die beiden profitierten davon, dass mehrere angefragte Schwergewichte der Partei eine Absage erteilt hatten.

Der Ausgang der Wahl, die vor dem heutigen Abend eine Angelegenheit mit offenem Ausgang schien, war schnell klar: Boesch bekam schon bei seiner Rede vor den Delegierten deutlich mehr Applaus als sein Kontrahent. Dieser ist zwar ein Kommunikationsprofi, blieb aber auf dem Podest etwas blass und zeigte sich vor allem an Verfahrensfragen interessiert. Was er sagte, wirkte insgesamt etwas abstrakt.

Ein politisches Talent

Boesch hingegen rief den Freisinnigen in einem emotionalen Auftritt Mut zu und beschwor sie, dass nun noch mehr möglich sei für die Partei. Obwohl auch er kaum konkrete Inhalte nannte, auf die er setzen will, demonstrierte er eindrücklich, was ihm seine Wegbegleiter nachsagen: ein zupackend wirkendes politisches Talent. Das Verdikt der Delegierten fiel entsprechend deutlich aus: Boesch erzielte 161 von 213 Stimmen, Peter Werder nur deren 52.

Der 36-Jährige hat in seiner Partei eine Blitzkarriere hingelegt. Er ist der FDP erst vor fünf Jahren beigetreten, im gleichen Jahr, in dem er sein Studium der Politikwissenschaften an der Universität Zürich mit dem Doktortitel abschloss. Zwei Jahre später sass er schon in zwei Fachkommissionen der Kantonalpartei, und weitere zwei Jahre später wurde er in den Kantonsrat gewählt. Und nun also das Kantonspräsidium. Sein Beruf als Unternehmensberater wird daneben womöglich etwas zurückstehen müssen: Boesch wollte sich im Juni ohnehin neu orientieren – nun wird er womöglich nochmals über die Bücher gehen müssen.

Ja zu Cannabis-Legalisierung

Beide Kandidaten hatten sich im Vorfeld der Präsidentenwahl als überzeugte Liberale präsentiert. So hatten sich zum Beispiel beide für die Legalisierung von Cannabis und ein Adoptionsrecht für Homosexuelle ausgesprochen. Es waren aber auch Unterschiede zu erkennen: Boesch, der in jüngeren Jahren mit linken Ideen sympathisierte, grenzte sich deutlicher als Werder von der SVP ab. Werder wiederum verortete den politischen Gegner eindeutig auf der linken Seite.

Vom Stil und Temperament her schien Boesch Beobachtern als der etwas lockerere, angriffigere der beiden, während Werder seine Worte oft vorsichtig abwog. Ein Hauptziel war beiden Kandidaten gleichwohl gemein: Die FDP müsse klare Positionen vertreten, denn die die Partei solle auch bei den nächsten Wahlen noch einmal deutlich zulegen. Derjenige, auf dessen Schultern diese Aufgabe nun lastet, heisst Hans-Jakob Boesch.

Erstellt: 05.04.2016, 19:51 Uhr

Artikel zum Thema

Zürcher FDP-Präsident tritt ab

Kurz nach dem Rücktritt von Philipp Müller nimmt auch der kantonale FDP-Chef den Hut. Beat Walti will aber nicht auf die nationale Bühne der Partei. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Genuss und Freude schenken

Schenken Sie Ihren Freunden Hochgenuss in Form eines FINE TO DINE Gutscheins für über 130 Schweizer Restaurants.

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...