Ein Museum mit Nacktbereich

Bei dieser Ausstellung erkundet Baden seine Quelle: die Badkultur. Es ist keine Trockenübung.

Ein Museum? Ja. Ein Raum in der Sonderausstellung des Historischen Museums Baden.

Ein Museum? Ja. Ein Raum in der Sonderausstellung des Historischen Museums Baden. Bild: Nici Jost, 2019

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Garderobe, Nacktbereich, Therapiebereich, Heilbad, Ruheraum. Wo sind wir? Klar doch, in einem Museum! In einem, das in Sachen Badekultur an der Quelle ist. Das Historische Museum Baden überbrückt die Wartezeit, bis 2021 das neue Thermalbad, das derzeit nach Plänen von Mario Botta gebaut wird, eröffnet ist, mit der Ausstellung Badekult: von der Kur zum Lifestyle.

Es handelt sich um keine Trockenübung. Nicht nur, weil man die Limmat stets vor Augen hat, die direkt vor dem Museum und durch die grossen Fenster des Erweiterungsbaus durchfliesst. Sondern auch, weil die Besucher und Besucherinnen verschiedentlich zur Interaktion animiert werden. Allerdings nicht im Nacktbereich. Dort geht es ganz gesittet zu und her.

Visualisierung des neuen Thermalbads von Mario Botta.

Gesittet, ja fast schon prüde, wenn man liest, welchen Aufruhr die dem antiken Ideal nachempfundenen nackten Figuren des Badener Künstlers Hans Trudel (1881–1958) auslösten. So war er etwa gezwungen, 1929 seinem Ikarus ein Feigenblatt zu verpassen. Dieses ist in der Ausstellung zu sehen, denn es wurde in lockereren Zeiten auf Geheiss eines offenbar kunstverständigen Stadtschreibers wieder entfernt.

Die Ausstellung lebt weniger von hervorstechenden Objekten als von Bildern und Texten – und von dem wirklich originellen Konzept des Büros Stauffenegger+ Partner. Immer wieder schön sind die alten Werbeplakate, auf denen wiederholt darauf hingewiesen wird, dass Baden bei Zürich liege. In den 1980er-Jahren scheint das geradezu ein Slogan des Badener Tourismusbüros gewesen zu sein.

Werbeplakat für das Thermalbad Baden, wohl um 1970. Bild: Historisches Museum Baden

Zeitgeist lässt sich kaum besser illustrieren als durch das farbenfrohe Poster, das eine kokettierende Dame mit kurioser Gummibadekappe zeigt. Hygiene und Mode vereint! Es stammt wohl aus den 1960- oder 1970er-Jahren.

Als Gegenstück dann das vom Bauhaus inspirierte Plakat aus dem Jahr 1935. Rein grafisch und in gedeckten Farben steht dort: «Rheuma – Hotel National Baden – Pauschalpreis 21 Tage von Fr. 230 an – inkl. Bäder, Trinkgelder Kurtaxe etc.»

Ziemlich nüchtern: Vom Bauhaus inspiriert. Werbeplakat 1935

An einer Hörstation, auf einem Bassinrand sitzend, jammert einem Hermann Hesse die Ohren voll. Er fühle sich nach dem warmen Bade so schlapp, als sei er 200 Jahre alt. Etwas unappetitlich wird es bei der Beschreibung der Körperkultur des 17. und 18. Jahrhunderts, als Wasser als gesundheitsgefährdend galt. Man glaubte, dass es durch die Poren ins Körperinnere dringe und benutzte stattdessen Puder und Parfüm.

Gleichwie sie stark getanzt hatten, und folglich stark schwitzten, so krochen Läuse unter den Locken ihrer schönen Haare hervor.David François de Merveilleux

Bei David François de Merveilleux, der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts einen Bericht über den «Angenehmen Zeitvertreib in den Bädern zu Baaden» schrieb, ist über die «Teutschen» zu lesen, «die alle Tage Puder auf Puder streuen»: «Gleichwie sie stark getanzt hatten, und folglich stark schwitzten, so krochen Läuse unter den Locken ihrer schönen Haare hervor.» Dergleichen erzählt man sich im Übrigen auch vom Hofe des Sonnenkönigs.

Physiotherapie im Badhotel Adler um 1969. Bild: Werner Nefflen, Historisches Museum Baden

Wem der Sinn nach solchen Geschichten nach einem reinigenden Bade steht, kann sich – zu gewissen Zeiten und kostenlos – ein paar Fussminuten weiter ein solches in passender Umgebung gönnen. Der Verein Bagni Populare hat im einstigen Badgasthof Raben am Kurplatz 3B ein Becken mit echtem Badener Thermalwasser aufgestellt.

Dieses dringt in Baden 47 Grad warm an die Oberfläche und ist das mineralreichste der Schweiz. (Es schwefelt ziemlich.) Zudem werden die Badkammern des ältesten Badgasthofs Badens künstlerisch inszeniert (29. Februar bis 30. Mai), gleichzeitig findet das Flow-Festival mit verschiedenen Performances statt.

Eine Badenfahrt für Zürcher

Dass Baden wirklich bei Zürich liegt, lässt sich am Samstag, 14. März, in besonderer Weise erfahren. Dann startet um 13.25 Uhr im Zürcher Hauptbahnhof eine Spezial-Badenfahrt mit szenischen Einlagen, Spanischbrötli und Führung in der Ausstellung. (Anmeldung bis zum Vorabend).

Infos zur Ausstellung und den Begleitveranstaltungen finden Sie hier.

Erstellt: 14.02.2020, 16:15 Uhr

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