Dieser «Türkis-Noser» war nicht zu schlagen

Ruedi Noser gewinnt den zweiten Wahlgang, weil er genau die richtige Dosis Grün ins FDP-Blau mischte – und ihn die SVP trotzdem unterstützte.

Liess seiner grünen Herausforderin keine Chance: Der wiedergewählte FDP-Ständerat Ruedi Noser. Foto: Reto Oeschger

Liess seiner grünen Herausforderin keine Chance: Der wiedergewählte FDP-Ständerat Ruedi Noser. Foto: Reto Oeschger

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Es waren noch längst nicht alle Stimmen ausgezählt, aber die Zahlen waren bereits eindeutig: Die Zürcherinnen und Zürcher wählen Ruedi Noser (FDP) neben Daniel Jositsch (SP) in den Ständerat. Die Hochrechnungen prognostizierten für Noser zwischen 179'000 und 188'000 Stimmen. Und für Marionna Schlatter (Grüne) lediglich 114'000 bis 121'000 Stimmen, ein eher enttäuschendes Resultat (lesen Sie die Reaktionen im Live-Ticker). Die Hochrechnungen sollten Recht behalten: Am Ende machte Noser 185’276, Schlatter 116’594 Stimmen.

Schlatter hatte die beiden Megathemen des Jahres auf ihrer Seite – die Klima- und die Frauenfrage. Aber das heutige Ergebnis zeigt, dass dies nicht reicht. Wer in den Ständerat will, muss bekannt sein, etabliert, mehrheitsfähig, berechenbar. Die grüne Welle spülte diese Gewissheit 2019 in anderen Kantonen weg – nicht aber in Zürich.

Das hat viel damit zu tun, dass Ruedi Noser all die klassischen Kriterien erfüllte. Ein Bisheriger, als Unternehmer respektiert, als Redner volksnah, frei von groben politischen Fehltritten. Vor allem aber präsentierte er sich als «Türkis-Politiker» – als blauer FDPler mit grüner Beimischung. Mit diesem Profil war er nicht zu schlagen. Zumal er auch die Unterstützung der SVP-Basis hatte, die unbedingt Schlatter verhindern wollte.

Regionalpolitisch betrachtet ist das Ergebnis für den Kanton erfreulich: Jositsch und Noser kennen jedes Schräubchen der Berner Politmaschine, als Zürich-Lobbyisten sind sie Schwergewichte. Die beiden wissen ganz genau, wann sie sich von Finanzdirektor Ernst Stocker mit welchen Zahlen beliefern lassen müssen, um für den Kanton den besten Deal herauszuholen. Marionna Schlatter hätte in diesen Punkten eine steile Lernkurve hinlegen müssen.

Auf der anderen Seite sind die beiden nun auch in der Klimafrage als Dealmaker gefragt. Das Überthema wird im Parlament nun in immer neuen politischen Fragen wieder und wieder auftauchen. Steuersystem umbauen? Die Landwirtschaft klimafreundlicher machen? Road Pricing einführen, oder gar bestimmte Verkehrsmittel verbieten? Wie mit der Gletscherinitiative umgehen, die «Netto Null» bis 2050 fordert? Vor allem Ruedi Noser, der im Komitee ebendieser Initiative sitzt, wird beweisen müssen, dass es ihm ernst ist mit der grünen Beimischung in seinem Politprofil. Denn die Vorlagen werden kommen, bei denen Klimaschutz und Wirtschaft aufeinanderprallen.

Und dann genügt es nicht mehr, keine Fehler zu machen. Dann gilt es, Farbe zu bekennen.

Erstellt: 17.11.2019, 12:59 Uhr

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