Wenn die Kita via App in Echtzeit informiert

Ein Push bei jedem Pupser: Kindertagesstätten in der Region Zürich nutzen Apps, um Eltern zu informieren, was ihre Kleinen gerade tun.

Geht es ihm gut? Eine App liefert laufend Informationen über alles, was das Kind in der Kita gerade tut.

Geht es ihm gut? Eine App liefert laufend Informationen über alles, was das Kind in der Kita gerade tut. Bild: Keystone

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Was macht das Baby gerade? Ist die Kleine wohlauf? Isst er auch ordentlich? Eltern, die ihre Kinder in der Kindertagesstätte «Erdmännli» in Zürich betreuen lassen, bekommen seit Ende November laufend Antworten auf diese Fragen.

Dort und in zwei weiteren Kitas im Raum Zürich und Aargau wurde in den vergangenen drei Monaten die Web-App «nubana» getestet, die Väter und Mütter in Echtzeit über den Tagesablauf ihrer Kinder informiert, wie «watson» berichtete. «Da die Reaktionen darauf bei den Eltern und bei unseren Mitarbeiterinnen positiv ausfielen, werden wir weiterhin mit der App arbeiten und sie auch in unserer zweiten Kita in Wettingen einführen», sagt «Erdmännli»-Inhaberin Tanja Küpfer.

Rapport per Spracherfassung

Die App gibt unter anderem Auskunft darüber, wie lange die Kinder draussen waren und was sie dabei getan haben, ob sie geschlafen haben und wenn ja, wie lange, wie viel sie gegessen haben und wovon. Selbst der Stuhlgang der Kleinen wird dokumentiert. Und damit die Eltern es auch nicht verpassen, wenn der Nachwuchs was Schönes aus Sand kreiert, bekommen sie auch ab und zu ein Foto zu sehen - dies aber nur, wenn sie eine entsprechende Datenschutzerklärung unterzeichnet haben.

Solche Tagesrapporte für die Eltern, bei denen über Schlaf- und Essgewohnheiten Buch geführt wird, habe es in ihrer Kita schon vor der Einführung der App gegeben, sagt Küpfer. «Damals mussten wir alles schriftlich notieren, heute können wir die Angaben über die Spracherfassung in das System eingeben. Der Zeitaufwand ist viel geringer.»

«Mein Team ist begeistert von der digitalen Datenerfassung. Die Informationen sind präziser und allen zugänglich.»Tanja Küpfer,
Kita-Inhaberin

Unternehme sie beispielsweise mit fünf Kindern dasselbe, könne sie nun deren Namen in der App anklicken und das System erfasst die Tätigkeit für alle gleichzeitig. «Mein Team ist begeistert von den Möglichkeiten der digitalen Datenerfassung. Die Informationen sind präziser und allen zugänglich», sagt Küpfer, die bei der Entwicklung des Tools als Beraterin mitwirkte.

Die Anwendung der App ist freiwillig. In der «Erdmännli»-Kita haben aber laut Küpfer ausnahmslos alle Eltern mitgemacht. Derzeit werde evaluiert, wie viele Eingaben durch das Betreuungspersonal nötig und erwünscht seien. «Das hängt vom Feedback der Eltern ab. Wer einen Säugling von uns betreuen lässt, möchte beispielsweise eher wissen, wann und wie oft er gegessen hat, als Eltern von Kleinkindern.»

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Anfragen aus Schulen

Laut «nubana»-Gründerin Raphaela Cusati sind auch noch einige technische Verbesserungen nötig, um die Handhabung zu vereinfachen. Im März wolle sie die App auf den Markt bringen. «Wir haben aber jetzt schon diverse Anfragen – vereinzelt auch von Schulen. Wenn Whatsapp dort künftig verboten sein sollten, braucht es weiterhin Möglichkeiten, um in einem datenschutzkonformen Rahmen in Gruppen zu kommunizieren und Eltern zu informieren.» Idee der App sei, sämtliche mit Erziehung oder Betreuung involvierten Personen darauf zu verbinden – also auch Spielgruppen, Kindergärten und Schulen.

Apps, mit denen über das Tun und Lassen der Kinder Buch geführt werden kann, kommen auch an anderen Zürcher Betreuungseinrichtungen zur Anwendung. In der Kita, in welcher Sebastian Danielsson seine beiden Kinder betreut lässt, gibt es ein ähnliches Angebot seit November. «Wir nutzen die App nicht so häufig. Einige Informationen finde ich sogar überflüssig», sagt er. «Eine Zeit lang wurde ich beispielsweise darüber benachrichtigt, wann die Kinder aufs Klo gingen. Auch die genauen Informationen darüber, wie viel Gemüse, Brot oder Fleisch sie zu sich nehmen, finde ich übertrieben.»

«Eine Zeit lang wurde ich darüber benachrichtigt, wann die Kinder aufs Klo gingen.»Sebastian Danielsson,
Vater zweier Kindern

Praktisch seien jedoch organisatorische Informationen – beispielsweise über den genauen Ablauf des Räbenliechtliumzugs oder die Esspläne der Woche, damit zu Hause nicht dasselbe auf den Tisch komme. «Hilfreich finde ich auch die Push-Nachricht, die ich jeweils erhalte, wenn die Kinder in der Kita eintreffen oder abgeholt werden. Vor allem wenn Grosseltern oder Aupairs bei der Betreuung mithelfen, ist diese Information wichtig.»

Danielsson erhält jeweils auch eine Nachricht, wenn die Kinder einschlafen und wenn sie wieder aufwachen. «So wissen wir schon im voraus, wie fit sie sein werden, wenn wir sie am Abend abholen und können besser abschätzen, ob wir sie bald ins Bett bringen müssen oder ob wir noch etwas unternehmen können.»

Was ist mit dem persönlichen Kontakt?

Der IT-Fachmann ist der Meinung, dass die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern der Krippe und den Eltern dank der App in manchen Dingen vereinfacht werde. So seien die langen Wartezeiten am Abend bei der Übergabe der Kinder vorbei, weil vieles schon über die App mitgeteilt wurde. «Andererseits besteht die Gefahr, dass die Interaktion mit den Betreuerinnen, der menschliche Aspekt ganz entfällt», sagt Danielsson. Ein solches Tool könne ein direktes Gespräch nicht ersetzen. «Es geht ja nicht nur ums Essen und Trinken sondern auch ums soziale Verhalten der Kinder und das wird nicht erfasst.»

«Ein solches Tool kann ein direktes Gespräch nicht ersetzen. Es geht ja nicht nur ums Essen und Trinken.»Sebastian Danielsson

Ihm ist vor allem wichtig, dass die Betreuerinnen nicht zu viel Zeit damit verbringen, die verschiedenen Informationen einzutippen, und dass sie nicht ständig mit einem iPhone oder iPad in der Kita unterwegs sein müssen. «Mir wurde aber gesagt, dass es viele Eltern gebe, die detailliert über alles informiert sein wollen. Das finde ich sehr bedenklich.»

Tanja Küpfer kann seine Bedenken nicht teilen. Die App bedeute für das Kita-Personal eine Vereinfachung von diversen administrativen Abläufen. «Wir haben nun mehr Zeit für Fragen und Gespräche über die Entwicklung der Kinder, weil das Alltägliche bereits über die App vermittelt wurde. Der Kontakt mit den Eltern ist sogar intensiver geworden.»

Erstellt: 06.02.2019, 10:59 Uhr

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