Ein Mörgeli für die SP-Spitze

Rafael Mörgeli heisst das neue Mitglied der Geschäftsleitung der kantonalen SP. Sein Onkel Christoph gratuliert – obwohl er findet, dass sein Neffe für diese Partei viel zu gescheit sei.

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Bald bestimmt Rafael Mörgeli die Geschicke der Zürcher SP mit. Er ist das neuste Mitglied in der neunköpfigen Geschäftsleitung der Partei. Die SP-Delegierten haben den 24-Jährigen am späten Montagabend mit grossem Mehr an die Spitze ihrer Partei gewählt.

Sein bekannter Onkel, Christoph Mörgeli, freut sich, dass sein Neffe ein neues Amt im Politbetrieb hat: «Ich gratuliere Rafael», sagt er. Allerdings wünschte sich der einstige SVP-Star und Alt-Nationalrat natürlich, sein Neffe hätte für die Politkarriere eine andere Partei gewählt.

Christoph Mörgeli bleibt gelassen beim Gedanken, dass ein Familienmitglied in der SP politisiert. «Die Hoffnung stirbt zuletzt», sagt er und fügt mit etwas Ironie in der Stimme hinzu: Er habe Rafael vor kurzem mitgeteilt, im Lauf seiner Karriere werde er schon merken, dass er für die SP viel zu gescheit sei.

Plädoyer von Daniel Jositsch

Die SP würde Rafael Mörgeli wohl nicht kampflos ziehen lassen – falls dieser überhaupt jemals einen Wechsel ins Auge fassen würde. Bei den Sozialdemokraten hat man gemerkt, dass der junge Mörgeli ein politisches Talent und Durchhaltewillen besitzt.

SP-Ständerat Daniel Jositsch hielt an der Delegiertenversammlung im vollständig gefüllten Saal des Volkshauses ein flammendes Plädoyer für Rafael Mörgeli. Er beschrieb ihn als bodenständig und lobte, wie er sich in der Region für die SP starkmache. Mörgeli ist zurzeit Präsident des Bezirks Meilen. Jositsch gehört dieser Parteisektion an und sagte deshalb scherzend: «Rafael ist mein politischer Präsident.» Er verstehe es, als Parteipräsident auch andere politische Meinungen gelten zu lassen.

Es bleibt offen, wie wichtig Jositschs Worte für den Ausgang der Wahl gewesen sind. Die SP-Delegierten stimmten geheim ab. Insgesamt buhlten am Montagabend fünf Bewerberinnen und Bewerber um den Sitz in der SP-Geschäftsleitung. Allerdings lag der junge Stäfner bereits im ersten von drei Wahlgängen vorne. Am Schluss entschied sich die Versammlung mit 87 Stimmen deutlich für ihn. Mörgeli überflügelte damit den einstigen Juso-Präsidenten Fabian Molina. Dieser erhielt mit 43 nur halb so viele Stimmen.

Harzige Suche fürs Präsidium

Schon in zwei Monaten ist bei der SP wieder Wahltermin. Dann geht es um das Präsidium der Kantonalpartei. Dieses wird zurzeit ad interim geführt, weil Daniel Frei nach einem Eklat in der Partei Ende Februar abrupt abgetreten ist.

Anders als gestern Abend werden sich am nächsten Wahltermin wohl nicht so viele Leute um einen Posten bemühen. Die Suche nach einer geeigneten Führungsperson läuft zurzeit harzig. Die Findungskommission sei von Bewerberinnen und Bewerbern bisher nicht überrannt worden, sagt Nationalrätin Priska Seiler Graf. Sie präsidiert die Kommission. Allerdings hätten sie die Suche auch erst vor rund einer Woche gestartet. Deshalb ist sie «zuversichtlich».

Erstellt: 21.03.2017, 14:57 Uhr

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