Ein Zürcher Quartier kämpft für günstigen Wohnraum

Eine Stiftung will in Zürich fünf Häuser mit preiswerten Wohnungen abreissen. Innert Kürze konnten über 1700 Unterschriften dagegen gesammelt werden.

Bald Geschichte: Die rostroten Häuser oberhalb des Hegibachplatzes sollen durch Neubauten ersetzt werden.

Bald Geschichte: Die rostroten Häuser oberhalb des Hegibachplatzes sollen durch Neubauten ersetzt werden. Bild: Reto Oeschger

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Solche Wohnungen sind in Zürich gesucht: Drei Zimmer, Fischgratparkett, Gasherd, helle Räume, zentral gelegen – und vor allem preiswert. Die kleine Siedlung an der Hofackerstrasse 1 bis 5a im Hirslandenquartier bietet solche Wohnungen für rund 1200 Franken im Monat. Und das seit Jahrzehnten.

Doch ihre Besitzerin, die Stiftung GGN, will sie durch Neubauten ersetzen. Statt 46 sollen an derselben Stelle 48 Wohnungen entstehen. Ein Drittel davon im günstigen Preissegment, zwei Drittel zu marktüblichen Preisen.

Ihre Neubaupläne hat die Stiftung im letzten Herbst verkündet. Stiftungsratspräsident Andreas Müller sagte damals in der «Züriberg»-Quartierzeitung: «Nach einer sorgfältigen Abwägung der Alternativen sind wir zum Schluss gekommen, dass ein Abriss und ein Ersatzneubau unumgänglich sind.» Eine Renovation sei aufgrund des Sanierungsbedarfes zu umständlich und auch zu teuer.

Unverständnis bei der Mieterschaft

Bewohnerin Monika Steineberg kann das überhaupt nicht nachvollziehen. Sie bemängelt nichts an ihrer Wohnung und sagt, an den Häusern sei kein gravierender Sanierungsbedarf auszumachen. Sie fürchtet sich davor, ihr geliebtes Zuhause zu verlieren und in Zürich keinen Ersatz zu finden. Deshalb will sie um die Siedlung kämpfen. Sie sagt: «Ein Abriss würde vieles zunichtemachen. Nicht nur die schönen Häuser, sondern auch unsere Gemeinschaft.»

Gemeinsam mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern hat Steineberg deshalb eine Petition lanciert und in umliegenden Briefkästen verteilt. Der Rücklauf sei überwältigend und die Solidarität im Quartier gross. Mehr als 1700 Unterschriften seien in den ersten Tagen zusammengekommen. Die Sammlung läuft noch bis Ende September. Dann will die Interessensgemeinschaft Hofackerstrasse die Unterschriften der Stiftung und der Stadt übergeben.

Die Stiftung GGN schreibt auf Anfrage, dass man aktuell noch keine Stellung nehmen könne, es bestehe noch gar kein Bauprojekt. Hier würden zurzeit erst vertiefte Abklärungen laufen. Man sei im direkten Kontakt mit den relevanten städtischen Instanzen, das würde noch einige Zeit dauern. Erst nach Vorliegen eines konkreten Bauprojekts will die Stiftung Mieter und Anrainer informieren.

Stiftungen mit sozialem Zweck

Der Zürcher Mieterverband unterstützt die Petition für die Hofackerstrasse. Kommunikationschef und AL-Gemeinderat Walter Angst findet vor allem störend, dass die Stiftung einen sozialen Zweck hat. Er beobachtet vermehrt, dass Eigentümer mit sozialer Ausrichtung sich marktorientiert verhalten und günstigen Wohnraum ersetzen – zum Beispiel auch die A-Porta-Stiftung, die im Stadtzürcher Kreis 4 mehrere Häuser mit insgesamt 300 günstigen Wohnungen abreissen lässt.

Auch die Stiftung GGN hat einen gemeinnützigen Zweck und unterstützt soziale und gesellschaftliche Projekte. So ist sie beispielsweise Trägerin des Alters- und Pflegewohnheims Aventin in Hottingen. Dieses ist nach eigenen Angaben eines der grössten privaten und gemeinnützigen Alters- und Pflegeheime in Zürich. Rund 120 Bewohnerinnen und Bewohner leben dort.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.09.2018, 11:06 Uhr

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